Von uns aus führt der Weg in den Süden Frankreichs über die Schweiz. Und an dieser Stelle muss ich gleich schon mal meinen ersten Survivaltip abgeben: entweder du sprichst vor der Reise mit deinem Bankberater über eine Erhöhung der Kreditlinie oder du nimmst ausreichend Proviant mit. Denn die Schweizer haben Preise, dass es einem Schwaben die Zehennägel aufrollt.

Annecy
Schon kurz nach dem Grenzübergang beginnt die französische Herrlichkeit. Annecy wird als Venedig der Alpen bezeichnet und ist absolut sehenswert (außer Sonntags, da sieht man die Stadt vor lauter Menschen nicht).





Es macht einfach nur Spaß, durch die mittelalterlichen Gässchen mit ihren sinnlosen Fachgeschäften zu bummeln. Oder mit offenen Augen in den Parks eigenartige Dinge zu entdecken.




Der Künstler Francois Mezzapelle hat sich sicherlich Einiges dabei gedacht, als er den Zozo geschaffen hat. Irgendetwas mit dem Mysterium des Seins und Jean Jaque Rousseau, wenn man der Infotafel glauben darf. Nun ja, lassen wir das einfach mal auf uns wirken…

Einen besonderen Service bietet Annecy für Verliebte: den Pont des Amours. Nach einer Legende bleiben Paare für immer zusammen, wenn sie sich auf dieser Brücke küssen. Daher mein zweiter Tip, der dich vor einer Katastrophe bewahren kann: überlege sehr gut, wen du hier küsst. Im Zweifelsfall täusche lieber einen spontanen Ausbruch von Lippen-Herpes vor. „Für immer“ kann nämlich ganz schön lange werden, und wer weiß, wie Schatzi sich im Lauf der Jahrzehnte entwickeln wird. Schau dir einfach mal ältere Paare an, dann weißt du, was ich meine.

Sisteron
Unseren nächsten Halt machten wir in Sisteron. Der Stellplatz für Wohnmobile liegt abgeschieden hinter der Citadelle neben dem Friedhof. Hier kann man ruhige Nächte verbringen, wenn man sich nicht an der Gesellschaft der Toten stört.



Die Altstadt von Sisteron lohnt einen kleinen Bummel. Wenn man morgens vor den Tagestouristen die Stadt besucht, kann man in aller Ruhe durch die verwinkelten Gässchen spazieren und die französische Handwerkskunst bewundern.


Die Schlucht von Verdon
Manchmal macht ein einziger Buchstabe einen riesigen Unterschied: die Schlacht von Verdun war ein grauenhaftes Massaker im 1. Weltkrieg. Die Schlucht von Verdon ist hingegen ein wunderbarer Naturpark in Südfrankreich.



Der Canyon mündet in den Lac de Sainte-Croix, an dessen Ufern es in der Nebensaison ziemlich ruhig zugeht. So ruhig, dass die Einheimischen auch mal ohne Hose zum Angeln gehen.


Camargue
Die Camargue ist mit ihren ausgedehnten Sümpfen ein Tierparadies: Flamingos, weiße Pferde, Stiere und Moskitos kann man hier in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.



Ich hatte schon im Bericht über den Taiji-Kurs am Bodensee ausgerechnet, dass es etwa 4 Millionen Stechmücken braucht, um einen erwachsenen Menschen leerzusaugen. Was am Bodensee ein beruhigender Fakt war, wird hier zur allgegenwärtigen Bedrohung. Es gibt in der Camargue Schwärme mit Abermilliarden hungrigen Moskitos, die jedes Frühjahr ungeduldig auf die Ankunft der ersten Touristen warten.
Daher teile ich jetzt mit dir den dritten Survival-Tip: nimm bei Besuchen in der Camargue unbedingt ausreichend Blutkonserven mit, mindestens zwei Liter pro Person und achte auf die richtige Blutgruppe! Wenn du mutig bist, kannst du es auch mit Mückenschutzmitteln versuchen. Und keine Sorge: für Abonnenten meines Blogs sind diese Tips wie immer gratis, für alle anderen sind sie kostenlos.
Wir fuhren mit unserem Wohnmobil nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Mehrzahl, weil es hier Reliquien von drei heiligen Marien zu bestaunen gibt: Maria Salome, Maria des Kleophas und Maria Magdalena (Ja, DIE Maria Magdalena!).

Die drei Damen gehörten zum engsten Zirkel von Jesus und waren als Zeitzeugen bei seiner Kreuzigung dabei gewesen. Nach seinem Tod und dem ganzen Hin und Her mit der Wiederauferstehung hatten sie einen Berg an bürokratischen Schwierigkeiten zu bewältigen, beispielsweise die Korrektur der Sterbeurkunde. Als das erledigt war, zogen sie los, um die Welt zu missionieren. Schon früh hatten sie das touristische Potential der Gegend erkannt und gründeten hier eine Gemeinde. Noch heute erinnern Schilder an die damals üblichen Kulturtechniken, wie „über das Wasser laufen“.

Da man in der Nebensaison immer einen Platz findet, hatten wir auf eine Reservierung verzichtet. Auf der langen Stichstraße von Arles ans Meer bemerkte die SinnlosReisende, dass uns zwar jede Menge Wohnmobile entgegenkamen, aber Niemand in unsere Richtung fuhr. Ich entgegnete, dass jeder Abreisende einen freien Platz für uns hinterlässt. Und tatsächlich: der Campingplatz war nahezu verwaist, wie ich durch den Zaun erkennen konnte.
An der Rezeption wurde ich dann ganz erstaunt gefragt, ob ich denn nicht wüsste, dass der komplette Campingplatz und alle Stell- und Parkplätze in der Umgebung für die kommende Woche von Roma und Sinti belegt seien. Nein, wusste ich nicht.
Wie jedes Jahr Ende Mai reisen zahllose Familien aus ganz Europa zum höchsten Fest des Jahres an. Dann wird nämlich ihre Schutzpatronin, die schwarze Sara, in einer Prozession ins Meer getragen. Das ist so ähnlich wie das Seehasenfest in Friedrichshafen, nur umgekehrt – dort wird der Hase aus dem See geholt. Gut, dass wir das jetzt geklärt haben.


Wir zogen weiter und bekamen mit viel Glück eine der letzten drei Parzellen auf einem Campingplatz im nächsten Ort. Die SinnlosReisende schlug eine Fahrt mit der Tiki III vor. Ich dachte bei diesem Namen zuerst an einen Nachtclub, aber es handelte sich um ein Ausflugsboot, mit dem man die kleine Rhone hinauffahren kann. Wobei klein relativ ist.

Unterwegs hatten wir das seltene Glück, einen Gardian bei der Arbeit zu beobachten. Das sind die Cowboys der Camargue, die in traditioneller Kleidung auf weißen Camarguepferden die Stierherden mit ihren Lanzen hüten und in bescheidenen riedgedeckten Hütten leben, den sogenannten Cabanes. Wobei sie die Hütte nur bei Regen brauchen, denn normalerweise schlafen sie im Sattel. Sagt der Reiseführer.

Während sich die ausgehungerte Herde auf das bereit liegende Heu stürzte, stürzte die Touristenherde an die Reling und brachte das Schiff in eine bedenkliche Schräglage. Aber der Kapitän hatte dieses Verhalten schon tausendfach erlebt und rechtzeitig an einem Steg festgemacht.

Als wir weiter fuhren, steckte der Gardian seine Provision ein und ritt zu seinem nächsten Auftrag: einen ausgebüxten Stier aus dem Kreisverkehr bergen.

Marseille
Die südfranzösische Hafenstadt hat sich beharrlich den Spitzenplatz unter den gefährlichsten Städten Europas erarbeitet und sogar den traditionsreichen Konkurrenten Neapel hinter sich gelassen. Die statistische Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, lag hier im Jahr 2022 bei über 8%. Für Leser, die keine innige Beziehung zum Prozentrechnen haben: man kann demnach seine Wertsachen bei jedem zwölften Besuch gleich freiwillig abgeben.


Die Verbrecher sind hier so gewieft, dass sie unvorsichtigen Leuten sogar den Stuhl unter dem Hintern wegstehlen, sobald die nur einmal kurz zur Seite schauen.

Aber Marseille hat auch wunderschöne Seiten zu bieten, zum Beispiel die zahllosen Murals im alten Hafenviertel.





Ein weiteres Highlight ist die Cathédrale La Major, direkt am Hafen von Marseille.


In der Umgebung der Kathedrale herrscht trotz Fütterungsverbot ein massives Taubenproblem. Und das wohl schon ziemlich lange, denn die Motive der alten Bildhauermeister sprechen eine deutliche Sprache.


Bei soviel Taubendreck ist es kein Wunder, dass Marseille im Lauf der Jahrhunderte zur Weltstadt der Seifenherstellung wurde.


Vom Hafen aus fällt dem aufmerksamen Beobachter eine weitere Kirche ins Auge: die Basilika Notre-Dame de la Garde.



Im Inneren erkennt man sofort, dass die Kirche vor allem von Seefahrern genutzt wird. Denn von der Decke baumeln zahlreiche Schiffsmodelle, die auf den Segen der Heiligen hoffen.


Côte d’Azur
Hier ist der Name Programm: das azurblaue Wasser harmoniert wunderbar mit dem Kot, den die Hunde an der felsigen Küste hinterlassen. Auf der Halbinsel von Hyères kann man dem Trubel der Schönen und Reichen entfliehen und in herrlicher Landschaft wandern.


Ich hatte in einem anderen Beitrag bereits die absurden Schwierigkeiten beim Campen an der Côte d’Azur beschrieben. Aber wer etwas Kleingeld hat, kommt sowieso nicht mit dem Wohnmobil hierher, sondern mit seiner Yacht. Es gibt allerdings überhaupt keinen Grund für Neid, denn die Parkprobleme sind im Wasser genau die gleichen wie an Land.

So, das war’s für heute. Im nächsten Beitrag geht es in den Westen Frankreichs.
Frankreich ist als Reiseziel bekannt. Im letzten Jahr waren wir in Korsika. Das ist eigentlich nur ein Aussenposten von Frankreich, aber bei Campingreisen sehr beliebt. Wenn die Reise dann weiter nach Korsika geht bin ich auch in der Lage die Bilder zu vergleichen. Nach Marseille hat es mich noch nicht verschlagen, aber sicherer reist man ohnehin wenn man sich die Bilder anguckt und sich einbildet dort gewesen zu sein. Bon voyage.
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Nach Korsika hat uns diese Reise nicht gebracht, aber das steht auch auf unserer Liste. Und nach Marseille sind wir nicht mit dem Wohnmobil hinein gefahren, sondern mit dem öffentlichen Bus. Sicher ist sicher.
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Was für ein wunderbarer Reisebericht mit viel Witz und noch mehr Informationen. Dass die Fotos klasse sind, muss ich nicht extra erwähnen. Danke für diesen Reisebericht, den ich bei strömendem Regen, der einen Parkplatz bei uns gebucht hat, lesenn durfte.
LG
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Hallo, meine Kommentare erscheinen immer anonym. Keine Ahnung, warum. Ich lese zu gern eure Reiseberichte, weil ich euren Witz mag und was noch wichtiger ist, mit den Tipps und Infos etwas anfangen kann. Diese Tour läuft in meinen Kopf als TRAUMtour! Lieben Gruß, Jutta
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Danke, das freut mich aber sehr.
Das mit den anonymen Kommentaren liegt daran, dass ich die Einstellungen so geändert habe, dass man sich nicht in WordPress anmelden muss, um zu kommentieren. Ich wollte es Lesern leichter machen, die nicht selber bloggen. Das führt aber dazu, dass auch WordPress-Nutzer anonym erscheinen, wenn sie unangemeldet kommentieren.
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Ich lebe ja schon eine ganze Weile in der Schweiz und hier eine wirklich gute Currywurst zu bekommen ist echt schwer. Kein Wunder, dass der Anbieter für so eine exotische Köstlichkeit solch horrende Preise verlangt.
Ein amüsanter Reisebericht! Danke dir dafür. Herzliche Grüsse 🇨🇭
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Danke für die Blumen. Vielleicht liegen die hohen Preise auch an den Kalbs-Pommes, wer weiß?
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😅
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In den Süden Frankreichs wollen wir diesen Herbst auch, daher ist der Beitrag gerade für mich eine Fundgrube an wertvollen Tipps. Wie „Kleingeld für Ganoven“ und „Anti-Tauben-Spray einpacken“. Ich freue mich schon auf den Westen 😉
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und Blutkonserven nicht vergessen!😏
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O ja, die auch noch 😉
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Köstlich berichtet, wie immer!
Die zebragestreiften Kirchen sind schon recht ungewöhnlich. Durch Marseille bin ich ich nur mal mit dem Zug durchgefahren und konnte vom Bahnhof aus eine sehr merkwürdige Szene beobachten. (Kann ich hier nicht erzählen.)
Aber in der Camargue waren mein Mann und ich und haben sogar einen Pferderücken bestiegen. Für mich war das nichts Neues, aber für meinen Mann. Die Erfahrung war nicht so toll, denn die Guardians waren ziemlich macho und arrogant, und das Pferd, das vor mir ging hatte enorme Blähungen. 😀 😀
Das mit den Schiffen macht man übrigens auch in Dänemark an der Westküste.
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Jetzt machst du mich aber neugierig. Was kann so merkwürdig sein, dass man es hier im kleinen intimen Kreis nicht erzählen kann? Wir sind doch unter uns 😉. Egal.
Pferde wäre für mich auch nichts. Die sind ziemlich groß.
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Es war sehr intim … 😉
Ich mag Pferde, ich mochte die Guardians nicht 😉
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ok, vielleicht will ich es gar nicht wissen.🫣
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Haha, das dachte ich mir …
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Wieder e
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Wenn es nur der Taubendreck ist, müssten wir dann nicht viel mehr Seifenmetropolen haben?
Auf jeden Fall ist die Bildsprache der alten Bildhauermeister verständlicher, als der Zozo 😄
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Da hast du einen Punkt.
Den Zozo fand ich auch etwas mysteriös. Bei den alten Skulpturen war mir dagegen sofort klar, was der Künstler damit sagen wollte 😁.
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Sehr schöne Ecke in der Tat, im Verdon-Tal war ich schon dreimal, ich hing da schon mal im Seil am Berg … um erst dann zu merken, dass die Höhe nicht so meins ist 😉
Freue mich auf den nächsten Bericht
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Oups, das war dann wohl nur mittelgut. Ich hab auch Respekt vor Höhe, oder besser gesagt vor Tiefe.
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Hab es mit Begeisterung gelesen
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🙏danke
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Wie immer Unterhaltung vom Feinsten, lieber Sinnlosreisender! Und die Survivaltipps sind natürlich Gold wert 😁. Südfrankreich ist einfach eine tolle Ecke. Ich kehre immer wieder gerne dorthin zurück. Was Marseille betrifft, wart ihr sicher ein wenig übervorsichtig. Nicht wegen der Seifen, sondern wegen der Kriminalität. Das Gros der Taten jenseits des Legalen findet in den nördlichen Suburbs statt, wo ihr euch hoffentlich nicht herumgetrieben habt 😎.
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Das stimmt, die Statistik nimmt natürlich keine Rücksicht auf lokale Unterschiede in den einzelnen Stadtvierteln. Hab auch schon gehört, dass in gewissen Vierteln nicht mal mehr die Polizei reingeht.
Die Survivaltipps gebe ich immer wieder gerne weiter. Nicht, das Jemand ohne Blutkonserven in die Camargue fährt und mich hinterher verklagt, weil ich nicht gewarnt hatte. 😉
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Gute Ratschläge von einem, der sich nach Marseille gewagt hat. Nun ja. – Südfrankreich ist immer wieder schön. Ich bin auf die westliche Fortsetzung gespannt, da ich im Land der Katalanen schon einige Mal war.
Dass die Schweizer Preise gepfeffert sind, was man auch stets mit dem Emmenaler Käse machen sollte, das ist altbekannt. Einen Teil macht natürlich der Wechselkurs, der den relativ neueren Euro alt aussehen läßt. Da gibt es andere Länder, in denen Sparen leichte rmöglich ist, aber die sind alle weiter weg… Ich muß aber zugeben, dass ich in der Schweiz für einigermaßen gutes Geld auch stets gute Waren erhielt.
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Ich bin ja quasi an der Schweizer Grenze aufgewachsen. Und ich erinnere mich sehr gut an Zeiten als die ganze Familie zum Einkaufen in die Schweiz fuhr, weil es dort so unglaublich billig war.
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