Man kann ja über die Amerikaner und ihren Präsidenten denken, was man will. Aber eines ist unbestritten: sie haben eine überwältigend schöne Natur. Besonders in den Bundesstaaten Utah und Arizona reiht sich eine gigantische Sehenswürdigkeit an die Nächste. Deshalb will ich in diesem Beitrag die Bilder sprechen lassen und mich ausnahmsweise mit Unsinn zurückhalten. Na ja, zumindest weitgehend.
Zion Nationalpark
Der Zion Nationalpark umfasst mehrere Täler mit einer beeindruckenden Bergkulisse. Die schaut man sich am Besten von oben an. Deshalb hielten wir an einem Parkplatz, bevor die Straße ins Tal hinab führte und machten eine kleine Wanderung auf dem Canyon Overlook Trail. Dieser Weg ist nicht wirklich gefährlich, aber ein gewisses Grundvertrauen in die Baukünste der Parkverwaltung muss man mitbringen.




Der Ausblick von dort oben ist atemberaubend. Man sollte den Trail aber unbedingt machen, bevor man im Tal war. Denn dann erkennt man, dass der Aussichtspunkt direkt über einem riesigen Abbruch liegt, was irgendwie kein gutes Gefühl gibt. Wenn man es weiß.

Nicht weit vom Zion Canyon liegt der Coral Pink Sand Dunes State Park, in dem sich urzeitliche Korallenriffe in beeindruckende Sanddünen verwandelt haben.

Bryce Canyon
Auf der Fahrt zu meinem Lieblingspark kamen wir am Red Canyon vorbei, der für sich genommen schon Wahnsinn ist. Aber gegen seinen großen Bruder Bryce verblasst er, denn dort hat die Natur Irrwitziges aus dem roten Sandstein herausgefräst.





Während wir ehrfürchtig staunend durch die Wunderwelt wanderten, blieb das Wetter weitgehend freundlich. Nur einmal überraschte uns ein Regenguss, der einen spürbaren Temperatursturz mit sich brachte. Immerhin befindet sich der Park auf etwa 2.700 Meter Höhe.


Aber kurze Zeit später brach wieder die Sonne durch die Wolken und wir suchten den Weg durch dieses Labyrinth nach oben, wo wir die ganze Pracht des Parks bewunderten.


Breakfast in America
Unterhalten sich zwei Touristen beim Frühstück. Sagt der eine: „Oh, das sieht nach Regen aus!“ Der andere nippt an seiner Tasse und antwortet: „Stimmt, aber es ist Kaffee!“
In amerikanischen Motels ist der Kaffee meist so dünn und geschmacklos, dass man mehrere Becher braucht, bis man ein Koffeinmolekül findet. Deshalb hat sich in den USA der free refill eingebürgert. Man darf sich kostenlos solange vom Kaffee nachschenken, bis einem richtig übel wird.
Leider ist das Essen oft auch nicht viel besser. In Kunststofffolie eingepackte Gummibrötchen mit wabbeligem Plastikbesteck auf Papptellern zu essen, ist nicht gerade ein guter Start in den Tag. Und hinterher sieht es aus wie auf dem Wertstoffhof am Samstag.

In besseren Motels gibt es wenigstens ein Waffeleisen, mit dem man sich selbst eine frische Waffel backen kann, wenn nicht gerade eine kinderreiche Familie den Teigspender geleert hat. Achtung: die beiden Behälter links im Bild sehen ähnlich aus, haben aber deutlich unterschiedlichen Inhalt! Die eine Tube enthält Sirup, also flüssigen Zucker, den man auf die fertige Waffel gießen kann. Die andere enthält das Öl, mit dem man das Waffeleisen einfettet. Man schmeckt den Unterschied, ich spreche aus Erfahrung!

Eine andere Herausforderung sind die Getränkemaschinen, die in jedem Hotel anders funktionieren. Da die Thermoskanne leer war und kein Personal zu sehen war, hielt ich meinen Pappbecher unter die Kaffeemaschine und drückte einen Knopf. Leider war diese Maschine zum Befüllen der Thermoskannen gedacht und hörte erst nach einem Liter auf. Bis ich den Notausschalter gefunden hatte, hatte sich das Buffet in einen Kaffeemorast verwandelt. Ich wischte die Sauerei notdürftig mit einem Stapel Papierservietten auf und verließ unauffällig den Frühstücksraum.

Arches Nationalpark
Während der Bryce Canyon ein filigranes Meisterwerk ist, glänzt der Arches Nationalpark durch kernige, klobige Fels-Monumente. Das deutet sich schon unterwegs an, denn die Straße führt durch den Capitol Reef Nationalpark, der mit mächtigen Felsabbrüchen punktet.








Die monumentalen Steinbögen wurden vor Urzeiten durch Flüsse aus dem Fels herausgewaschen, sagt die Wissenschaft. Es ist nicht leicht, sich derart gewaltige Flüsse in dieser trockenen Wüste vorzustellen. Aber klar, Zeit und Wasser sind eine wirkungsvolle Kombination, wie man in den Canyonlands erkennen kann. Manche Besucher sind von den Aussichten so fasziniert, dass sie in der Vegetation festwachsen.



Goblin Valley
Ein unterschätztes Juwel ist das Goblin Valley, das Tal der Kobolde. Hier hat die Natur Gestalten aus dem Stein modelliert, die die menschliche Fantasie übertreffen. Einfach nur genial!







Monument Valley
Auf dem Weg in Richtung Süden kamen wir an weiteren geografischen Absonderlichkeiten vorbei. Im Gooseneck State Park hat sich der San Juan River in Schlangenlinien durch die weichen Gesteinsschichten gefräst.


Im Monument Valley hatte die Erosion schlampig gearbeitet und ein paar Felsen übersehen. Das Ergebnis ist sehr beeindruckend. Man denkt, jeden Moment könnte John Wayne um die Ecke reiten.



Hier draußen ist der Westen noch wild. Man findet jede Menge einsame Orte, beispielsweise Moki Dugway, der meist genannte Ort auf die Frage „Wo wollen Sie auf keinen Fall eine Autopanne haben?“

Und doch ist kein Fleckchen Erde so einsam, dass nicht doch Menschen dort wohnen könnten. Zumindest fährt hier ein Schulbus.

Route 66
Auf dem Weg zum Grand Canyon nahmen wir die alte Route 66, die heute von den Erinnerungen an die Golden Fifties lebt. Unterwegs liegt ein Lavafeld, in dem die Natur langsam wieder das Terrain vom Vulkan übernimmt.




Die kleinen Orte an der Route 66 leben von Touristen, die ein bisschen Nostalgie erleben möchten. Und sie sind Ausgangspunkt für den Besuch des berühmtesten Canyons.
Grand Canyon

Der Grand Canyon wurde vom Colorado River in das Colorado Plateau gegraben. Er ist etwa 450 km lang und bis zu 1.800 Meter tief. Wer hier abstürzt, der verhungert, bevor er unten aufschlägt.

Man kann mit Maultieren in die Schlucht hinunter reiten. Ich würde aber niemals mein Leben einem solchen Tier anvertrauen.

Wir brachen zu einer kleinen Wanderung in den Canyon auf. Bergab ist das kinderleicht, man kann flotten Schrittes mit einem fröhlichen Pfeifen auf den Lippen etliche Höhenmeter in kurzer Zeit absolvieren.

Aber man sollte immer daran denken, dass man irgendwann wieder nach oben muss. Trotz Warntafeln überschätzt man sich da schnell und bezahlt den Preis.

Vor vielen Jahren war ich an gleicher Stelle schon einmal mit meinem Vater an seinem 75. Geburtstag. Wir hatten unglaubliches Glück und trafen auf einen Kalifornischen Kondor, der damals in freier Wildbahn so gut wie ausgestorben war. Ein Ranger hatte uns erklärt, dass nur noch drei Exemplare in dieser Gegend lebten, ein Weibchen und zwei Männchen.

Da man mit 75 Jahren weder zu Fuß noch auf dem Rücken eines Maultieres in die größte Schlucht der Welt gehen will, leisteten wir uns einen Rundflug mit einem Helikopter. Geburtstagsgeschenk.

Die Ausblicke waren so überwältigend, dass ich total vergaß, Fotos zu machen. Auf dem Rückflug tat es auf einmal einen lauten Schlag und ein Riss bildete sich in der Windschutzscheibe. Wir waren mit einem Vogel kollidiert. Ich befürchtete schon, dass wir nun das Aussterben des Kondors endgültig besiegelt hätten, aber der Pilot meinte lapidar, es wäre „nur“ ein Rabe gewesen.
Der Grand Canyon Nationalpark hat einen eigenen Bahnanschluss. Die Grand Canyon Railway fährt täglich zwischen Williams und dem South Rim, eine Zugfahrt inklusive Livemusik und inszeniertem Eisenbahnüberfall. Das muss der SinnlosReisende natürlich aus der Nähe betrachten.






Nachdem wir uns an den Steinen im Wilden Westen satt gesehen hatten, klopften wir uns den Staub aus den Klamotten und machten uns auf den Weg nach Kalifornien. Bis bald.
Hihi, Mickey Mouse sieht aus wie Pluto und im Bryce Canyon habe ich Thors Hammer vermisst 😇
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Gut möglich, dass wir einige „Must See Formationen“ übersehen haben. Der Bryce Canyon (und andere Nationalparks in den USA) ist ja so gedrängt voll mit fantastischen Ansichten, dass man schon mal etwas übersehen kann.
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Sooo tolle Bilder! Ein herrlicher Bericht!
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Vielen Dank. Die Gegend ist aber selbst für so dilettantische Fotografen wie mich ein sicheres Revier für schöne Fotos.
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Grandiose Bilder, die die kulinarischen Mängel mehr als wett machen 😉
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Da hast du Recht. Man fährt nicht wegen dem Frühstück nach Amerika, sondern wegen der Landschaft.
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3 x Wow und 5 Sterne obendrauf: Man kann gar nicht genug von diesen Bildern bekommen! Habt Ihr das alles auf einer Reise besucht? Dann wart Ihr ja monatelang unterwegs 🙂 Ja, das Frühstück in US-Hotels ist das zivilisatorische Gegenteil: Unsere Erlebnisse reichen auch von gefüllten Müllsäcken neben dem Pancake-Automat bis zu Familien, die von der Tischplatte essen – alles in durchaus vornehmen Hotels…
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Danke, ja die Landschaft ist unbeschreiblich schön. Das waren tatsächlich mehrere Reisen, quasi ein „Best of“. Wobei man in vier Wochen das meiste davon sehen kann. In Arizona und Utah liegen die Sehenswürdigkeiten dicht gedrängt.
Wir haben auch solche Familien erlebt, die einen Frühstücksraum in Null Komma nichts verwüstet haben. Wahrscheinlich sagt sich die Hotelleitung, für solche Gäste lohnt es sich nicht, gutes Frühstück zu bringen.
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Was Landschaften anbelangt, sind die U.S.A. schon besuchenswert. Tolle Bilder sind das! Aber warum musstest du uns das mit dem Überhang erzählen … 😉
Ich bin froh, dass du deinen Humor nicht ganz unterdrückt hast, und den Ausdruck „statisch grenzwertig“ werde ich mir merken. Besonders lachen musste ich beim Grand Canyon, wo man verhungert bevor man im freien Fall unten ankommt.
Arizona würde mich schon sehr reizen …
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Ich kann es halt nicht lassen 😁. Schön, dass es dir gefällt.
Ja, die Landschaft ist unbeschreiblich schön, das kommt in den Fotos gar nicht ganz rüber. Unbedingt selbst mal anschauen!
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Der obige Kommentar war von mir …
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Diese ganzen Fantasiefelsen sind einfach nur genial, unwirklich, wie ein Wunderland. So habt ihr euch sicher gefühlt. Grandios, das Ganze. Skurril mutet eher euer Frühstücksraum an, und was da am Ende an Müll bei rauskommt… also, ich bin ja eigentlich nicht so fürs Welt Verbessern, aber da bleibt einem ja die Kinnlade offen stehen.
Zurück zu der wunderbaren Natur. Ob Maultiere trittsicher sind? Na ja… nach dem zwanzigsten Touri wird sich das eine oder andere auch denken, jetzt ist auch egal… 😉 Toller Beitrag, macht Lust auf eine Reise.
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Stimmt. Wenn die USA eines zu bieten haben, dann ist das Natur mit allen Superlativen. Allein dafür lohnt sich ein Besuch unbedingt. Und ganz ehrlich, die politische Lage sieht bei uns in den Medien ziemlich schlimm aus. Aber dort merkt man als Tourist nichts davon.
Das mit den Maultieren wollten wir trotzdem nicht ausprobieren. Wer weiß schon, was die Viecher denken….
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Na das war ja mal ein Parforceritt durch die Highlights des Südwestens! Aber klar, ich glaube kapiert zu haben, dass das mehrere Reisen waren. Bis auf eine Ausnahme ist mir alles vertraut, Frühstückskatastrophen inklusive. Für mich so ziemlich die schönste Landschaft, die unser Planet zu bieten hat. Einfach atemberaubend! Und nun freue ich mich auf eine Runde Kalifornien mit euch 😎.
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Ja, ein Highlight jagt das nächste 😀. Du vermutest richtig, das waren mehrere Reisen zusammengefasst. Quasi ein best of wild West.
Aber Kalifornien hat ja auch ne Menge zu bieten.
Was war eigentlich die Ausnahme?
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Die Coral Pink Sand Dunes hatten wir ausgelassen.
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Ah, OK, die sind aber auch nicht so beeindruckend. Die Dünen in Gran Canaria sind da schöner.😀
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Dann haben wir ja alles richtig gemacht 😁.
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👍
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