Nach unseren durchwachsenen Erlebnissen mit arabisch geprägten Reisezielen wie Quatar, Ägypten oder Zell am See hatten wir eigentlich beschlossen, nie wieder ein arabisches Land zu besuchen. Aber schon James Bond wußte es besser: Sag niemals nie! In Reiseprospekten wird der Oman wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht gefeiert und überzeugende Berichte vom eigenen Enkel führten zu einer letzten Gelegenheit zur Aussöhnung mit der arabischen Kultur.
Um es gleich zu sagen: unser Reisebudget reichte nicht für tausend Nächte, aber unsere vierzehn Nächte reichten für einen wunderschönen Urlaub, über den ich in den nächsten Beiträgen berichten werde. Ich kann allerdings nicht garantieren, dass meine Beobachtungen auch heute noch gelten, denn kurz nach unserer Rückkehr begann der Irankrieg.
Ankunft in Muscat
Bei der Ankunft am Flughafen in Muscat fiel mir auf, dass man hier offensichtlich mit Krummsäbel auf die Toilette geht. Das gab mir natürlich zu denken, denn bisher hatte ich es nicht für notwendig erachtet, mit Bewaffnung zu pinkeln.

Doch in der Immigration Hall beruhigte mich eine Botschaft des Propheten Mohammed (Friede sei mit ihm): Gäste dürfen hier weder beleidigt noch verarscht werden.

Das ist gut zu wissen, denn sollte dir ein Omaner dumm kommen, kannst du ihm sofort die Botschaft des Propheten vor den Latz knallen. Aber das ist eigentlich gar nicht nötig, denn wir trafen ausschließlich freundliche, offene und hilfsbereite Menschen. Ausgenommen die grimmig starrenden Zollbeamten, aber bei denen gehört das wohl weltweit zum Berufsbild.
Da unser Flug um 07:00 Uhr morgens landete, gingen wir erstmal ordentlich frühstücken.

Das traditionelle omanische Frühstück war ein sensationeller Start in den Urlaub. Nur der Kaffee mit seinen Gewürzen war etwas gewöhnungsbedürftig. Dafür schmeckte der arabische Karak-Tee umso leckerer. Gestärkt machten wir uns noch vor dem Einchecken im Hotel auf zum ersten Highlight.
Die Große Sultan Quabus Moschee
Sie ist eine der weltweit größten Moscheen und sieht tatsächlich ein bisschen aus wie aus dem Märchenbuch. 400.000 Tonnen indischer Sandstein wurden auf einem 400.000 Quadratmeter großen Grundstück zu einer absolut sehenswerten orientalischen Komposition verbaut.


In der Mitte der 50 Meter hohen Kuppel hängt einer der größten Kronleuchter der Welt. Mit über 1.000 Lampen und einem Gewicht von 8 Tonnen steht man besser nicht darunter, wenn die Halterung bricht.



Den Boden der Haupthalle bedeckt ein 60 x 70 Meter großer Teppich, den 600 iranische Knüpferinnen über drei Jahre lang produzierten. Wegen seiner Größe musste er in mehreren Einzelteilen nach Muscat transportiert werden, wo die Stücke zusammengenäht wurden.

Vielleicht sollte der Iran vom Atombombenbau auf die Entwicklung autonom fliegender Teppiche umschwenken. Die Grundtechnologien haben sie ja offensichtlich: autonome Drohnen, atomare Energie und Webtechniken. Für den Weltfrieden: Atomphysiker an die Webstühle!
Zwischen Moderne und Tradition
Im Oman gelingt eine Kombination aus modernen und traditionellen Elementen. Während die Briefzustellung offenbar noch auf die altbewährte Flaschenpost setzt, entstehen moderne Berufsbilder in der Halbleiter- und Chips-Industrie.


Der Sultan herrscht im Oman quasi alleine und hat die Zeichen der Zeit erkannt. Er setzt konsequent auf kostenlose Schulbildung, die von 90% der Kinder genutzt wird. Auch wenn nicht jedes Kind mit Freude in den Schulbus steigt.

Im modernen Opernhaus von Muscat gibt es eine kostenlose Ausstellung zu traditionellen Musikinstrumenten.

Die Tanburah ist eine Mischung aus Gitarre und Webstuhl. Leider gab die Ausstellung keine Hinweise dazu, wie man mit so einem Ding spielen könnte.

Die Rababah kann sich nicht recht entschließen, ob sie lieber eine Trommel oder eine Geige werden soll, wenn sie mal groß wird. Im Ernstfall konnte man das Instrument mit einem Handgriff zur Selbstverteidigung umbauen, vorausgesetzt man hatte genügend Pfeile dabei.

Meine Vorstellungskraft reichte nicht aus, um mir die Musik vorstellen zu können, die man mit diesen eigenwilligen Instrumenten machen konnte. Zum Glück zeigte das Museum eine Videoanimation. Aber die Fragezeichen auf meinem Gesicht konnte auch das Erklärvideo nicht restlos beseitigen. Schau selbst:
Die Rolle der Frau in der omanischen Gesellschaft scheint ebenfalls zwischen Tradition und Moderne zu schwanken. Wir sahen selbstbewusste Frauen am Steuer eines SUV, die mit durchaus heißem Reifen durch die Gegend bretterten und Geschäftsfrauen, die ihre männlichen Kollegen herumscheuchten.
Und dann trafen wir immer wieder auf eine klassische Konstellation: die Fünfergruppe. Vorneweg ein Mann in weißem Kaftan und in gebührendem Abstand vier Frauen in schwarzen Umhängen, der Abaya. Denn im Oman darf der Mann bis zu vier Ehefrauen haben. Keine Ahnung, wie das im Alltag funktionieren soll, wenn ich an die SinnlosReisende denke.


Es gibt hier Fachgeschäfte für maßgeschneiderte schwarze Umhänge. Was man als Tourist nicht ahnt: die Frauen tragen unter dem schwarzen Mantel farbenfrohe, reich verzierte Kleider. Krass!


Muscat Nights
Am späten Nachmittag stolperten wir an einem Stadtstrand zufällig in ein Event, die Muscat Nights. Dieses Festival bietet jedes Jahr im Januar an verschiedenen Locations überwiegend kostenlose Attraktionen. Wir staunten über eine Oldtimerausstellung, starke Männer, die sich im Tauzieh-Wettbewerb maßen und omanische Folkbands.






Während im Hintergrund auf einer Open-Air-Bühne eine Rock-Pop-Band ihren Soundcheck machte, flogen waghalsige Männer in fliegenden Sitzkissen über den Strand.

Das war so ungefähr das Programm unseres ersten Tages im Oman. Nicht übel, wie ich finde. Im nächsten Beitrag geht es dann ins Landesinnere. Bis bald.
Danke für diesen Bericht, der viele Erinnerungen wachrief.
Unsere Oman-Reise zählt für mich zu den schönsten Reisen. Zu gern erinnere ich mich an den jungen Mann, der beim Sundowner in der Wüste neben mir saß, göttlich roch und mir von dem Amouage-Duft Memoir erzählte. Begeistert beschrieb er mir den Duft und erklärte ganz genau, wo ich ihn kaufen könne. Den Preis, der mich später zusammenzucken ließ, erwähnte er allerdings nicht. Erst auf warmer Haut entfaltet dieser orientalische Duft seine ganze Magie –
deshalb gekauft😉
Sonnige Grüße, Jutta
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Danke für den mehr als gelungenen , großartigen Beitrag; erinnert mich an meine Aufenthalte eben dort….
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