Chiang Mai

Ein Beitrag über eigenartige Silvesterbräuche, wunderschöne Tempel und das unglaubliche Angebot auf thailändischen Nachtmärkten.

Nach dem enttäuschenden Erlebnis in Lopburi fuhren wir nach Chiang Mai in den Norden Thailands, wo wir den Jahreswechsel 2566 feierten. Das mag manchen Lesern wie Science Fiction erscheinen, aber in buddhistischen Ländern ist das Geburtsjahr eines gewissen Jesus nicht von Bedeutung. Hier wird das Todesjahr von Siddharta Gautama für die Zeitrechnung verwendet. Logisch.

Silvesterbräuche

Zum Jahreswechsel wird der Stadtpark von Chiang Mai mit beeindruckenden LED-Lichterketten in ein Zauberland verwandelt.

Silvesterbeleuchtung in Chiang Mai
Festliche Beleuchtung im Stadtpark von Chiang Mai

Am Silvesterabend zündet man hier ein Khom Loy an, das sind fliegende Heißluftballons aus Reispapier mit einem Teelicht als Antrieb. Ein gelungener Start soll ein gutes Omen für das kommende Jahr sein. Wir hatten vor Jahren am Strand von Ban Phe schon einmal unser Glück beinahe mit einem Fehlstart ruiniert. In einer dicht bebauten Stadt wollten wir das nicht noch einmal riskieren.

Khom loys
Albtraum der Feuerwehr

Als wir uns auf einem Bänkchen ausruhten, kaufte neben uns ein junges Paar einen kleinen Käfig mit lebenden Vögeln. Ich befürchtete schon, die Beiden hätten sich ihr Neujahrsfrühstück gesichert, aber auf Nachfrage erfuhr ich von einem eigenartigen Brauch: es bringt angeblich Glück, am Neujahrstag einem Vogel die Freiheit zu schenken. Daher fangen pfiffige Händler im Vorfeld alle Vögel, die sie erwischen können und verkaufen sie an Glücksbedürftige. Ich persönlich finde das Konzept nicht so richtig überzeugend. Das wäre ja, als ob ich unserem Nachbarn sein Fahrrad klauen würde, um es ihm dann am nächsten Tag zu schenken. Aber wenn es hilft…

Vögel im Käfig
Gefangen für die Freiheit

Die Tempel von Chiang Mai

In Chiang Mai gibt es unzählige erstaunlich gut erhaltene Tempel, deren Namen sich kaum Jemand merken kann. Jeder hat seinen eigenen Charakter und man weiß nie, was einen drinnen erwartet. Schon von außen sind die Gebäude wunderschön, aber das Innenleben ist teilweise extrem beeindruckend.

Wat Phra Singh Chiang Mai
Goldener Elefant – Wat Phra Singh
Vergoldetes Dach
Goldenes Abendlicht
Wat Chedi Luang Chiang Mai
In die Jahre gekommen – Wat Chedi Luang
Holzfassade im Wat Ket Karam
Der magische Spiegel im Wat Ket Karam
Tempel im Abendlicht
Noch so ein Wat
Wat Bopparam in Chiang Mai
Wat Bopparam
Zwei Jadebuddhas im Wat Bopparam in Chiang Mai
Doppelt hält besser

Um von einem Tempel zum nächsten zu kommen, kann man einen gemütlichen Spaziergang machen, denn die meisten sind fußläufig im Stadtkern zu erreichen. Oder man winkt sich eines der roten Sammeltaxis heran, die hier überall für kleines Geld kreuz und quer durch die Gegend fahren. Man nennt einfach dem Fahrer das Ziel und entweder er nimmt einen mit oder er fährt weiter, weil es nicht auf seinem Weg liegt.

Sammeltaxis in Chiang Mai
Sammeltaxis im Sekundentakt – So geht ÖPNV in Chiang Mai

In Thailand gibt es keine Kirchensteuer. Jeder spendet, was er will, und zwar direkt an den Tempel seiner Wahl. Mir fiel auf, dass die Spenden in manchen Tempeln an Wäscheleinen aufgehängt werden. Ich hab das mal grob überschlagen: da hängen einige 10.000 € in Scheinen herum. Es wundert mich, dass dieses Angebot Niemanden in Versuchung führt. Denn Wachpersonal war entweder nicht vorhanden oder nicht sehr abschreckend.

Geldspenden aufgehängt in Tempel
Wenn der Geldautomat mal wieder streikt…
Donald Duck steht vor Wat Bopparam in Chiang Mai
Das Wachpersonal

Ich muss gestehen, ich war zu feige, um einfach mal zur Probe einen dieser Spendenhänger abzupflücken. Aber ich ermutige jeden Leser dazu und freue mich auf die Erfahrungsberichte. Als Gegenleistung verspreche ich, euch im thailändischen Gefängnis zu besuchen.

Auf dem Nachtmarkt

Nachtmärkte sind in ganz Thailand sehenswert, auch weil es tagsüber oft zu warm zum Einkaufen ist. In Chiang Mai findet Sonntag abends eine „Walking Street“ statt, auf der man alles findet, was man braucht. Und noch weit mehr. In der Essensabteilung braucht man allerdings manchmal starke Nerven. Ich lasse einfach mal die Bilder für sich sprechen.

Tempel im Nachtmarkt von Chiang Mai
Für den Nachtmarkt öffnen auch die Tempel ihre Pforten
Stand für Tempelbedarf
Fachgeschäft für Götter aller Art
Tee auf dem Markt
Tee in allen Farben
Bommel und Quasten
Fachhandel für Quasten und Bommel
Kunstvolle bunte Seifen
Seifenkunst in Handarbeit
Biersortiment
Der Bierspezialist
Fachgeschäft für lebende Schlangen
Lebende Schlangen
Meeresfrüchte
Totes Geschlängel
Meeresfrüchte
Frisch aus dem Meer
Gegrillte Skorpione
Frisch aus dem Gruselkabinett
Tütensuppe thailändisch
Hier wird der Begriff „Tütensuppe“ noch wörtlich genommen
Mojis
Leckere Mojis: gefüllte Kugeln aus irgendwas extrem Elastischem
Wühltisch mit Gold- und Silberschmuck
An manchen Ständen werden Träume wahr…
Gegrillte Insekten
…an anderen eher Albträume
Getrocknete Fische hängen an Leinen
Getrockneter Fisch. Vermutlich.
Eine und eine halbe gebratene Gans hängen am Stand
Unterhalten sich zwei Gänse an der Bar. Sagt die Eine: „Wir können hier ja bis zum Abendessen noch zusammen abhängen“. Antwortet die Andere: „Ich war schon beim Essen“
Totes Huhn streckt seine langen Beine aus der Schüssel
Hättest du nur deine langen Beine zum Weglaufen genutzt…
Ein rohes totes Tier streckt seine Krallen aus
Das namenlose Grauen wartet auf DICH!
Der Würstswagen
Nur für ganz Hartgesottene: der deutsche Würstswagen

Bei diesem irritierenden Angebot beschloss ich, nichts zu riskieren und eine vegetarische Jungle Soup zu essen. Denn was kann bei einer Gemüse-Bouillon schon schief gehen?

Einiges, wie mir schnell klar wurde. Die Suppe war so scharf, dass ich beim ersten Löffel Schluckauf bekam. Dann schwollen meine Lippen wie bei einer missglückten Botoxbehandlung an und ich bekam Schnappatmung. An den Rest des Abends kann ich mich nicht mehr erinnern.

SinnlosReisender beim ersten Löffel Jungle Soup.
Der SinnlosReisende nach dem ersten Löffel Jungle Soup

Merken fürs nächste Mal: „Hot“ bedeutet nicht nur „heiß“, sondern auch „scharf“! In Thailand „sehr, sehr scharf“!

Tafel "Think before doing anything"
Die SinnlosReisende empfiehlt: erst denken, dann bestellen!

Nach einer unruhigen Nacht mit brennendem Gedärm machten wir uns auf den Weg nach Chiang Rai, ins Goldene Dreieck.

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Autor: sinnlosreisen

Geschichten über die lustige Seite des Urlaubs

25 Kommentare zu „Chiang Mai“

  1. In Chiang Mai hat es mir seinerzeit auch sehr gut gefallen. Danke, dass ihr mich virtuell auf eure Reise mitgenommen habt. An die ekligen Gerichte auf dem Nachtmarkt erinnere ich mich glücklicherweise nicht. Gegessen habe ich einen Green Papaya Salat, war schon scharf, es ging aber noch.

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  2. Hihi, ja Thaispicy ist ne ganz schöne Hausnummer. Mein Mann ist da auch ein großer Fan von aber die Kellner waren dann doch nervös und haben alle 5 min geschaut, ob es ihm noch gut geht. Um die ganzen anderen ‚Spezialitäten‘ aus deinem Gruselkabinett würde ich allerdings einen großen Bogen machen, so hart ist mein Magen dann doch nicht.
    Das sich dort niemand aus dem Klingelbeutel bedient, erstaunt mich nicht. Die meisten nehmen ihren Glauben ziemlich ernst und fürchten wahrscheinlich den Zorn der Götter. Und wer die Comics liest, wird sich auch nicht mit einer Ente im Matrosenanzug anlegen wollen. Der kann nämlich auch ganz schön ausrasten 😉

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  3. Unglaublich, welch eine Vielfalt wohin das Auge reicht. Und vieles so prächtig vergoldet. Mit dem Essen scheint man wahrlich vorsichtig sein zu müssen. Selbst Donald hat wohl in den falschen Topf gegriffen 🙂
    Vielleicht handelt es sich um Falschgeld, mit welchem so frei dekoriert wird. 🙂

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    1. Ja, dem Auge wird dort viel geboten. Thailändisches Essen ist grundsätzlich sehr lecker, aber es gibt eben auch dort skurrile Details 😃.
      Falschgeld würde die Zurückhaltung beim stibitzen erklären. Wäre aber als Spende zu billig. Hm.

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  4. Ah, Chiang Mai, das Mekka der digitalen Nomaden! Das steht auch schon länger bei mir auf dem Plan. Habe viel Gutes von dieser Stadt gehört. Die Beleuchtung über den Jahreswechsel ist wirklich beeindruckend, ebenso wie dein wie immer gelungener Griff in die Kuriositäten-Kiste!

    Was die Geldspenden an den Wäscheleinen betrifft: sicher, dass das keine Relikte aus grauer Vorzeit sind wie hierzulande die D-Mark 😇? Das Wachpersonal mit dem hippen duck face jedenfalls scheint ja offensichtlich mit anderen Dingen beschäftigt zu sein.

    Das kulinarische Angebot auf dem Nachtmarkt ähnelt frappierend demjenigen auf den Märkten Hongkongs. Asien ist auf diesem Gebiet in der Tat nichts für Zartbesaitete. Die Jungle Soup würde ich allerdings sofort probieren. Was sie mit dir gemacht hat, würde mir bestimmt auch gut stehen 😎.

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    1. Auf jeden Fall ist man nach einem Teller Jungle Soup wach. Oder tot. 😉
      Die Geldscheine schienen schon aktuell zu sein, aber vielleicht Spielgeld, wie eine andere Kommentatorin schon vermutet hat.
      Und Chiang Mai kann ich uneingeschränkt empfehlen. Wir waren schon zwei Mal dort und beide Male begeistert. Ist auch nicht ganz so warm wegen den Bergen und kulturell extrem vielfältig. Die nächsten beiden Beiträge werden ebenfalls über die Gegend dort berichten.

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  5. Ich habe gehört, die thailändische Küche ist scharf, und zwar höllisch scharf. Nicht nur so ein Bisschen „Europäier-scharf“ 😉 Cooler Filter übrigens, steht dir gut.

    Den Markt finde ich an und für sich nicht gruselig. Das mag an meiner Kindheit als Mädchen vom Land liegen. Die Oma hatte ihre eigenen Hühner und hatte die auch selbst geschlachtet. Bei der Schlachtung durfte ich nicht dabei sein, dafür beim Ausnehmen zugucken. Auch haben wir das meiste vom Tier verwendet. Okay, mit den Skorpionen wäre ich jetzt auch nicht warm geworden, auch nicht mit den Schlangen (wie viele geschützte Arten da wohl mit dabei sind?). Insgesamt denke ich, die Welt wäre etwas besser dran, wenn die Menschheit sich großflächig vom Fleisch weg- und zur Insektennahrung hin orientieren würde. Klima und so. Was wir essen und wovor wir einen Eckel haben, ist oft kulturell geprägt und man kann sich selbst in dieser Hinsicht „umerziehen“.

    Die abhängenden Geldscheine sind vermutlich nur auf den ersten Blick unbewacht. Es wird schon einen Grund geben, warum sie niemand anrührt. Vielleicht verwandelt sich Donald Duck dann ja in einen Zerberus…?

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    1. Richtig, wenn dir eine Thailänderin ein Gericht mit einem unschuldigen Lächeln und den Worten „little bit spicy“ serviert, dann rechne mit einem Besuch in der Notaufnahme wegen Magendurchbruch 😂😂.
      @Geldscheine: ich war ja auch misstrauisch. Vielleicht ist es eine Falle, mit versteckter Kamera? Ich warte jedenfalls, bis jemand anders es ausprobiert 😇

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  6. Das mit dem ständig sich wiederholenden Wat ist zumindest für an unterschiedliche Tidenstände gewohnte Nordseeanrainer sehr gewöhnlungsbedürftig. Ich stelle mir die Umstellung problematisch vor. Das ist ja, wie wenn ein Holländer seinen Coffeshop Alpe nennen würde oder so! Obwohl… Vielleicht doch kein guter Vergleich.
    Das mit den gefangenen Vögelchen ist schon einfacher nachzuvollziehen. Man kennt das ja aus anderen, aber durchaus ähnlichen Anwendungen. Dort spricht man von Kidnapping. Hier ist es halt Birdnapping. Gegen Bezahlung wird der kleine – vielleicht – wieder freigelassen. Läßt man ihn lang genug im Käfig kann es sogar zu einer Art Stockholm – Syndrom kommen und der Bursche zwitschert einem was.
    Am Ende steht ja das lehrreiche und unbedingt zu beherzigende Schild. In der Tat. – Hatte ich schon von meiner Erstbegegnung mit Wasabi erzählt? Oder eben dem, was dafür überall verkauft wird, da echtes Wasabi ja gar nicht so übermäßig scharf sein soll? Jedenfalls kannte ich das nicht und dachte fälschlicherweise, mit den andersfarbigen Soßen vorsichtig sein zu müssen, aber mit dem grünen Zeug nicht übermäßig aufpassen zu müssen. Und das war ein Fehler. Einer von denen, die wieder rauswollen. Und zwar, wenn auch nicht unbedingt zu den Ohren, so doch sonst aus dem gesamten Kopf, auch aus der Nase…

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