Thessaloniki

Besuch in der Heimat von Aristoteles und Alexander dem Großen

Der bis auf den letzten Platz ausgebuchte Flug mit Aegean Airlines von München nach Thessaloniki startet mit 30 Minuten Verspätung. Ich bin der einzige Nichtgrieche an Bord. Die Flugbegleiter haben alle Mühe, die Passagiere auf ihre Sitzplätze zu bekommen. Lautstarke Diskussionen über Sitzplatzwechsel zum Zwecke der Familienzusammenführung werden überlagert von hitzigen Streitereien über Handgepäck. Das Ganze wird übertönt vom Gebell eines Yorkshire-Terriers, der in seiner Reisetasche weder in die Overheadbins noch unter den Sitz passt. Auf dem Schoß seines Frauchens schnappt er wie eine tollwütige Kobra um sich und verletzt beide Sitznachbarn. Diese Skulptur an der Uferpromenade von Thessaloniki beschreibt das Chaos an Bord ganz treffend:

Skulptur mit Chaos
Chaos im Flugzeug

Im Hotel werde ich von der eigenwilligen Gestaltung der Türen überrascht. Ich hatte mich bisher nicht als ungewöhnlich groß eingeschätzt.

zu kleine Tür
Proportionen

Aristoteles, Schüler von Platon und Lehrer von Alexander dem Großen wirkte hier in Thessaloniki. Ihm haben wir bahnbrechende Wissenschaften zu verdanken, wie die Logik, Staatstheorie, Naturphilosophie und einige mehr. Ein Universalgelehrter eben.

Bildnis von Aristoteles
Aristoteles, der Urtyp des Lehrers

Alexander der Große lernte in Thessaloniki von Aristoteles, wie man eine friedliche demokratische Gesellschaft gründet. Dann schwang er sich auf sein Pferd und eroberte in blutigen Feldzügen ein Weltreich. Mit 30 Jahren beherrschte er die halbe bekannte Welt. Mit 33 Jahren starb er an einer banalen Infektion. Ob sich das unterm Strich gelohnt hat?

Alexander der Große zu Pferd
Alexander der Große

Der weiße Turm ist das Wahrzeichen von Thessaloniki. Er ist eigentlich zu nichts zu gebrauchen.

Der weiße Turm in Thessaloniki
Der weiße Turm von Thessaloniki

Vielleicht noch, um Piratenschiffe abzuwehren, wenn sie so blöd sind, direkt vor den Turm zu fahren.

Blick vom weißen Turm
Piratenangriff

An der Uferpromenade von Thessaloniki läuft es am Wochenende ähnlich wie in Friedrichshafen. Der Grieche schnappt seine Familie und spaziert die Promenade auf und ab, bis ihn alle Nachbarn und Bekannten gesehen haben. Nur dass Thessaloniki ein paar mehr Einwohner und eine schmalere Promenade hat. Wer Körperkontakt sucht, ist hier richtig.

Blick auf Uferpromenade Thessaloniki
Strandpromenade von Thessaloniki

Der beste Konditor Griechenlands heißt Terkenlis. Ein Stück der Schokoladentorte ernährt eine fünfköpfige Familie eine Woche lang.

Schokoladentorte
Kalorienbombe von Terkenlis

Löchrige Regenschirme? Vom Wind verwehte Sonnenschirme? Frage nicht, Fremder, das ist Kunst!

Kunst
Regenschirmkunst

Ich kann zwar kein Griechisch, aber ich bin mir ziemlich sicher, was das Schild ungefähr bedeutet: „Niemals mit dem linken Fuß zuerst auf dieses tolle Spielzeug klettern, immer mit dem rechten Fuß beginnen!“

Kran mit Schild
Bilder sagen mehr als Tausend Worte

Seit die alten Griechen von den Römern besiegt wurden, mögen sie diese nicht mehr so richtig leiden. Als kleine Rache wird alles, was aus der römischen Zeit stammt eingezäunt und den Katzen überlassen.

Ruine mit Katzen
Römische Hinterlassenschaften

Oder einfach konsequent ignoriert und dem Verfall überlassen, wie dieser Galeriusbogen.

Galeriusbogen
Galeriusbogen

Die Griechen sind gewiefte Geschäftsleute. Um die Ladenöffnungszeiten zu umgehen, wird einfach ein Restaurant in einen Laden integriert. Man kann zwischen Vorspeise und Hauptgang dann schnell noch etwas Schinken für Zuhause kaufen. Und wenn einem der Wein zum Essen geschmeckt hat, kann man gleich ein Fläschchen käuflich erwerben.

Restaurant mit Laden
Shop and Eat. Restaurant mit Laden.

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Autor: sinnlosreisen

Geschichten über die lustige Seite des Urlaubs

6 Kommentare zu „Thessaloniki“

  1. Thessalien, da muß ich auch noch hin! Immerhin ist der direkte Südweg aktuell für mich gesperrt, keine Lust, mich mit Schwarzhemden einzulassen. So entsteht schon ein Grund, weiter auszugreifen.
    Doch zur Uferpromenade: leidet auch diese an Möchtegern – Radrennfahrern und artistisch veranlagten Skatern und Rollerbladern und wie das Zeug noch heißt, auf dem die rumrutschen, wie die entsprechenden Wege am Bodensee, die deshalb langsam in die Top Ten der gefährlichsten Pfade auf dem Planeten aufgenommen gehören? Oder verhindern die größeren Ballungen der Familien, die alles absperren, die frei Entfaltung des Rasens?

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    1. Es ging dort sehr zivilisiert bzw. fußgängerisch zu. Einige wenige E-Scooter lagen vandalisiert im Hafenbecken.
      Jetzt hast du dich aber systematisch durch meine Beiträge gearbeitet 😀. Glückwunsch, du bist die wortreichste Kommentatorin auf diesem Blog!🍾

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      1. …das hör ich öfter. Als Vorwurf im mündlichen Gespräch. Wenn ich dann mal ins Reden komme. Weil ich dann gern weiter aushole, statt ein präzises Statement („der Pullover steht dir gut,“ „ausgezeichnet, die Creme, du mußt mir mal das Rezept geben, „coole Karre, Alter“) abzugeben.

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  2. Mir fällt eben auf, was Alex alles erreicht hat. Welteroberung, Weltgeltung (natürlich nur für die bekannte, die wichtige Welt. Heißt ja auch heute in den Nachrichten: die Welt, wenn wahlweise nur (West-) Europa, nur Amerika oder halt die zwei gemeint ist/sind), ganz weltliche Vireninfektion. Exitus. An was aus der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart erinnert mich das bloß? – Ah! Da war doch was mit einer, von manchen freilich mangels Wahrnehmungsfähigkeit nicht bemerkten, Pandemie. Aus der zu guter Letzt die Lehre gezogen wurde: Weiter so! Und zwar noch mal so richtig, bevor hier alles in die Luft geht oder uns dieselbe aus…

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  3. Bei nochmaliger Betrachtung fällt einem doch immer nochmal was auf. Diese hohe Häuserreihe am Meer, die den ganzen Strand häßlich werden läßt. Das nennt man Phalanx, oder? Am Strand von Marathon half’s den Athenern. Und jetzt glauben sie, wenn sie alles zubauen, ist das Land der Griechen sicher vor Persern, Türken, Makedoniern und Römern? Oder Deutschen, selbst wenn sie nur als Touristen kommen?
    Das ist vermutlich ein Irrtum. Aber wer erklärt es den Regierenden in Athen, egal, wer grad dran ist, wer hat ein ausreichend großes Kuvert dabei, so dass er angehört wird?

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