Sinnlose Orte, die die Welt nicht braucht – Prang Sam Yot

„Die ich rief, die Affen, werd ich nun nicht los!“ Zitat frei nach Goethes Zauberlehrling.

Während Thailand insgesamt vor Sehenswürdigkeiten nur so strotzt, hat die Stadt Lopburi nicht viel zu bieten: keine Berge, kein Gewässer, keine schöne Altstadt. Aber immerhin gibt es ein paar mittelmässig erhaltene Ruinen aus der Zeit des Königs Narai. Der Wat Phra Sri Rattana Mahathat lässt erahnen, wie prächtig es hier in vergangenen Jahrhunderten zuging.

Ruinen im Wat Phra Sri Rattana Mahathat
Relikte aus vergangenen Zeiten
Tempelhalle im Wat Phra Sri Rattana Mahathat
Der letzte Buddha

Allzuviele Touristen zieht Lopburi trotzdem nicht an, denn die Stadt liegt irgendwo im Niemandsland zwischen Ayutthaya und Sukhothai. Und diese beiden Städte haben deutlich eindrucksvollere Ruinen im Angebot. Tagesausflügler aus Bangkok beschränken sich daher auf einen Besuch in Ayutthaya. Und wer bis Sukhothai weiter fährt, der verzichtet auf die kleinere Ausgabe in Lopburi.

Irgendwann fiel dem Tourismusbeauftragten von Lopburi auf, dass die Touristen ganz scharf auf Fotos mit den kleinen Affen waren, die gelegentlich in den einsamen Tempelanlagen herumtollten. Um einen größeren Anteil am Nektar der Tourismusbranche in die Stadt zu schleusen, beschloss er eine Marketingoffensive. Die Affen wurden gezielt angelockt und gefüttert und der ehrwürdige Prang Sam Yot wurde in „Monkey Temple“ umbenannt.

Affenhorde am Prang Sam Yot in Lopburi
Monkey Temple

Eine Weile lang schien die Strategie aufzugehen und die Affen wurden tatsächlich zu einem Touristenmagnet. Die Verantwortlichen hatten aber die Sache nicht bis zum Ende gedacht. Denn die geselligen Tiere vermehrten sich unter diesen Bedingungen natürlich prächtig. Bald war ihnen der eingezäunte Bereich um die Tempelruine zu klein und sie dehnten ihr Revier in die umliegenden Wohn- und Geschäftsviertel aus.

Affen turnen auf einem Zaun
Affenplage

Affen sind neugierig und erstaunlich lernfähig. Das Gemüse aus der täglichen Fütterung war vielleicht artgerecht, schmeckte ihnen aber lange nicht so lecker wie die Waffeln und die Limonade an den Mopedküchen.

Affe trinkt aus einer Limonadenflasche
Durstig

Rasch erlernten sie menschliche Zivilisationstechniken wie Raubüberfälle und Erpressung. Ganze Horden klettern die Hausfassaden hoch und stürmen die Küchen und Speisekammern der Anwohner. Manche Affen klauen Mobiltelefone oder Brillen und geben sie erst im Austausch gegen Essen wieder her. Heute sieht das Gebiet um den Prang Sam Yot aus wie Hamburg nach den G20-Demonstrationen: total verwüstet. Einige Anwohner haben ihre Wohnungen bereits aufgegeben, die Verbliebenen haben ihre Fenster und Türen vergittert. Vor Restaurants und Läden sitzen Wachposten mit Peitschen, die allzu übergriffige Affen vertreiben sollen.

Affen plündern eine Wohngegend in Lopburi
Fassadenkletterer
Affen besetzen ein Wohnhaus in Lopburi
Hausbesetzer
Affe vor dem Schuhgeschäft
Beim Einkaufsbummel
Affen plündern Mülleimer
Vandalismus

Wir sahen einen Polizisten, der sich auf die Ladefläche seines Pickups zurückgezogen hatte und von dort aus die Affen mit einer Steinschleuder abwehrte. Er konnte allerdings nicht verhindern, dass unter seinem Wagen heftig an Auspuff und Bremsleitungen gewerkelt wurde.

Polizist verschanzt sich auf seinem Pickup und bedroht Affen mit Steinschleuder
Wo stecken diese Mistviecher schon wieder?

Immerhin ist der Eintritt in den Prang Sam Yot mit 1,50 € relativ günstig. Und dabei ist ein Bambusstock zur Selbstverteidigung inbegriffen. Denn im Gegensatz zum Monkey Temple in Jaipur sind die Tiere hier ziemlich verwahrlost und teilweise etwas übergriffig.

Die SinnlosReisenden meinen: das ist ein zweifelhaftes Konzept, um Touristen anzuziehen. Schaut euch lieber die anderen Wats in der Stadt an. Oder geht ins Guitar Dessert Cafe und bestellt ein Bingsu. Das ist eine koreanische Eisspezialität, bei der ein Berg aus gefrorenen Kondensmilch-Schneeflocken mit verschiedenen Saucen übergossen wird. Lecker!

Der SinnlosReisende freut sich über Bingsu
2500 Kalorien pro Portion – da lacht der SinnlosReisende

Ich melde mich wieder, wenn ich aus dem Zuckerkoma aufgewacht bin…

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Autor: sinnlosreisen

Geschichten über die lustige Seite des Urlaubs

23 Kommentare zu „Sinnlose Orte, die die Welt nicht braucht – Prang Sam Yot“

  1. Ja, dieses Konzept, da Affen anzusiedeln, die sich dann rasant vermehren und schlechte Manieren entwickeln, ist einfach nur sinnlos. Dieser Ort landet also mal nicht auf meiner Liste. Danke fürs Austesten! Dann muss ich es nicht tun 😁.

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  2. Von diesen „Monkey Tempel“ gibt es einige, u.a. in Kathmandu, Nepal. Dem Touristen wird dabei eine herzerweichende Geschichte erzählt – wobei ich den Nepalesen das Konzept eher abkaufe, die haben ja auch den „Tag des Hundes“. Manchmal sollte eine kleine Sehenswürdigkeit das bleiben, was sie ist – nämlich eine kleine Sehenswürdigkeit. Schließlich ist es mit den Tempeln für mich so, dass sie sich irgendwann einmal ähneln, hat man nur genug davon auf einer Reise betrachtet. Die Idee mit den Affen ging ziemlich nach hinten los. Angefütterte Tiere fordern ihr Recht, und aufgeputscht von viel Zucker spielen die Hormone verrückt. Beim G20 konnte man hinterher zumindest Ermittlungsverfahren einleiten… 😉

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  3. Planet der Affen. Schön das Foto mit dem vor dem Schuhladen. Ob er sich überlegt, wie überflüssig solche Konsumartikel sind? Oder ob er doch das Schnäppchen („Sale“) mitnimmt. Scheint ein idealer Ort für Biologen zu sein, um das Sozialverhalten unserer „Vorfahren“ zu studieren.

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    1. Ja, man glaubt sofort, menschliches Verhalten zu entdecken. Vermutlich hat er sich nur Chancen auf Futter ausgerechnet, aber wer weiß, vielleicht würde ein Affe bei guten Angeboten auch zugreifen.. .

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  4. Die Monkey-Temples folgen wohl einem Franchising-Konzept,oder? Bei Jaipur gibt‘s auch einen. Und in jedem gibts einen „Monkey-Man“ für Fotos gegen Trinkgeld … und mit Facebook Account natürlich 😉

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  5. Das wäre doch nicht nötig gewesen. So weit zu fahren. Das kann man auch in Gibraltar oder gleich in Salem erledigen, am Affenberg.
    Aber immerhin, das eine Foto – hat die Äffin dann doch noch passende Schuhe gefunden? Denn um eine solche soll es sich doch wohl handeln, oder etwa nicht? Das Café war dann wohl affensicher gesichert, ähnlich den Touristenbussen in Ägypten – da sind es mehr die Begleitfahrzeuge, die die übergriffigen Touristenfledderer abwehren – oder in die gepanzerten Mobile in der Arktis, die weißen Bären den Zutritt verwehren.

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  6. Nein, anonym sende ich nicht. So weit kommt es noch. Also, der anonyme Kommentar, das war ich (und wollte eigentlich nur wissen, welche Schuhe die Äffin letztlich erstanden hat). Zu schnell die Knöpfe gedrückt, aber jetzt mit Namen.

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  7. Hallo Marco,
    ich bin gerade bei der Suche nach Reiseinspirationen in einen Strudel interessanter Blogs geraten und schließlich Link für Link auf deinen Blog gestoßen. Beim Affentempel musste ich Schmunzeln. Vor etlichen Jahren (oh je mittlerweile fast Jahrzehnten 🙂 hatte mich ein Tempelmitarbeiter in Malaysia auf ein Essen eingeladen (er war auch mal mit dem Motorrad in Deutschland gewesen und hatte mich als Deutsche identifiziert). Er schenkte mir einen Kristall vom geheiligten Dach des Tempels, den mir leider (da ich aß) direkt ein Affe klaute. Da der Kristall leider heilig war sprangen 5 Männer hinter dem Affen her, bis sie ihn mit Essen bestechen konnten den spirituell wertvollen Kristall herzugeben. Der ganze Tempel war übersäht mit Hüten, Sonnenbrillen und anderem Diebesgut, welches sich als nicht-essbar also unbrauchbar für die Affen herausgestellt hatte. Mit dem Tausch Diebesgut gegen Essen schienen sie aber gut über die Runden zu kommen 🙂 Viele Grüße Anna

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