Fahrt nach Chiang Rai
Der Routenplaner gibt für die Autofahrt von Chiang Mai nach Chiang Rai zweieinhalb Stunden an. In Wirklichkeit braucht man einen ganzen Tag, denn am Wegesrand wimmelt es von Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel findet man hier einen riesigen liegenden Buddha, den man über eine Treppe mit den wahrscheinlich längsten Schwänzen der Welt erreicht.

Oder die Mae Kachan Hot Springs, in denen sich hungrige Reisende Eier kochen können. Wer gerade kein rohes Ei dabei hat, kann sich günstig bei den rein zufällig anwesenden Händlern versorgen. Man kann zwischen Hühnereiern und Wachteleiern wählen und bekommt ein praktisches Körbchen mit Angel ausgeliehen.


Direkt neben den heißen Quellen stehen einige Gebäude, die mich stark an Angkor Wat erinnerten. Und tatsächlich wurde hier für ein Spa die kambodschanische Tempelanlage kopiert, aber aus irgendwelchen Gründen nie fertiggestellt.

Das Goldene Dreieck
Wir näherten uns langsam dem Goldenen Dreieck, der Grenzregion im Dreiländereck zwischen Thailand, Laos und Myanmar. Hier wurden Mitte des letzten Jahrhunderts riesige Felder mit Schlafmohn angebaut. Das wäre an sich nicht verwerflich, denn die Blüten sind ja durchaus hübsch anzusehen. Aber natürlich produzierten die Bergbauern hier auch fleißig Opium, denn viele Alternativen zum Lebensunterhalt gab es damals in den unzugänglichen Bergen nicht.
Um die eskalierenden Probleme mit dem Drogenhandel und vor allem mit dem Drogenkonsum in den Griff zu bekommen, investierte Thailand in seine nördlichste Provinz. Der Kaffeeanbau wurde als Alternative für die Bauern gefördert und der Tourismus wurde mit Infrastrukturprojekten angekurbelt. Heute sind die Drogenprobleme hier nicht größer als anderswo, aber man kann köstlichen Kaffee von regionalen Röstereien trinken.


In den Bergen im Norden Thailands wird vor allem die Sorte Arabica angebaut, die absolute Premiummarke ist aber „Black Ivory“. Um einen besonders milden Kaffee zu bekommen, werden die Bohnen an Elefanten verfüttert, die sie halbverdaut wieder ausscheiden. Eine Tasse kostet umgerechnet etwa zehn Euro, was ein überaus fairer Preis ist, wenn man die Arbeitsschritte bedenkt.

Wat Saeng Kaeo Phothiyan
Das Highlight unserer Fahrt entdeckten wir eher zufällig in einem Dorf neben der Straße: einen Tempel wieder einmal, aber diesmal einen ganz besonderen. Dieser Tempel mit dem unaussprechlichen Namen ist entweder der Beweis, dass Buddhisten viel Humor haben, oder sein Erbauer hatte etwas zu oft vom Opium genascht.
Es beginnt schon bei den beiden Torwächtern am Eingang, die zwar mit den gefährlichsten Raubkatzen fertig werden, denen aber Affen auf dem Kopf herumturnen.

Die Wächter vor den Eingängen zu den heiligen Räumen sehen üblicherweise furchterregend aus; mehrköpfige Drachen mit spitzen Zähnen oder gruselige, bis an die Zähne bewaffnete Dämonen. In diesem Tempel sieht man ausnahmsweise nur freundliche Glücksdrachen und harmloses Wachpersonal.


Im Hof weht allerdings ein anderer Wind. Hier sorgen bunte Gestalten, denen nichts entgeht, mit schwerer Bewaffnung für Ordnung.

Der folgende Schnappschuss bedeutet Ärger mit der SinnlosReisenden, aber was soll man machen?

Im Innenhof tragen vier Riesen eine heilige Glocke. Erst auf den zweiten Blick fielen mir einige witzige Details auf. Die völlig unangemessene rosarote Jogginghose. Die Turnschuhe und die Badeschlappen. Die Bierflasche und der Joint. Einfach nur geil!


In der großen Halle des Tempels saßen mehrere ältere Mönche und meditierten zu sphärischen Klängen, die leise aus dem Hintergrund ertönten. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich um Wachsfiguren handelte, die so echt aussahen, dass man schon ganz genau hinschauen musste.

Die ausgestellten Mönche waren mit einem Absperrband vor Grapschereien durch neugierige Besucher geschützt. Aber etwas abseits in einer Ecke entdeckte ich noch eine Wachsfigur, die offensichtlich für die Öffentlichkeit zugänglich war. Neugierig untersuchte ich das Kunstwerk. Alles war absolut perfekt nachgebildet, jede Falte, die Farbschattierungen, sogar die Stoppeln auf dem glattrasierten Kopf. Man hatte sogar echte Kleidung über die Figur drapiert. Als ich mich nach unten beugte, um das Gesicht ganz aus der Nähe zu betrachten, stand die Wachsfigur auf, warf mir einen vernichtenden Blick zu und verliess den Raum mit einem genervten Seufzer.
Nachdem ich den Schock überwunden hatte, verzog ich mich unauffällig in den absolut sehenswerten Garten des Tempels. Hier sind nicht nur wunderschöne Pflanzen zu bestaunen. Aus den Nebelschwaden erscheinen auch wundersame Drachen und phantasievolle Fabelwesen.






Dieser wenig beachtete Tempel ist absolut sehenswert; ich empfehle allerdings Zurückhaltung bei den Wachsfiguren. Wir machten uns wieder auf den Weg nach Chiang Rai, wo wir noch andere wundersame Dinge zu sehen bekamen.
Wunderbar, Marco. Wir machen die Tour im Januar in umgekehrter Richtung. An dem Kaffee aus dem Goldenen Dreieck habe ich mich auch gelabt (die Drogen sind tatsächlich wieder da). Und die vielen heißen Quellen zeigen, da brodelt es. Ich setze mich im Winter mal in einen dieser Thai-Onsen. Danke für die Figuren-Variationen, Dein Blick fürs Absurde ist mal wieder präzise. Hat bei mir Vorfreude auf Thailand 2024 ausgelöst!!!
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Sehr cool, dass ihr da bald auch seid. Ich war erstaunt, wieviel interessante Flecken es dort zu entdecken gibt.
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Wenn der Mann sich so dicht neben die Wachsfiguren setzt, muss er sich nicht wundern … haha.
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Die sahen halt so verdammt echt aus, dass man bei den echten Leuten auch dachte, dass die bestimmt Wachsfiguren sind. So ein buddhistischer Mönch kann halt auch ziemlich unbeweglich sitzen, wenn er meditiert.
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Er könnte ein Schild aufstellen „ich bin echt“ oder so in den gängisten Sprachen. 😉
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Oder sich wenigstens einmal pro Minute bewegen
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Die Information über aus Elefantenkacke gepulte Kaffeebohnen kommt besonders gut an, wenn man diesen Bericht zum Frühstückskaffee liest.
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Gerne geschehen! Lass es dir schmecken 😂😂😂
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Durch diese Information, die sich anscheinend auf hochpreisigen Kaffee beschränkt, fühle ich mich in meiner Entscheidung für Billig-Instant-Kaffee bestärkt. 🙂
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Die halbverdauten Bohnen für den hochpreisigen Kaffee. Aus dem Rest wird Instantkaffee produziert 😂😂😂
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Die Reise erinnert beinahe an einen skurrilen Vergnügungspark. In jedem Falle gibt es viel zu entdecken, was einen schmunzeln lässt 🙂
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Ja, da war auch viel Humor zu entdecken. In christlichen Kirchen nimmt man sich eher zu ernst.
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Das finde ich auch. Die Statuen mit den Turnschuhen sehen klasse aus 🙂
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Finde ich auch. Der hatte auch hinten in seiner Hosentasche ein Handy stecken, auf dem die Instagram und Facebook Adresse des Tempels zu sehen war. Clever!
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Haha, genial 🙂
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Ha! Wie immer ein Lesevergnügen der Extraklasse, wie ich es von dir gewohnt bin. Die Strecke, die ihr an dem Tag zurückgelegt habt, hat euch ja wirklich eine Menge Stoff geboten. Den Eierkocher auf natürlicher Basis hätte ich samt Körbchen ja auch liebend gerne ausprobiert. Gab es denn auch Senfsoße dazu 😇? Den Elefantenkaffe hätte ich vermutlich ausgelassen. Der Magen, verstehste … Meine absoluten Favoriten in diesem Beitrag sind jedoch die vier abgefahrenen Glockenträger in ihren gewagten Outfits und mit offen zur Schau gestellten Drogenkonsum. Großes Kino 🤣! Nicht zu verachten ist aber auch die Geschichte, die im Wachsfigurenkabinett spielt. Zutrauen würde ich es dir!
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Danke, aber da jagte tatsächlich ein Highlight das andere; ich berichte ja nur, quasi als Chronist. Senfsauce hab ich nicht gesehen, aber die thailändische Speisekarte bietet sicher vergleichbares. Ja, der Junkietempel hat uns auch sehr gefallen. Man stelle sich sowas in einer katholischen Kirche vor 😇.
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Sehr kitschig, sehr cool, besonders die „Träger der heiligen Glocke“.
Warum tragen die eigentlich eine Glocke??? 😉
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Keine Ahnung. Vielleicht im Drogenrausch aus einer christlichen Kirche weg-gefunden?
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Erschütternd, was Drogen aus Menschen machen können. Also Bier oder einen Joint tragen, ok, aber so eine schwere Glocke. Macht doch gar keinen Sinn. Quasi sinnlos
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Sag ich doch immer
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Ob die Wachsfiguren sind, was sie vorgeben? Oder sind es Meditierende, die jenen Grad erlangt haben, aus dem es keine Wiederkehr mehr gibt? oder, anders, sollte man solche Fragen lieber nicht stellen?
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Wer weiß, wer weiß? Shaolinmönche sind auch zu Dingen fähig, die man für unmöglich hält. Das vertiefen wir lieber nicht weiter.
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Vielen lieben Dank für diesen lustigen Reisebericht!! Ich werde übernächste Woche „leider nur“ mit dem bus von Chiang Mai nach Chiang Rai reisen, und so werden mir alle diese herrlichen Sehenswürdigkeiten im echten Leben verborgen bleiben… Immerhin kann ich aber hier darüber lesen! Das ist fein!
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Oh wie schön! Viel Spaß dort. Und gute Nerven beim busfahren 😉.
Chiang Rai hat ja auch eine Menge zu bieten.
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Hast Du Erfahrung mit dem Busfahren dort 😁?
Falls die schlimm sind — sag’s mir einfach nicht 😄😄…
Soll ich lieber ein anderes Verkehrsmittel wählen? Noch habe ich nix gebucht.
Liebe Grüße, Simone 🌸🐞
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Nein, wir hatten keine schlechten Erfahrungen mit dem Bus. Die Strecke ist aber sehr kurvig und führt durch die Berge. Da braucht man schon gute Nerven, wenn die Busfahrer mit flottem Tempo durch die Landschaft düsen. Ich denke mir immer, der Fahrer will ja auch heil ankommen. Gefährlicher ist es wohl mit dem Roller selbst zu fahren.
Wir haben uns in Chiang Mai einfach einen Mietwagen genommen und sind selbst gefahren. Aber den Linksverkehr muss man auch mögen. Wünsche dir auf jeden Fall eine schöne Zeit!
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Vielen lieben Dank!!! 😊😊👌
Ich habe keinen Führerschein, deshalb wird das nix mit dem Mietwagen… Aber so muss ich mich dann auch nicht in den Linksverkehr einfuchsen 😁
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Alles wird gut.
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