Mit Mietwagen hatten wir bisher immer Glück gehabt. Diesmal war das Glück nicht auf unserer Seite, denn wir bekamen einen ausgelutschten Nissan Sunny mit schwachem Motörchen, einem gummiartigen Automatikgetriebe und 90.000 km auf dem Tacho. Bei der Abholung röchelte der alte Wüstenfuchs etwas kurzatmig, aber selbstzufrieden vor sich hin. Er wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was auf ihn zukam.
Wir machten uns auf den Weg ins bergige Landesinnere, auf vorbildlich ausgebauten Straßen. Unser erstes Ziel war die ehemalige Hauptstadt Nizwa.
Nizwa
Lange Zeit war die Oasenstadt am Südrand des größten Gebirges von Oman kulturelles und politisches Zentrum des Landes. Dementsprechend wuchtig sind das Stadttor und das Fort.



Die Reiseführer schwärmten von der flirrenden Geschäftigkeit im Souk und dem emsigen Treiben in den Straßen von Nizwa. Wir trafen auf eine komatöse, fast menschenleere Siedlung. Weil die SinnlosReisende seit Längerem an einer hartnäckigen Allergie gegen Frühaufstehen leidet, hatten wir die Stadt am frühen Nachmittag erreicht, als sich gerade alle Händler zur Mittagsruhe begaben. Das hatte den Vorteil, dass wir unbehelligt durch die engen Gassen flanieren konnten, die sich vehement gegen jeglichen Autoverkehr wehrten.

Die Stadtmauer von Nizwa ist größtenteils restauriert und führt in luftiger Höhe um die Kernstadt. Das bietet eine gute Möglichkeit, über dem Gewimmel der Gässchen zu spazieren, ohne den Überblick zu verlieren.

Dschabal Schams
Der höchste Berggipfel im Oman kennt zahlreiche Schreibweisen: Ǧabal Šams, Jebel Shams, Jabal Shams, Dschabal Schams oder einfach nur جبل شمس. Er führt bis auf 3.000 Meter und wird wegen einer tausend Meter tiefen Schlucht auch als der Grand Canyon von Arabien bezeichnet. Für die Auffahrt werden Vierradantrieb, große Bodenfreiheit und ein starker Motor dringend empfohlen.
Unser Sunny hatte nichts davon im Angebot. Wir entschlossen uns trotzdem, das Risiko einzugehen. Wir konnten ja immer noch auf die Dienste der Einheimischen umschwenken, die gegen harte Münze einen Shuttle-Service anboten.

Der alte Nissan tat mir leid, denn ein Veteran sollte keine solchen Strapazen in der dünnen Bergluft ertragen müssen. Wir rumpelten durch Schlaglöcher, quälten uns durch beunruhigende Steigungen und pflügten durch sandiges Geröll. Aber das Stadtauto hielt sich wacker und kletterte tapfer über die Schotterpiste, auch wenn die Achse ächzte und der Lüfter beängstigende Pfeifgeräusche von sich gab.
Oben angekommen, erwarteten uns atemberaubende Aussichten, fast wie im Grand Canyon. Nur nicht so überlaufen. Und kostenlos.




Nach dieser Bergetappe machten wir einen Boxenstop an einer Tankstelle. Ich musste zum Luftdruck prüfen das Ventil aus einer Staubschicht ausgraben und stellte fest, dass die Unterbodenverkleidung ziemlich lädiert war. Aber immerhin waren keine lebenswichtigen Bauteile kaputt.
Tanken ist im Oman ein wahres Vergnügen. Für umgerechnet 49 Cent pro Liter lohnt sich keine Start-Stop-Automatik. Die Benzinpreise erklären, warum viele Omanis das Auto laufen lassen, während sie beim einkaufen sind.

Al-Hoota Cave
Auf dem Rückweg vom Dschabal Shams zu unserem Hotel in Bahla besuchten wir die Tropfsteinhöhle von Al-Hoota. Vom Besucherzentrum brachte uns ein Golfkart zum Eingang der Höhle. Ursprünglich war wohl mal eine S-Bahn für die 300 Meter vorgesehen, aber die steht nun als Museumsstück vor dem beeindruckenden Stollen.

Da fällt mir ein alter Witz ein:
Der Sohn des Scheichs geht zum studieren nach Berlin. Nach zwei Wochen fragt der Scheich, wie es ihm gehe. „Na ja, ganz gut“, antwortet der Sohn. „Nur schauen mich die anderen Studenten immer schräg an, wenn ich mit dem Maserati vor der Uni parke. Die anderen kommen alle mit der S-Bahn.“
„Mein Sohn“, antwortet der Scheich. „Bring keine Schande über die Familie! Kauf dir auch eine S-Bahn!“



Bahla
Die Oasenstadt Bahla beeindruckt durch ihre Lehmbauten. Schon das Stadttor macht das deutlich.

Die Festung von Bahla wurde aufwändig restauriert und hat es bis auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes geschafft.



Wadi Bani Khalid
Ein besonderes Highlight im Oman sind die Wadis. Das sind Täler, in denen ein Bach entspringt, der durch sein Wasser zu erstaunlich grünen Inseln in der wüstenartigen Berglandschaft führt. Das Wadi Bani Khalid ist berühmt für seine glasklaren türkisblauen Pools, in denen man baden kann – eine willkommene Abkühlung in der staubigen Hitze.
Leider waren wir nicht die Einzigen, die das wussten. Der überfüllte Parkplatz ließ mich Übles ahnen.

Nach einer kurzen Wanderung sahen wir tatsächlich wunderschöne Pools. Und bald trafen wir auch auf die Besitzer der parkenden Autos, die Instagram-Gemeinde.



Nach diesem Gewimmel wurde es Zeit für ein bisschen Ruhe. Im nächsten Beitrag geht es deshalb ab in die Wüste.
Die Benzinpreise wünsche ich mir hier☝️. Wie sind die Bierpreise?
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Liebe Sinnlosreisende, vielen Dank für euren anschaulichen Reisebericht aus dem Oman. Solltet ihr vielleicht doch nochmal durch Nizwa kommen, keinesfalls den Tier- Souq am Freitag verpassen – das ist ein unvergessliches Erlebnis: https://diegrauennomaden.wordpress.com/2024/01/14/aus-dem-mittelalter-in-die-zukunft-zeitreisen-im-oman/
liebe Grüße von den grauen Nomaden aus Berlin, die zur Zeit gezwungenermaßen nicht on the road sein können. Wir wünschen euch weiterhin eine wunderschöne Reise durch den Oman.
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