Wer Wortspiele verwendet, sollte zunächst die verwendeten Begriffe definieren. Ein Blick in den Duden Online hilft uns dabei:
- Fes (auch Fez, Fès): Stadt in Marokko
- Fez, der: Spaß, Ulk, Unsinn
- Fez, der: (in den arabischen Ländern von Männern getragene) kappenartige Kopfbedeckung aus rotem Filz in Form eines Kegelstumpfes (mit einer Quaste). Herkunft: wohl nach der marokkanischen Stadt Fes, die möglicherweise der erste Herstellungsort war.
So, jetzt weißt du Bescheid. Aber Achtung, nicht verwechseln mit:
- Fes, das: um einen halben Ton erniedrigtes f
- FEZ, das: Abkürzung für Forschungs- und Entwicklungszentrum
Fes, die älteste Königsstadt Marokkos
Wir landeten an einem regnerischen Novembertag in Fes. Bei unserer Unterkunft war der Flughafentransfer inklusive und der Chauffeur wartete bereits. Er begrüßte mich überschwänglich, ignorierte die neben mir stehende SinnlosReisende und trug dann meinen Koffer zum Auto. Wir schauten uns irritiert an und die hochgezogenen Augenbrauen zeigten die Begeisterung über diese Behandlung. Ich übernahm den Koffer der SinnlosReisenden, was wiederum den Chauffeur irritierte, aber so waren wir wenigstens quitt.
Diese konsequente Missachtung des weiblichen Teils unserer zweiköpfigen Reisegruppe zog sich durch den kompletten Urlaub. Liebe Marokkaner, es ist nicht klug, die Hälfte der Menschheit zu ignorieren! Besonders, wenn man in der Tourismusbranche arbeitet und von ihrem Geld lebt. Ratet mal, welches Land auf unserer schwarzen Liste mit No-Go-Destinations gelandet ist? Richtig.
In Fes wohnten wir mitten in der Medina, so nennt man hier die Altstadt. Unser Riad, ein traditionelles Stadthaus, lag in einer verstörend dunklen Gasse und sah von außen wie eine Bruchbude aus. Als wir schon grobe Zweifel an der Hotelauswahl bekamen, wurden wir in einem prachtvollen Innenhof mit Minztee begrüßt.







Die Tanneries von Fes
Am Stadtrand von Fes zeugen Ruinen von der einstigen Bedeutung der Stadt. Der Eingang in die Medina von Fes wird vom blauen Tor markiert. Dahinter beginnt ein Labyrinth von malerischen Gässchen, die bei gutem Wetter zum Bummeln einladen. Wir hatten allerdings ein hartnäckiges Tiefdruckgebiet gebucht und der Regen verwandelte die Altstadt in einen stinkenden Moloch. Aus den Teestuben starrten mürrische Männergruppen und der beißende Gestank der Gerbereien zog durch die Gassen. Außerdem: ein aufdringlicher Bettler beschimpfte uns als Nazis. Was wir definitiv nicht sind! Nicht mal ansatzweise.




In Fes gibt es mehrere Tanneries, in denen Leder auf traditionelle Weise gegerbt und gefärbt wird. Angeblich wird keine Chemie sondern nur natürliche Stoffe verwendet, aber den ganzen Tag barfuß in Taubenkot zu waten, ist auf Dauer auch nicht gesund. Zuerst werden die Haare von den Fellen in Kalkbädern entfernt, danach werden die Lederstücke gefärbt und geschmeidig gemacht. Und dann an die Touristen verkauft. Wie die Arbeiter den Überblick über den Inhalt der vielen Becken behalten, bleibt ein Rätsel.




Mobilität in Marokko
Um dem schlechten Wetter zu entkommen, ließen wir uns von einem Taxi an den Flughafen bringen, wo wir einen Mietwagen gebucht hatten. Es ist auch in Marokko verboten, beim Fahren ein Handy zu benutzen. Daher musste unser Taxifahrer zwei Handys benutzen, während er auf einer vierspurigen Straße fuhr:
Autofahren in Marokko ist vergleichsweise unproblematisch, man muss allerdings auf die Esel aufpassen, die immer wieder die Straße bevölkern. Die Straßenschilder sind zweisprachig und die Fernstraßen sind in recht gutem Zustand.







Von Meknes nach Rabat
Wir fuhren durch hügelige Landschaften nach Meknes, einer weiteren ehemaligen Königsstadt. Die aufwändigen Mosaiken erinnerten uns an die Alhambra in Andalusien und wir bekamen das beste Frühstück aller Zeiten serviert.




In Rabat besuchten wir die Andalusischen Gärten, die wegen ihrer Ruhe von Katzen sehr geschätzt werden. Für eine Hauptstadt geht es hier eher gemütlich zu. Vielleicht trägt die Lage am Meer zu einem entspannten Lebensstil bei.





Die Sonne von Rabat versöhnte uns ein wenig mit dem anfänglich miesen Wetter und wir flogen nach einer Woche wieder nach Hause. Unter dem Strich ist Marokko sehr sehenswert. Man darf sich halt nicht an diesem landestypischen Männer-Frauen-Dingens stören.

Im Mai scheint in Fes immer und im FEZ manchmal die Sonne. Die Wiesen blühen und es ist wunderschön.
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Da hattest du mehr Glück als wir. Das Wetter hat tatsächlich viel Einfluss darauf, wie wir ein Urlaubsland beurteilen. Die armen Touristen, die gerade am Bodensee Urlaub machen…
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Hm waren das mit dem Taxifahrer und dem Bettler die einzigen schlechten Erfahrungen, die ihr gemacht habt? Sonst war der Aufenthalt da ja in Ordnung, wie ich verstanden habe… vielleicht sind auch touristische Gebiete ein bisschen krasser als woanders…
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Die marokkanischen Männer hatten halt so eine unterschwellige oder manchmal auch offene Missachtung gegenüber Frauen an den Tag gelegt. Das ging der SinnlosReisenden mächtig auf den Senkel. Mir auch. Sonst war es eigentlich gut. Ist auf jeden Fall sehenswert, aber uns hat jetzt das eine Mal auch gereicht. Für das Wetter kann ja niemand was 😀
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Was den Umgang mit Frauen betrifft, ist für mich der Hauptgrund, dort nicht hinzufahren. Sollen sie das handhaben, wie sie wollen – aber bitte nicht mit mir und auch nicht mit meiner Kohle 😎. Ansonsten entnehme ich deinen Fotos, dass Marokko ein in weiten Teilen sehr schönes Land ist! Und dass der BER in Sachen Bauverzögerung um Längen getoppt werden kann, beruhigt mich auf eine durchaus nicht von Gehässigkeit freie Weise 😃. Danke für deine Einblicke in ein für uns exotisches Land!
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Da gebe ich dir recht. Die Aktivitäten am BER haben die Marokkaner mit Respekt beobachtet. Das war seit langer Zeit der beste Versuch, ihren Rekord zu brechen…😂😂😂
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😂🥳😁
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Wieder was gelernt. Die Araber leben nicht mehr alle in Zelten (eigentlich tun sie das schon ziemlich lange nicht mehr), Riad ist ein Haus! Ein Haus und gleichzeitig eine Hauptstadt… Aber das ist ja viel weiter im Osten, nicht mehr in Afrika, sondern schon in Asien.
Das mit dem miesen Wetter in Nordafrika kann ich freilich bestätigen. Wir, tapfer auf den Spuren Karl Mays alias Kara ben Nemsi, allerdings nicht hoch zu Roß sondern mittels eines japanischen Geländewagens, überquerten jene gefährliche Stelle, den Schott el Dscherid! Falls in jenen Regionen geschossen wird, so doch nicht da, wo es der Sachse in seinen gewalttätigen Phantasieausflügen (also, nicht nur, aber auch er ist dran schuld, wenn ich immer wieder Abenteurgschichten und Krimis schreibe) seinerzeit verortete. Erwarteten wir auch nicht, das hätte uns durchaus nicht gefallen. Aber schließlich ist das Wüste, ist das ein Salzsee! Wir erwarteten etwas anderes, eine anständige Fata Morgana.
Was soll ich sagen. Es regnete, nein, es schüttete. Die Lehre für die Kinder: die Wüste ist – naß!
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Tja, kein Verlass auf Karl May und das Wetter.
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