Steuerparadies Luxemburg

Der SinnlosReisende geht auf die Suche nach dem großen Geld in einem kleinen Land und findet ein Kleinod mitten in Europa.

Luxemburg

Luxemburg ist seit 2025 das reichste Land der Welt. Grund dafür ist ein „robuster Finanz- und Bankensektor“, der multinationalen Unternehmen, Superreichen und anderen Kriminellen erlaubt, mit Briefkastenfirmen Milliarden an Steuern zu sparen. Als mir das klar wurde, packte ich sofort mein Geld in einen Koffer und machte mich auf den Weg zu dieser Steueroase im Herzen Europas.

Geld macht eben doch glücklich

Im ersten Versuch eines Bildes zur Illustration hat die KI mein Vermögen etwas überschätzt. Im zweiten Anlauf bat ich um realistische Darstellung meiner Verhältnisse.

Warum weiß die KI so gut über meine Finanzen bescheid?

Die Strategie hatte ich noch nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet, aber ich dachte an eine Familienstiftung mit dem Zweck, sinnloses Wissen unter Nutzung von EU-Subventionen in der Welt zu streuen. Natürlich gemeinnützig. Das gemeine wäre dabei, dass es niemandem nützt.

Die Stiftung würde über eine Holding mehrere steuerbefreite Vereine verwalten, die wiederum jeweils Eigentümer mehrerer GmbHs wären, die sich die Verluste aus meinen Urlaubsreisen und Schokoladeneinkäufen solange gegenseitig hin- und herschieben, bis es den Finanzbehörden schwindelig wird und die Steuer negativ wäre. So ungefähr.

Die Stadt Luxemburg

Luxemburg ist ein Großherzogtum mit etwa 670.000 Einwohnern, die sich fließend dreisprachig ausdrücken können. Französisch, Englisch, Deutsch. Mindestens.

Palast des Großherzogs

Die eigentliche Landessprache ist luxemburgisch und kommt mir so vor, als ob man aus allen umliegenden Ländern die absonderlichsten Dialekte zusammen gemischt hätte.

Aschenbecher mit Preisfrage

Die Gëlle Fra ist 21 Meter groß, aber nur, weil sie auf einem hohen Podest steht.

Die Gëlle Fra

Das Beste in Luxemburg ist der öffentliche Verkehr. Im ganzen Land sind seit 2020 alle Züge, Bahnen und Busse kostenlos. Immer. Für Jeden. Das macht das Reisen genial einfach. Keine verwirrende Suche nach Tarifzonen oder Ticketpreisen wie bei der Deutschen Bahn. Keine nervigen Recherchen, wo man die Tickets bekommt und wie man sie entwertet. Einfach nur einsteigen und genießen.

ÖPNV mit Aussicht

Ganz selbstlos war die Umstellung nicht. Die Hauptstadt Luxemburg hatte die höchste Autodichte in der EU und litt unter großer Parkplatznot. Also machte die Regierung Nägel mit Köpfen. Die Ticketpreise deckten sowieso nur 8% der Kosten des ÖPNV. Und es gab auch Einsparungen: Automaten, Kontrolleure, Software für die Onlinetickets, Kassen beim Fahrer – alles überflüssig.

Und so kann man ganz entspannt in irgendeinen Bus einsteigen und sich in eine der vielen interessanten Ecken der Stadt bringen lassen. Beispielsweise zum Place Guillaume, wo man sich ums leibliche Wohl kümmert.

Place Guillaume
Lecker

Frisch gestärkt kann man sich dann durch die Gassen treiben lassen. Und die immer wieder verblüffenden Aussichten genießen.

Chinatown
Schäferständchen
Abtei Neumünster
Kathedrale Notre Dame
Orgel in Notre Dame
Pont Grand-Duchesse Charlotte

Vor dem Justizpalast befindet sich eine Kunstinstallation, die angeblich die vier Elemente darstellen soll.

Kunst vor dem Justizpalast

Um in diesen Blumenvasen die vier Elemente zu erkennen, braucht man schon ziemlich viel Fantasie. Genau so gut könnten das die vier apokalyptischen Reiter des Finanzsystems sein: Die Steuerhinterziehung, die Geldwäsche, der Subventionsbetrug und die Korruption.

Das würde auch zu den Skulpturen gegenüber passen, die nach meiner Interpretation die vier Tugenden des Hochfinanzadels darstellen. Von links nach rechts: „Ich arbeite nicht“, „Ich weiß von nichts“, „Ich erinnere mich nicht“ und „Ich bin unschuldig“.

Die vier Tugenden des Hochfinanzadels

Wenigstens hat man vom Vorplatz des Justizpalastes einen herrlichen Ausblick auf das historische Stadtviertel Grund, immerhin Teil des Weltkulturerbes.

Grund

Luxemburg ist ein kleines Land, aber ein wehrhaftes. Die Lëtzebuerger Arméi sucht Personal über Plakatwerbung mit einer klaren Botschaft.

Dein Einsatz ist gefragt

Im Vergleich dazu spricht die Werbung der deutschen Bundeswehr eher Menschen an, die gerne lange Texte lesen:

Deutsche Gründlichkeit

Auf Verteidigungsfähigkeit wurde in Luxemburg schon früh Wert gelegt. Die Felsen in der Stadt sind ausgehöhlt wie Schweizer Käse und sind mit Wehranlagen bestückt. Bei der Besichtigung der Kasematten du Bock bekam ich zum ersten Mal ein Seniorenticket, denn ab 60 Jahren bekommt man in Luxemburg einen reduzierten Ticketpreis. Ich war ein wenig beleidigt, dass die Dame an der Kasse nicht mal meinen Ausweis sehen wollte.

Bock Kasematten
Wehrhaft
Treppe betreten verboten!

Geh niemals diese Treppe hinab, denn in den alten Gemäuern hausen schreckliche Wesen! Zum Beispiel riesige Killer-Wespen mit tödlichem Stachel.

Eine Wespe dringt in die Mauer ein

Nach zwei wunderbaren Tagen verließ ich Luxemburg über die Gemeinde Schengen. Hier wurde 1985 das Schengener Abkommen unterzeichnet, das Reisen ohne Passkontrollen (und ohne entsprechende Staus an den Grenzen) in Europa möglich machte. Ausgerechnet hier fuhr ich an einer Grenzkontrolle vorbei. Was für eine Ironie!

Fazit

Luxemburg war für mich eine positive Überraschung. Freundliche Menschen, ein sehenswertes Zentrum mit viel Grün und ein vorbildlicher öffentlicher Verkehr machen die Stadt zu einem attraktiven Reiseziel.

Meine Idee mit der Stiftung hat übrigens leider nicht funktioniert; das lohnt sich erst bei Vermögen jenseits meiner Vorstellungskraft. Aber ich hab schon eine andere Idee. Unser Kanzler hat doch neulich betont, dass Deutschland nur für 2% des CO2-Ausstosses der Welt verantwortlich ist und daher keine einzige Flutkatastrophe in Asien verhindert wird, selbst wenn wir ab morgen kein einziges Gramm CO2 mehr erzeugen würden.

Meine Einkommenssteuer beträgt weit weniger als 2% aller deutschen Steuern und selbst wenn ich ab morgen keine einzige Steuer mehr zahle, wird dadurch keine einzige Brücke später fertig. Deshalb zahle ich ab jetzt einfach gar keine Steuern mehr. Mal sehen, ob das Finanzamt der Logik des Bundeskanzlers folgt.

Avatar von Unbekannt

Autor: sinnlosreisen

Geschichten über die lustige Seite des Urlaubs

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