USA 7: Wild Wild West

Die SinnlosReisenden wundern sich über das Frühstück in amerikanischen Motels und über die Schönheit von Steinen im Wilden Westen

Felsformation in Utah

Man kann ja über die Amerikaner und ihren Präsidenten denken, was man will. Aber eines ist unbestritten: sie haben eine überwältigend schöne Natur. Besonders in den Bundesstaaten Utah und Arizona reiht sich eine gigantische Sehenswürdigkeit an die Nächste. Deshalb will ich in diesem Beitrag die Bilder sprechen lassen und mich ausnahmsweise mit Unsinn zurückhalten. Na ja, zumindest weitgehend.

Zion Nationalpark

Der Zion Nationalpark umfasst mehrere Täler mit einer beeindruckenden Bergkulisse. Die schaut man sich am Besten von oben an. Deshalb hielten wir an einem Parkplatz, bevor die Straße ins Tal hinab führte und machten eine kleine Wanderung auf dem Canyon Overlook Trail. Dieser Weg ist nicht wirklich gefährlich, aber ein gewisses Grundvertrauen in die Baukünste der Parkverwaltung muss man mitbringen.

Holzsteg über den Abgrund im Zion nP
Der Weg über den Abgrund
Free Climber im Zion NP
Mutige nehmen die Abkürzung
Reh am Wegesrand
Verwunderte Einheimische am Wegrand
Zion Overview
Die Aussicht belohnt für die Mühen

Der Ausblick von dort oben ist atemberaubend. Man sollte den Trail aber unbedingt machen, bevor man im Tal war. Denn dann erkennt man, dass der Aussichtspunkt direkt über einem riesigen Abbruch liegt, was irgendwie kein gutes Gefühl gibt. Wenn man es weiß.

The Arch im Zion NP
Unterhöhlt

Nicht weit vom Zion Canyon liegt der Coral Pink Sand Dunes State Park, in dem sich urzeitliche Korallenriffe in beeindruckende Sanddünen verwandelt haben.

Coral Pink Sand Dunes
Ab in die Wüste

Bryce Canyon

Auf der Fahrt zu meinem Lieblingspark kamen wir am Red Canyon vorbei, der für sich genommen schon Wahnsinn ist. Aber gegen seinen großen Bruder Bryce verblasst er, denn dort hat die Natur Irrwitziges aus dem roten Sandstein herausgefräst.

Red Canyon
Red Canyon
Bryce Canyon
Bryce Canyon
Türme im Bryce Canyon
Hoodoos (Fachbegriff für statisch grenzwertige Türmchen)
Kathedrale im Bryce Canyon
Kathedrale
Watch Men im Bryce Canyon
Wachtürme

Während wir ehrfürchtig staunend durch die Wunderwelt wanderten, blieb das Wetter weitgehend freundlich. Nur einmal überraschte uns ein Regenguss, der einen spürbaren Temperatursturz mit sich brachte. Immerhin befindet sich der Park auf etwa 2.700 Meter Höhe.

Steinfiguren im Bryce Canyon
Die Liebenden
Die SinnlosReisenden stellen sich unter bei Regen
Die Frierenden

Aber kurze Zeit später brach wieder die Sonne durch die Wolken und wir suchten den Weg durch dieses Labyrinth nach oben, wo wir die ganze Pracht des Parks bewunderten.

Sackgasse im Bryce Canyon
Sackgasse
Überblick im Bryce Canyon
Die ganze Pracht

Breakfast in America

Unterhalten sich zwei Touristen beim Frühstück. Sagt der eine: „Oh, das sieht nach Regen aus!“ Der andere nippt an seiner Tasse und antwortet: „Stimmt, aber es ist Kaffee!“

In amerikanischen Motels ist der Kaffee meist so dünn und geschmacklos, dass man mehrere Becher braucht, bis man ein Koffeinmolekül findet. Deshalb hat sich in den USA der free refill eingebürgert. Man darf sich kostenlos solange vom Kaffee nachschenken, bis einem richtig übel wird.

Leider ist das Essen oft auch nicht viel besser. In Kunststofffolie eingepackte Gummibrötchen mit wabbeligem Plastikbesteck auf Papptellern zu essen, ist nicht gerade ein guter Start in den Tag. Und hinterher sieht es aus wie auf dem Wertstoffhof am Samstag.

Plastik Frühstück
Das Frühstücks-Massaker

In besseren Motels gibt es wenigstens ein Waffeleisen, mit dem man sich selbst eine frische Waffel backen kann, wenn nicht gerade eine kinderreiche Familie den Teigspender geleert hat. Achtung: die beiden Behälter links im Bild sehen ähnlich aus, haben aber deutlich unterschiedlichen Inhalt! Die eine Tube enthält Sirup, also flüssigen Zucker, den man auf die fertige Waffel gießen kann. Die andere enthält das Öl, mit dem man das Waffeleisen einfettet. Man schmeckt den Unterschied, ich spreche aus Erfahrung!

Waffeleisen
Die Waffelmaschine am Frühstücksbuffet

Eine andere Herausforderung sind die Getränkemaschinen, die in jedem Hotel anders funktionieren. Da die Thermoskanne leer war und kein Personal zu sehen war, hielt ich meinen Pappbecher unter die Kaffeemaschine und drückte einen Knopf. Leider war diese Maschine zum Befüllen der Thermoskannen gedacht und hörte erst nach einem Liter auf. Bis ich den Notausschalter gefunden hatte, hatte sich das Buffet in einen Kaffeemorast verwandelt. Ich wischte die Sauerei notdürftig mit einem Stapel Papierservietten auf und verließ unauffällig den Frühstücksraum.

Saft- und Kaffeemaschine
Kaffeemaschine und Saftstation

Arches Nationalpark

Während der Bryce Canyon ein filigranes Meisterwerk ist, glänzt der Arches Nationalpark durch kernige, klobige Fels-Monumente. Das deutet sich schon unterwegs an, denn die Straße führt durch den Capitol Reef Nationalpark, der mit mächtigen Felsabbrüchen punktet.

The Castle im Capitol Reff NP
The Castle im Capitol Reef NP
The sinking ship Arches NP
Die untergehende Titanic
Three Judges Rocks Arches NP
Drei Richter beraten sich
Balanced Rock im Arches NP
Aus dem Kuriositätenkabinett der Statik: Balanced Rock
Key Hole Arch
Das Schlüsselloch der Riesen
Single Arch
Single Arch
Double Arch
Double Arch
Delicate Arch
Delicate Arch

Die monumentalen Steinbögen wurden vor Urzeiten durch Flüsse aus dem Fels herausgewaschen, sagt die Wissenschaft. Es ist nicht leicht, sich derart gewaltige Flüsse in dieser trockenen Wüste vorzustellen. Aber klar, Zeit und Wasser sind eine wirkungsvolle Kombination, wie man in den Canyonlands erkennen kann. Manche Besucher sind von den Aussichten so fasziniert, dass sie in der Vegetation festwachsen.

Frau im Busch schaut auf den Canyonlands NP
Die Frau im Busch
Arch im Canyonlands NP
Mesa Arch
Owachomo Bridge
Owachomo Bridge

Goblin Valley

Ein unterschätztes Juwel ist das Goblin Valley, das Tal der Kobolde. Hier hat die Natur Gestalten aus dem Stein modelliert, die die menschliche Fantasie übertreffen. Einfach nur genial!

Goblin Valley
Zwergenfamilie
Goblin Valley
Einfach mal sitzen und glotzen
Mickey Mouse
Mickey Mouse
Kobolde im Goblin Valley
Zwerge
Dinosaurier im Goblin Valley
Das Tal der Dinosaurier
Goblin Valley
Das Tal der Kobolde
Pilze im Goblin Valley
Im Wald der Pilze

Monument Valley

Auf dem Weg in Richtung Süden kamen wir an weiteren geografischen Absonderlichkeiten vorbei. Im Gooseneck State Park hat sich der San Juan River in Schlangenlinien durch die weichen Gesteinsschichten gefräst.

Da staunt der SinnlosReisende
Mexican Hat
Mexican Hat (Man nannte ihn Sombrero)

Im Monument Valley hatte die Erosion schlampig gearbeitet und ein paar Felsen übersehen. Das Ergebnis ist sehr beeindruckend. Man denkt, jeden Moment könnte John Wayne um die Ecke reiten.

Monument Valley
Nur eine Straße – und doch so schön!
East Mitten Butte im Monument Valley
East Mitten Butte
Three Fingers Monument Valley
Die Finger

Hier draußen ist der Westen noch wild. Man findet jede Menge einsame Orte, beispielsweise Moki Dugway, der meist genannte Ort auf die Frage „Wo wollen Sie auf keinen Fall eine Autopanne haben?“

Moki Dugway Serpentinen
Irgendwo weit draußen: Moki Dugway

Und doch ist kein Fleckchen Erde so einsam, dass nicht doch Menschen dort wohnen könnten. Zumindest fährt hier ein Schulbus.

Schulbus im Wilden Westen
Schulbus beim Monument Valley

Route 66

Auf dem Weg zum Grand Canyon nahmen wir die alte Route 66, die heute von den Erinnerungen an die Golden Fifties lebt. Unterwegs liegt ein Lavafeld, in dem die Natur langsam wieder das Terrain vom Vulkan übernimmt.

Sunset Crater Volcano
Sunset Crater Volcano National Monument
Route 66
Route 66
Verrosteter Oldtimer
Veteran
Toilette an der Route 66
Toilette

Die kleinen Orte an der Route 66 leben von Touristen, die ein bisschen Nostalgie erleben möchten. Und sie sind Ausgangspunkt für den Besuch des berühmtesten Canyons.

Grand Canyon

Grand Canyon im Sonnenuntergang
Beeindruckend

Der Grand Canyon wurde vom Colorado River in das Colorado Plateau gegraben. Er ist etwa 450 km lang und bis zu 1.800 Meter tief. Wer hier abstürzt, der verhungert, bevor er unten aufschlägt.

SinnlosReisender am Abgrund
Manchmal ist es nur ein kleiner Schritt zur Witwenrente

Man kann mit Maultieren in die Schlucht hinunter reiten. Ich würde aber niemals mein Leben einem solchen Tier anvertrauen.

Mulis am Grand Canyon
Sind Maultiere eigentlich trittsicher?

Wir brachen zu einer kleinen Wanderung in den Canyon auf. Bergab ist das kinderleicht, man kann flotten Schrittes mit einem fröhlichen Pfeifen auf den Lippen etliche Höhenmeter in kurzer Zeit absolvieren.

Treppe in den Grand Canyon
Im Canyon

Aber man sollte immer daran denken, dass man irgendwann wieder nach oben muss. Trotz Warntafeln überschätzt man sich da schnell und bezahlt den Preis.

Warntafel
Warnung vor Überanstrengung

Vor vielen Jahren war ich an gleicher Stelle schon einmal mit meinem Vater an seinem 75. Geburtstag. Wir hatten unglaubliches Glück und trafen auf einen Kalifornischen Kondor, der damals in freier Wildbahn so gut wie ausgestorben war. Ein Ranger hatte uns erklärt, dass nur noch drei Exemplare in dieser Gegend lebten, ein Weibchen und zwei Männchen.

Kalifornischer Kondor
Der Kalifornische Kondor

Da man mit 75 Jahren weder zu Fuß noch auf dem Rücken eines Maultieres in die größte Schlucht der Welt gehen will, leisteten wir uns einen Rundflug mit einem Helikopter. Geburtstagsgeschenk.

SinnlosReisender im Helikopter
Der SinnlosReisende hebt ab

Die Ausblicke waren so überwältigend, dass ich total vergaß, Fotos zu machen. Auf dem Rückflug tat es auf einmal einen lauten Schlag und ein Riss bildete sich in der Windschutzscheibe. Wir waren mit einem Vogel kollidiert. Ich befürchtete schon, dass wir nun das Aussterben des Kondors endgültig besiegelt hätten, aber der Pilot meinte lapidar, es wäre „nur“ ein Rabe gewesen.

Der Grand Canyon Nationalpark hat einen eigenen Bahnanschluss. Die Grand Canyon Railway fährt täglich zwischen Williams und dem South Rim, eine Zugfahrt inklusive Livemusik und inszeniertem Eisenbahnüberfall. Das muss der SinnlosReisende natürlich aus der Nähe betrachten.

Grand Canyon Railway
Der Grand Canyon Train…
Grand Canyon Railway
…fährt langsam an…
Grand Canyon Railway
…und nimmt ganz allmählich…
Grand Canyon Railway
…Fahrt auf, aber…
Grand Canyon Railway
…er bremst nicht…
Grand Canyon Railway
…für bekloppte Touristen

Nachdem wir uns an den Steinen im Wilden Westen satt gesehen hatten, klopften wir uns den Staub aus den Klamotten und machten uns auf den Weg nach Kalifornien. Bis bald.

Avatar von Unbekannt

Autor: sinnlosreisen

Geschichten über die lustige Seite des Urlaubs

19 Kommentare zu „USA 7: Wild Wild West“

    1. Gut möglich, dass wir einige „Must See Formationen“ übersehen haben. Der Bryce Canyon (und andere Nationalparks in den USA) ist ja so gedrängt voll mit fantastischen Ansichten, dass man schon mal etwas übersehen kann.

      Gefällt 1 Person

  1. 3 x Wow und 5 Sterne obendrauf: Man kann gar nicht genug von diesen Bildern bekommen! Habt Ihr das alles auf einer Reise besucht? Dann wart Ihr ja monatelang unterwegs 🙂 Ja, das Frühstück in US-Hotels ist das zivilisatorische Gegenteil: Unsere Erlebnisse reichen auch von gefüllten Müllsäcken neben dem Pancake-Automat bis zu Familien, die von der Tischplatte essen – alles in durchaus vornehmen Hotels…

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, ja die Landschaft ist unbeschreiblich schön. Das waren tatsächlich mehrere Reisen, quasi ein „Best of“. Wobei man in vier Wochen das meiste davon sehen kann. In Arizona und Utah liegen die Sehenswürdigkeiten dicht gedrängt.

      Wir haben auch solche Familien erlebt, die einen Frühstücksraum in Null Komma nichts verwüstet haben. Wahrscheinlich sagt sich die Hotelleitung, für solche Gäste lohnt es sich nicht, gutes Frühstück zu bringen.

      Like

  2. Was Landschaften anbelangt, sind die U.S.A. schon besuchenswert. Tolle Bilder sind das! Aber warum musstest du uns das mit dem Überhang erzählen … 😉
    Ich bin froh, dass du deinen Humor nicht ganz unterdrückt hast, und den Ausdruck „statisch grenzwertig“ werde ich mir merken. Besonders lachen musste ich beim Grand Canyon, wo man verhungert bevor man im freien Fall unten ankommt.

    Arizona würde mich schon sehr reizen …

    Gefällt 1 Person

    1. Ich kann es halt nicht lassen 😁. Schön, dass es dir gefällt.

      Ja, die Landschaft ist unbeschreiblich schön, das kommt in den Fotos gar nicht ganz rüber. Unbedingt selbst mal anschauen!

      Like

  3. Diese ganzen Fantasiefelsen sind einfach nur genial, unwirklich, wie ein Wunderland. So habt ihr euch sicher gefühlt. Grandios, das Ganze. Skurril mutet eher euer Frühstücksraum an, und was da am Ende an Müll bei rauskommt… also, ich bin ja eigentlich nicht so fürs Welt Verbessern, aber da bleibt einem ja die Kinnlade offen stehen.

    Zurück zu der wunderbaren Natur. Ob Maultiere trittsicher sind? Na ja… nach dem zwanzigsten Touri wird sich das eine oder andere auch denken, jetzt ist auch egal… 😉 Toller Beitrag, macht Lust auf eine Reise.

    Gefällt 1 Person

    1. Stimmt. Wenn die USA eines zu bieten haben, dann ist das Natur mit allen Superlativen. Allein dafür lohnt sich ein Besuch unbedingt. Und ganz ehrlich, die politische Lage sieht bei uns in den Medien ziemlich schlimm aus. Aber dort merkt man als Tourist nichts davon.

      Das mit den Maultieren wollten wir trotzdem nicht ausprobieren. Wer weiß schon, was die Viecher denken….

      Gefällt 1 Person

  4. Na das war ja mal ein Parforceritt durch die Highlights des Südwestens! Aber klar, ich glaube kapiert zu haben, dass das mehrere Reisen waren. Bis auf eine Ausnahme ist mir alles vertraut, Frühstückskatastrophen inklusive. Für mich so ziemlich die schönste Landschaft, die unser Planet zu bieten hat. Einfach atemberaubend! Und nun freue ich mich auf eine Runde Kalifornien mit euch 😎.

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse eine Antwort zu elsakaspar Antwort abbrechen