Oman – Die Wüste lebt

In der omanischen Wüste gibt es mehr Leben, als man denkt. Und ich denke dabei nicht nur an Kamele.

Nachdem wir die touristisch gut erschlossene Bergwelt in der Mitte des Omans hinter uns gelassen hatten, führte unsere Reise in den weniger besuchten Süden. Unterwegs sahen wir Schilder, die uns anfangs etwas lächerlich vorkamen.

Schild Achtung Kamele
Achtung Kamele

Aber je ländlicher die Gegend wurde, desto klarer wurde, dass die Kamele hier ein ernst zu nehmender Faktor sind. Die sind nämlich größer als Pferde und wir wollten auf keinen Fall so einen Höcker auf der Motorhaube haben.

Kamel am Stopschild
An der Kreuzung
Kamelmutter mit Baby
Was gibt`s denn da zu glotzen?
Tierklinik mit Eingang für Kamele
Tierklinik mit Kamel-Hotline
Cappuccino mit Kamelschaum
Cappuccino mit Kamelschaum

Die Fahrt durchs Niemandsland

Unser Ziel war die Stadt Duqm, die angeblich aktuell für den Tourismus ausgebaut wird, aber noch nicht überlaufen ist. Genau das, was wir suchten. Dazu mussten wir etwa 500 km durch das Niemandsland zwischen zwei Wüsten fahren. Aber das Mobilfunknetz war lückenlos und die Straßen waren in ausgesprochen gutem Zustand. Also ein entspanntes Cruisen durch die weite Landschaft.

Schild Achtung Sanddünen
Vorsicht Sandverwehungen

Dankbar nahmen wir den Vorschlag von Google Maps an, eine alternative Strecke zu nehmen, die 40 Minuten schneller war. Nach zwei Stunden Fahrt durch die Einöde bemerkte die SinnlosReisende, es wäre ja schon ein bisschen eigenartig, dass uns kein einziges Fahrzeug entgegenkomme. Ich freute mich eher darüber, die Straße ganz alleine für mich zu haben. Dann endete die Straße abrupt. Sehr abrupt.

Straße endet im Sand
Ende Gelände

Maps ließ sich davon nicht beeindrucken: „Wenn möglich, bitte wenden und nach vier Kilometern scharf rechts“. Dort fanden wir keinen Weg und wir befürchteten schon, die ganze Strecke zurückfahren zu müssen. Dann kam aus dem Niemandsland eine Staubfahne auf uns zu. Die Staubfahne war ein Beduine, der in seinem Pickup über eine Sandpiste rumpelte.

Wir hielten ihn an und fragten nach dem Weg. Nach einem kurzen Gespräch in einer Mischung aus englischen Brocken und Zeichensprache wurde uns klar, dass wir mit unserem Stadtauto über genau diese Sandpiste mussten. Mit einem skeptischen Blick auf die nicht vorhandene Bodenfreiheit unseres Nissan Sunny machte der Beduine wellenartige Bewegungen mit den Händen, wackelte nachdenklich mit dem Kopf und meinte: „Bumpy, bumpy!“

Dann nickte er ermutigend und schenkte uns eine Flasche Wasser, denn so eine Nacht in der Wüste kann lang werden. Wir machten uns auf den Weg, der aus festgefahrenem Sand und Geröll in einem schicken Waschbrettmuster bestand.

Die internationale Forschungsgemeinschaft rätselt noch über Ursachen und Abhilfemaßnahmen zum Themenkomplex Washboards, aber es handelt sich wohl um eine komplexe Kombination aus Fahrzeugphysik, Gesteinszusammensetzung, Road Design und Fahrverhalten. In der Theorie hat jedes Fahrzeug seinen individuellen Sweet Spot, die Geschwindigkeit, bei der die Schwingungen gerade noch erträglich sind.

In der Praxis äußerte sich das so, dass bei Geschwindigkeiten unter 60 km/h das Waschbrettmuster mir die Plomben aus den Zähnen rüttelte. Bei Geschwindigkeiten über 65 km/h befürchtete ich, unser Fahrwerk zu zerlegen. So drifteten wir mit wohl dosiertem Gasfuß über die Piste, eine Staubfahne hinter uns her ziehend.

Auf der Staubpiste

Nach 25 Kilometern hatten wir die Hälfte der Strecke bis zur nächsten asphaltierten Straße geschafft. Das bedeutete aber auch, dass wir nun am weitesten von den beiden Straßen entfernt waren, also mitten im Nirgendwo. Dann begannen die Sandverwehungen immer weiter in die Piste hineinzuwachsen.

Sandverwehung
Wenn der Sand langsam tiefer wird…

Mir war klar, dass wir ohne Allradantrieb auf gar keinen Fall in einem dieser Sandhaufen stehen bleiben durften. Es blieb nur eine erfolgversprechende Strategie: ohne Rücksicht auf Mensch und Material vor den Sandverwehungen beschleunigen und dann hoffen, dass der Schwung uns wieder auf festen Untergrund treibt.

Das Geräusch des schleifenden Sandes am Unterboden war ziemlich beunruhigend, die enorme Bremswirkung ebenfalls. Ich fragte mich, wie lange es wohl dauern würde, bis uns hier Jemand findet, sollten wir in einer Sanddüne stecken bleiben. In meinen Gedanken sah ich uns schon mit den Händen den Sand wegschaufeln und ich überlegte, wieviel Wasser ich auf den Fußmarsch in die nächste Siedlung mitnehmen müsste. Aber um die SinnlosReisende nicht zu beunruhigen, setzte ich eine zuversichtliche Miene auf.

Als wir nach über einer Stunde schweißgebadet die rettende Straße erreichten, berichtete die SinnlosReisende von ganz ähnlichen Gedanken, die sie aber für sich behalten hatte, um mich nicht nervös zu machen. Teamarbeit in der Wüste.

Duqm – The Last Frontier für Touristen im Oman

Der angekündigte Tourismus steckte in Duqm noch sehr in den Kinderschuhen. Außer einem französischen Paar trafen wir hier ausschließlich Arbeiter aus der nahegelegenen Raffinerie und zahlreiche Inder, die hier die Versorgung sicherstellten. Aber immerhin gab es verblüffend günstiges und hervorragendes indisches Essen.

Ölraffinerie
Die Quelle des Reichtums

Auffällig waren die sechsspurigen Stadtautobahnen, die noch nicht existierende Wohnviertel erschlossen. Fast wie in Las Vegas, nur ohne Casinos und ohne Autos. Die Hotels waren sehr modern, extrem großzügig und ziemlich preiswert.

Hotelpool
Im Hotel

Ein bisschen einsam fühlten wir uns am Strand. Denn da war einfach Niemand. Verwaist war auch der städtische Campingplatz, bei dem einige Gärtner gerade die letzten Arbeiten erledigten.

Einsamer Strand
Warten auf Touristen
Stellplatz für Wohnmobile
Campingplatz

Nach einigen sehr entspannten Tagen machten wir uns auf den Weg in die Wüste.

Die Wüste Wahiba

Wir freuten uns auf die Stille und die einsame Weite der Wüste. Auf Google Maps sieht dieser Teil des Oman ziemlich surreal aus.

Sanddünen im Satellitenfoto
Die Wahibawüste in Maps

Zoomt man allerdings etwas näher heran, macht man eine erstaunliche Entdeckung. Zwischen den Dünen wimmelt es von Touristen-Camps, die mit allerlei Zeitvertreib werben: Kamelreiten, geführte Touren zum Sonnenuntergang, Gruppenausflüge mit Quads und vieles mehr. Von Stille war in den Rezensionen weniger die Rede.

Touristencamps in der Wahibawüste
Die Wüste lebt

Die Unterkünfte reichten von sehr einfachen Behausungen bis zu Luxusapartments mit Klimaanlage und Swimingpool.

Einfacher Windschutz in der Wüste
Unterkunft am unteren Ende der Preisskala

Wir entschieden uns für ein Camp, das etwas abseits des Trubels lag und nur wenige Extras im Programm hatte. Dann ließen wir uns am verabredeten Platz am Rand der Wüste abholen und bezogen ein einfaches, aber stabiles Zelt.

Die anderen Zelte standen in gebührendem Abstand, so dass wir von den anderen Gästen nicht viel merkten. Ausgenommen ein Tic-Toc-Pärchen, ausstaffiert mit völlig deplatziert wirkenden landestypischen Klamotten. Die beiden fotografierten sich ständig in unnatürlichen Posen und hatten kein Auge für die stille Schönheit der Umgebung.

Zelte in der Wüste
Unser Camp
SinnlosReisender an seinem Zelt
Der SinnlosReisende bezieht sein Zelt
Der Frühstücksraum
Der Speisesaal

Das Camp wurde von drei Brüdern betrieben, die uns spontan noch auf eine Sonnenuntergangstour mitnahmen. Unser Fahrer zeigte Kunststückchen mit seinem 4WD, die mich als ehemaliger Ingenieur aus der Automobilbranche ziemlich verblüfften. Ich entdeckte etliche Lastfälle, die sich die Entwicklungsteams bei der Auslegung der Bauteile im Leben nicht ausdenken könnten. Für die Fahrt im tiefen Sand musste erstmal der Luftdruck im Reifen reduziert werden.

Luftdruck ablassen
Luftdruck reduzieren

Unser Fahrer beschränkte sich auf Ein-Wortsätze und gab bei jedem Halt ein Kommando. „Photo!“ oder „Sunset!“. Und die Aussichten waren wirklich auch ohne große Worte beeindruckend.

Die wüste Wahiba
Grenzenlos
Endlose Dünen in der Wahiba
Bloss nicht verlaufen

Als die Sonne untergegangen war, wollten wir zurück zum Camp. Aber das Fahrzeug hatte andere Pläne und sprang nicht mehr an. „Fuel pump!“, bellte der Fahrer. Ich sah uns schon die Nacht irgendwo in der Wüste verbringen, aber mit ein paar brachialen Hammerschlägen wurde das Auto wieder flott gemacht.

Am nächsten Morgen wachte ich vor dem Sonnenaufgang auf und nutzte die Gunst der Stunde, um eine wirklich einsame Wüstenexpedition zu machen. Es war einfach nur herrlich, in der absoluten Stille die Farbenspiele auf den Sanddünen zu beobachten. Und zu rätseln, von welchen Tieren wohl die eigenartigen Spuren im unberührten Sand stammten.

Wüstenbild
Schwungvoll
Seltsame Spuren im Sand
Die Wüste lebt

Als ich zurück zum Camp lief, begegnete mir eine Gruppe Kamele. Diese Tiere gingen jeden Morgen zum frühstücken in die Wüste und liefen abends wieder nach Hause zu ihren Besitzern. Die Beduinen hatten nämlich wegen Wassermangels ihre Zelte in der Wüste abbrechen müssen und hatten am Rand der Wüste vom Sultan kostenlose Eigentumswohnungen bekommen.

Kamel beim Sonnenaufgang
Sonnengruß
Kamele in der Wüste

Kurz vor der Abreise wurde ich noch Zeuge, wie das unsympathische Pärchen einen Kamelritt buchte. Das macht sich so schön in Tic-Toc. Leider, leider verweigerte das Kamel mit der Dame auf dem Rücken konsequent das Aufstehen, so dass die ganze Aufnahme ins Wasser fiel. Ich freute mich mit dem Kamel, denn Schadenfreude ist immer noch die schönste Freude.

Zwei Kamele, sitzend und stehend
Sitzstreik
Kamelreiten
Kamelreiten mit Hindernissen

Dann verließen wir die Wüste und brachen zum letzten Teil unserer Oman-Reise auf.

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Autor: sinnlosreisen

Geschichten über die lustige Seite des Urlaubs

3 Kommentare zu „Oman – Die Wüste lebt“

  1. Auch diesmal wieder sehr kurzweilig und angenehm zu lesen. Bin auf den nächsten Bericht schon gespannt.

    Die ominösen Spuren im morgendlichen Oman stammen höchst wahrscheinlich von einer Arabischen Hornviper. Diese bewegt sich ähnlich wie die „Sidewinder Rattlesnake“ mit seitlichen Wellenbewegungen über den heißen Sand. Sie sollen recht selten und scheu sein, also Glückwunsch dazu, die Spuren überhaupt gefunden zu haben. Und auch einen Glückwunsch dazu, der Schlange nicht persönlich begegnet zu sein. Hochgiftig, der Biß soll sehr schmerzhaft sein ……..

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