Girona
Auf dem Weg von Saragossa zum Mittelmeer besuchten wir Girona, ein überaus sympathisches Städtchen, vorausgesetzt man scheut keine Treppen. Es gibt hier eine malerische Altstadt, bunte Häuser und eigenartige Sitten: hier wurde die seltene Kunst des Spielens auf der Nasentrompete perfektioniert.






Nach einem leckeren Snack in einem der Straßencafes hatten wir genug von Stadtbesichtigungen. Die Zeit war definitiv reif für ein paar Tage Strandurlaub!
Costa Brava
Im Gegensatz zur Costa del Sol, wo der Massentourismus tobt, gibt es an der abwechslungsreichen Küste Kataloniens herrliche einsame Buchten, schöne Naturparks und endlose ruhige Sandstrände.



Normalerweise sind wir eher die Nomadentypen und halten es selten länger als drei Tage an einem Ort aus. Der Campingplatz in L’Estartit war aber so entspannt, dass wir ausnahmsweise eine ganze Woche blieben. Die Beach Bar war daran nicht ganz unschuldig. Nur die Hundebesitzer nervten manchmal, aber darüber habe ich mich ja an anderer Stelle bereits ausführlich ausgelassen.

Nach einigen Tagen himmlischer Ruhe wurde es unruhig im Ort. Wie jedes Jahr feierten die Einheimischen zum Abschluss der Saison ein Piratenfest. In Erinnerung an frühere Jahrhunderte, als die Region häufig von echten Piraten heimgesucht wurde, verkleiden sich die Bewohner und feiern ein rauschendes Fest mit Parade und Feuerwerk.





Ausflug nach Figueres
Im Internet hatte ich Hinweise auf eine mysteriöse Hühnerfarm in Figueres entdeckt. Wenn man den Bildern trauen kann, werden dort genmanipulierte Riesen-Hühnereier gezüchtet. Details waren nicht zu erfahren, daher wurde es mal wieder Zeit für eine verdeckte Recherche des SinnlosReisenden.
Ich näherte mich dem Labor unauffällig von der Rückseite, wo das Gebäude noch eindeutig nach Eierlegebetrieb aussah.

Zur Abschreckung gegen neugierige Eindringlinge waren die Mauern mit Hundekot und Gittern gesichert.

An der Eingangsseite war das Gebäude als Baguette-Verkauf getarnt. Um die Verwirrung komplett zu machen, wurden am Eingang Karten für ein Museum und Theater verkauft, ein perfektes Tarnunternehmen. Der Einlass wurde von stiernackigen Typen mit Sonnenbrille streng nach Zeitfenstern kontrolliert. Sehr verdächtig!

Mir blieb nichts anderes übrig – ich besorgte mir eine unauffällige Tarnung, packte meine Kamera ein und mischte mich unter die Besucher des angeblichen „Museums“.

Was soll ich sagen? An diesem Ort geschehen Dinge, die so grausam sind, dass ich sie gar nicht mit Worten beschreiben kann. Sieh selbst:





Offenbar hatten auch vor mir schon andere mutige Menschen versucht, die unhaltbaren Zustände aufzudecken. Sie wurden auf grausame Art und Weise kalt gestellt.

Das war nun wirklich eine Nummer zu groß für mich und ich suchte schleunigst das Weite. Falls du meine Recherche fortführen möchtest, hier ist die Adresse in Figueres: Teatre-Museu Dali, Placa Gala i Salvador Dali 5.
Montserrat
Ein absolutes Highlight im Nordosten Spaniens ist die Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat. Das Bergkloster ist weltbekannt für seine atemberaubende Lage und für seinen Knabenchor, der jeden Tag um 13:00 Uhr ein Liedchen in der Kirche trällert. Außer Sonn- und Feiertags, da beginnt der Gesang um 12:00 Uhr, denn die Knaben müssen rechtzeitig zum Sonntagsbraten.

Von Monestir de Montserrat aus erreicht man das Kloster nach einer zweistündigen Wanderung oder bequem mit dem eigenen Auto. Die Chancen, oben einen freien Parkplatz zu finden, sind etwa gleich groß, wie in der Sahara einen Yeti zu sehen, der vom Blitz getroffen wird während er an einem Montag einen Sechser mit Zusatzzahl im Lotto gewinnt. Also eher nicht so groß.
Besser man nimmt den öffentlichen Bus, die Seilbahn oder die Zahnradbahn. Kleiner Tipp für Wohnmobilisten: auf dem Parkplatz der Zahnradbahn darf man umsonst übernachten und kann dann entweder noch abends oder gleich frühmorgens die Touristenmassen vermeiden, die von Barcelona aus zum Tagesausflug anreisen.





Die Kirche selbst wäre nichts Besonderes, eine Kirche eben, aber oberhalb des Altars befindet sich etwas ganz Spezielles: eine schwarze Marienfigur aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist der Grund, warum man Tickets mit Zeitfenster im Viertelstundentakt vorab online erwerben sollte, denn eine Berührung ihrer Hand verspricht Heilung von allen denkbaren Leiden und bringt angeblich Wohlstand für die ganze Familie.

Deshalb zieht durch die engen Gänge eine endlose Prozession von Gläubigen im Schneckentempo an der Statue vorbei. Jeder Einzelne bekreuzigt sich, küsst ehrfürchtig die Hand der Madonna und bekreuzigt sich dann nochmal. Mit Kniefall, damit es besser wirkt. Meine Fresse, das dauert ewig!


So, Freunde, jetzt schau ich mir das seit Jahren an, dieses Wundergewinsel und Reliquien-Anbeten in jeder zweiten Kirche. Auf die Gefahr hin, dass ich treue Leser verprelle, jetzt ist Schluss mit lustig, Ende Gelände, jetzt red ich Klartext, Samthandschuhe in die Altkleidersammlung.
Leute, wacht auf! Es gibt keine Heiligen, die euch mit einem Wunder retten. Wenn ihr krank seid, geht zum Arzt, vielleicht kann der euch helfen, aber sicher nicht irgendwelche alten Statuen! Das Einzige, was euch ein Kuss dieser speckigen Marmorhand bringt, ist ein Cocktail aus Bazillen, Bakterien und Viren, die von den Besuchern vor euch hier hinterlassen wurden.
Dass ich sowas im 21. Jahrhundert überhaupt noch schreiben muss!
Bis bald, euer Marco.
Ah, die Fortsetzung! Lange ersehnt! Girona kenne ich auch noch nicht. Und der nächste VHS-Kurs im Nasentrompeten ist schon so gut wie gebucht. Der Strand von L‘Estartit hingegen ist mir bekannt. Ich habe großartige Erinnerungen daran. Denn dort verbrachte ich im zarten Alter von 12 Jahren mal einen klassischen Strandurlaub mit meinen Eltern. Dort lernte ich ein Mädel ungefähr im gleichen Alter kennen, das eine unfassbar große Sammlung an Schlümpfen (deutlich besser als Hunde!) dabei hatte, die es jeden Morgen in zwei Plastiktüten an den Strand schleppte. Da ich höchstens drei Schlümpfe hatte, die zudem auch noch zuhause geblieben waren, habe ich mich gleich an ihre Fersen geheftet. Von da an haben wir bis zum Ende des Urlaubs jeden Tag eine riesige Sandburg für die Schlumpfpopulation gebaut. Aber ich schweife ab, hier geht’s ja schließlich um deine Reise und nicht um meine.
Jedenfalls seid ihr da doch tatsächlich mal sesshaft geworden. War dann wirklich so eine Art Urlaub zwischendurch😁! Natürlich nur so lange, bis du diesen beherzten Undercover-Einsatz in der illegalen Hühnerfarm hingelegt hast. Der war sowas von nötig! Die Spanier können dir gar nicht genug dafür danken. Nicht auszudenken, dass dieser durchgeknallte Hühnerfritze da weiter sein Unwesen getrieben hätte!
Montserrat scheint sich zu lohnen – genauso wie dein mutiger Entschluss, die Samthandschuhe in die Altkleidersammlung zu entsorgen. Ein längst überfälliger Schritt!
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Dieser Strand scheint schon Generationen von urlaubern angezogen zu haben. Nur uns bisher nicht. Ich hatte lange Jahrzehnte gedacht, dort wäre überwiegend Pauschaltourismus zu finden, aber weit gefehlt – eine wunderschöne Gegend. Dass wir es mal so lange an einem Ort aushalten, sagt schon einiges aus.
Und man kann halt auch mit geringem Aufwand von dort aus eine Menge Ausflüge in kleine Örtchen mit lokalen Märkten, Hafenstädte und Kulturbetriebe machen.
Montserrat hat uns sehr beeindruckt durch die geniale Lage in den Bergen. Hätte man das vorher gewusst, hätte man die Wanderschuhe mitgenommen …
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Das arme Krokodil! (Alligator, Kaiman, was weiß denn ich)
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Für eine genaue Artenbestimmung blieb mir leider keine Zeit. Ich war ja under cover unterwegs…
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Anregende Eindrücke und schöne Bilder. Wir waren als junge Familie (unser Sohn war 8 Monate alt) mit einem alten Passat vor 43 Jahren zuletzt da. Hat sich einiges getan 🙂
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Wie die Zeit vergeht…
Die Gegend ist aber auch heute noch eine Reise wert.
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Lieber Sinnlosreisender:
Also bitte! Natürlich bringt küssen von Marmorhänden medizinisch was: Herdenimmunität! Hättest du mal auf Drosten gehört…
Liebste Grüße
Die Besserwisserin, Susanne
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Liebe Susanne,
So hab ich das noch gar nicht betrachtet, aber ja, für das große Ganze macht das vielleicht Sinn. Da opfert man sich als Einzelner doch gerne und fängt sich einen Herpes ein.🤷🏼♂️
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Tu humor ácido y tus despectivos comentarios no me han hecho ninguna gracia. Deseo fervientemente que tu crónica ayude a disminuir la agobiante presencia de turistas en mi país. Gracias por ello.
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Todas mis contribuciones son textos satíricos. A veces los programas de traducción no entienden la sutil ironía. Pero sí, mis textos son irreverentes y el humor a veces es difícil. Pero desde luego no quiero ofender a nadie. Quizá pueda ayudarme diciéndome qué es exactamente lo que le molesta. Cataluña es una región preciosa y me gusta su gente.
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Celebro mucho que encuentre preciosa la región de Catalunya y que le guste su gente. Ni en su post de hoy ni en posts anteriores no he sabido encontrar ningun comentario valorativo explícito en este sentido, mientras son muy explícitos los comentarios desagradables sobre nuestras costumbres, nuestros políticos o nuestros símbolos culturales.
Doy por terminado aquí nuesto intercambio de pareceres.
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Lo acepto. Todo el mundo tiene gustos diferentes.
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No creo que el turismo funciona así.
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Montserrat haben wir auf unserer Reise leider nicht gesehen, aber das wird noch nachgeholt. 🙂 aber eine schwarze Madonna haben wir auch auf Teneriffa – und die ist eindeutig hübscher 🙂 Sie wird zwar auch verehrt, doch irgendwas muss ihr fehlen. Sie wird zwar auch verehrt und für kleine Wunder ist sie mit Sicherheit ebenfalls zuständig – aber der Kult hält sich in Grenzen. Aber wer weiß, wenn die Zeiten schlechter werden, greifen die Menschen nach jedem, wenn auch sinnlosen, Strohhalm. Dann müsstest du einmal nach Teneriffa kommen und das genauer analysieren 🙂
Ein toller Bericht, auf den ich schon lange gewartet habe! Liebe Grüße Ingrid
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Danke Ingrid, ja Montserrat ist unbedingt sehenswert, das Kloster und die ganze Gegend. Auf Teneriffa war ich vor vielen Jahren, aber ich habe keine schwarze Madonna gesehen. Aber vielleicht wird es mal wieder Zeit für einen Besuch.
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Ich kann mich immer schlapplachen über deine Reiseberichte. Ich wäre mal gespannt, was du über Dänemark berichten würdest 😉 🙂
Die Bekleidung der Wand aussen von dem Museum für gemordete Kunst, sieht wirklich merkwürdig aus, aber eher wie Brotteig als das andere, finde ich. Doch warum??? Deine Tarnkleidung: grosse Klasse, fügt sich total in die Kunstwerke ein.
Schade, dass du einen Einheimischen verärgert hast, der keinen Humor hat. Besonders wenn es an Religion geht, sind die Menschen oft sehr sensibel. Aber das mit den Krankheitserregern war das Erste, das mir in den Kopf kam, als ich las, dass alle diese Menschen die Hand küssen. Ich war mal kurzfristig in einer orthodoxen Gemeinde, da küssten dann alle den Ring des Priesters. Das habe ich nur einmal gemacht … 😉
Die Häuserfront im ersten Foto ist ja abenteuerlich, war das auch in Girona? Gefällt mir.
L’Estartit werde ich mir merken. Ich bin froh, dass die Hunde in Dänemark zwischen 1.4. und 31.10. am Strand angeleint sein müssen. Da halten sich natürlich auch nicht alle dran, aber man riskiert eine Anzeige, besonders wenn der Hund dann auch noch unregierlich und/oder aggressiv ist.
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Danke. Hm, Dänemark, warum nicht. Ist bestimmt auch sehr schön. Ich lese öfters, dass die Dänen in vielen Dingen viel fortschrittlicher sind, als die Deutschen. Was nicht schwierig ist.
Ja, ob man Humor hat, merkt man immer erst dann, wenn die Witze einen selbst betreffen. Über sich selbst zu lachen ist die Königsdisziplin, die beherrscht nicht Jeder.
Ja, die Häuser im Titelbild sind in Girona, eine sehr sympathische Stadt. Nicht so riesig, aber mit einer tollen Stimmung.
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Riesig muss ja auch nicht sein. Ich bin zwar ursprünglich aus Hamburg, aber ich mag die Grossstädte weniger und weniger.
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Erschüttert und voller Grauen habe ich deinen investigativen Bericht gelesen. Sei froh, dass man dich nicht erwischt hat, denn wer weiß, wie das geendet hätte. Die schwarze Madonna hat über dich gewacht und „Küss die Hand, schöne Frau“ wäre jawohl das mindeste als Dank gewesen 😉 😉
Montserrat haben wir vor ein paar Jahren besucht, es ist ein beeindruckender Anblick, wie sich das Gemäuer in den Berghang schmiegt. Da hatte ich mir auch Wanderschuhe und mehr Zeit gewünscht.
Die Dali Kunstwerke waren schon immer jenseits von Raum und Zeit und jeder Vernunft. Er war zu seiner Zeit schon umstritten.
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Danke für dein Mitgefühl 😉 Wenn man mich erwischt hätte, hätte ich wohl auch als Kunstwerk im Bauschaum geendet. Dali – genial, an der Grenze zu verrückt. Findet man aber oft bei Künstlern.
@Montserrat: Ja, sehr beeindruckend, allein schon der Berg. Dort hinzubauen war auch ein guter Einfall.
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Was heißt da 21. Jahrhundert? Die Statue ist aus dem 12., steht doch da! – Also!
Damals war man überzeugt von der Wirksamkeit solcher Andenken, die irgend jemand von irgendwoher mitgebracht hatte. Ob das jetzt die heiligen drei Könige (dzt. zu Köln am Rhein, und ja, ich weiß, eigentlich waren es gar keine Könige, sondern Magier…) sind oder was auch immer. Es gibt sehr schöne Sitten, deren Aussterben äußerst bedauerlich wäre, die aus solchen Zeiten stammen. Ich denke da beispielsweise an die ganzen Blutreiterumzüge.
Einmal im Jahr dürfen die Gäule so auch aus dem Stall!
Deshalb würde ich sie auch gern sehen. Die schwarze Madonna (einfacher und näher: Altötting. Da gibt es auch eine. Parkplatzsituation in unmittelbarer Nähe ähnlich.) Ja doch, sehen, nicht küssen! Ich würde ja auch nicht mit einer später versteinerten Julia in Verona rumknutschen wollen.
Schöne Ausflugsziele waren das. Beispielsweise der nette Hundestrand. Das wäre doch mal was für uns! Denn wo gibt es das denn hier herum noch? Nicht die Costa Brava, eine Costa Perros oder wie das dann hieße. Denn auf Piraten, also echte, stehe ich eh nicht so.
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Das war eben kein Hundestrand. Der Hundestrand war 200 Meter weiter ausgewiesen.🤐
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Ein leicht boshaftes Gelächter hört man nicht, das ist gut. Aber wenn er schon ausgeschildert ist und nicht als örtliche Müllkippe dient, dann ist das freilich unfair!
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Ich finde amüsant, dass diese Kirchen, wo einen die Madonna von allen möglichen Leiden heilt, oft so hoch auf einem Berg sind, dass ein wirklich Kranker vor der Erfindung der Automobile gar nicht hinkam.
Bei Palermo gibt es auch so eine Kirche hoch oben auf einem Berg, wo die Leute zum Beweis der Spontanheilung ihre Krückstöcke zurücklassen. Das Ganze funktioniert natürlich nur, weil man jetzt bequem mit dem Auto hin- und wegkommt.
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Ein Schuft, wer Absicht vermutet. 😉
Vor die Spontanheilung hat man die Anstrengung gesetzt. Die Logik geht so, dass es immer zuverlässig mit dem Wunder funktioniert. Falls nicht, dann hast du dich einfach nicht genug angestrengt.😄
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