So, liebe Freunde, nachdem ich euch schon einen exklusiven Einblick in die Verdauungs-Kultur der Hauptstadt San Jose geben durfte und die Psychologie eines Vulkans beleuchtet habe, will ich heute im dritten und letzten Teil darüber berichten, was wir auf unserem Trip entlang der Pazifikküste erlebt hatten. Eigentlich weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll, denn in Costa Rica gibt es so viel zu entdecken, dass einem schwindlig wird. Das Landesmotto lautet pura vida, das pure Leben.

Playa Herradura und Tarcoles
Die Mango Lodge liegt so abseits, dass wir sie trotz Google und GPS nur mit Mühe fanden. Das eigenwillige Haus wurde von einem pensionierten französischen Architekten nach Feng Shui Prinzipien konzipiert. Im Obergeschoss auf der Terrasse zu sitzen und die Seele baumeln zu lassen, das hat schon was. Die Ruhe wurde nur vom Geschrei der Brüllaffen aus den umgebenden Wäldern und dem gelegentlichen satten Aufprall einer herunterfallenden reifen Mango unterbrochen.


Bevor der Schimmel sich auf uns festsetzen konnte, machten wir einen Ausflug nach Playa Herradura an der Pazifikküste. Hier wurde für den Film „1492 – Conquest of Paradise“ die Landung von Christoph Kolumbus in Amerika gedreht. Man sieht die Spuren immer noch im Sand. Historisch ist das leider nicht ganz korrekt, da Kolumbus auf der karibischen Seite landete. Wieder ein Grund mehr für den spanischen Entdecker, sich in seinem Grab umzudrehen, aber das ist eine andere Geschichte.

Paradiesisch sieht es hier jedenfalls aus. Das haben auch die überall frei herumturnenden Affen und die Schwärme von Riesen-Papageien erkannt. Pura vida.


Auf dem Rückweg machten wir einen Fotostop in Tarcoles. Hier kann man von einer Brücke auf die Krokodile hinabschauen, die im Fluss darauf hoffen, dass sich leichtsinnige Touristen zu weit über das Geländer beugen.

Der Corcovado Nationalpark
Unser nächstes Ziel war der Corcovado Nationalpark. Man kann ihn in der Trockenzeit mit dem Auto erreichen, aber wenn es dann regnet (und wir reden hier nicht von mitteleuropäischem Nieselregen, sondern von tropischem Platzregen!), ist die Rückfahrt wochenlang ungewiss.

Daher nahmen wir den Bootstransfer von Sierpe aus. Allein die Fahrt durch die Mangrovenwälder ist schon sehenswert. Captain Ronaldo brachte uns sicher durch die Pazifik-Brandung, aber am Ausstieg mussten wir kurz warten, bis das Krokodil der Gemeinde Drake Bay verscheucht wurde.

Im Corcovado Park sind Partys eher nicht angesagt, aber man kann endlose Wanderungen durch die beeindruckende Natur machen. Wer schon mal mit der Idee gespielt hat, sich einen Bambus in den Garten zu pflanzen, sei hiermit gewarnt. Die Dinger sprengen alle Dimensionen. Ich kenne Menschen, die das bitter bereut haben, gell Klaus?


Der Marino Ballena NP
Das kleine Örtchen Uvita liegt direkt hinter dem Marino Ballena Nationalpark, der seinen Namen von der Landzunge hat, die bei Ebbe aus dem Meer auftaucht und der Schwanzflosse eines Wales ähnelt. Oder von den Walen, die hier vorbeischwimmen, man weiß es nicht so genau.

In diesem Nationalpark gibt es absolut nichts menschengemachtes, keinen Strom, keine Gebäude. Nichts außer Wald, Natur und einem absolut paradiesischen Strand. Pura vida eben.


Bei Ebbe kann man auf die Landzunge trockenen Fußes hinauswandern. Da an diesem Tag die Ebbe mit dem Sonnenuntergang zusammenfiel, ließen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen. Unterwegs mussten wir zwei kleine Bäche überqueren. Im Sonnenlicht war das Warnschild mit den Cocodrilos nicht sehr beunruhigend, zumal die Ticos mit ihren Kindern unbesorgt durch das Wasser wateten. Überhaupt finde ich den Begriff Cocodrilos ziemlich drollig; das klingt wie eine Mischung aus Kokosnuss und Espandrillos.

Dann ging um 18:00 Uhr die Sonne unter und wir hatten ein paar unbeschreiblich schöne Momente auf der Landzunge. Die warme Abendsonne zauberte eine wunderbare Stimmung auf die Landschaft und das in den Bergen tobende Gewitter.


Als die Sonne fast verschwunden war, machten wir uns gemütlich auf den Rückweg. Wir wunderten uns, warum die einheimischen Familien so schnell verschwanden, aber das wurde uns sehr bald klar: Um 18:15 sah es hier nämlich so aus:

Die Taschenlampe unserer Handys saugte den Akku verblüffend schnell leer und irgendwann waren wir uns nicht mehr sicher, ob wir schon die beiden Bäche überquert hatten oder nicht. Als es im Unterholz raschelte, musste ich an die Cocodrilos denken und fand das irgendwie gar nicht mehr drollig. Irgendwo mussten wir durch den Streifen Dschungel zurück in den Ort, nur wo? Es war so pechschwarz, dass man den winzigen Stichweg nicht erkennen konnte. Die Nacht am Strand zu verbringen war keine Option, denn das Gewitter rückte näher und die Flut eroberte sich langsam aber sicher den Strand zurück.
Als die Panik sich langsam näher schlich, und ich mich schon um unser pura vida – unser nacktes Überleben sorgte, sahen wir ein Licht am Rand des Dschungels. Ein letzter Tico packte dort seine Sachen zusammen. Ich kramte meine kümmerlichen Spanischbrocken heraus und fragte ihn: „Donde esta el uscita?“
Er zuckte nur verständnislos mit den Schultern und überschüttete mich mit einem Schwall spanischer Wörter. Was war denn daran so schwer zu verstehen, dachte ich. „Uscita? Exit? Wo geht’s hier raus?“, wiederholte ich.
Da schien er endlich zu verstehen. „Ah, salida?“, fragte er und zeigte uns die Richtung. Salida, uscita, mir doch egal, Hauptsache endlich raus aus dieser Dunkelkammer. Nur wenige Meter weiter war tatsächlich der Weg zum Ausgang und wir kamen wohlbehalten in unserer Hütte an.
Am nächsten Morgen nahmen wir unser Frühstück im Flutterby House, das von zwei jungen Amerikanerinnen als nachhaltiges Öko-Hostel geführt wird. Hier gibt es kein Plastik, sondern Glas und Strohhalme aus Bambus, das Abwasser wird in einer eigenen Bioreinigungsanlage gesäubert und nebenbei gibt es hier ausgezeichnetes Essen und eine tolle Stimmung.

Wer möchte, kann sich kostenlos zum Frühstück eine herrlich reife Banane von der Staude nehmen. Am Nachbartisch hatte das ein schwäbisches Pärchen ebenfalls entdeckt.
„Du, schau amol, die hend hiar koschdelose Banane. Ho, da mach i mer mei Rucksäggle glei amole voll“, raunte der Mann zu seiner Frau. „Gang du scho amole zom zahle, i komm denn nach“. Sprachs und stopfte unter den irritierten Blicken der anderen Gäste so viele Bananen in seinen Rucksack, dass er kaum noch zuging. Es gibt Erinnerungen an die Heimat, die braucht man auf Reisen einfach nicht.
Während die SinnlosReisende bezahlte, wollte ich noch unbedingt das wasserlose Männerurinal ausprobieren und folgte den Wegweisern. Das Pissoir sah zwar etwas eigenartig aus, aber man konnte sehr bequem reinstrullern und es gab tatsächlich keine Spülung. Als ich gerade den Raum verlassen wollte, kam eine Angestellte mit einem Wäschekorb herein. Ich hatte die falsche Tür genommen und aus Versehen in den Waschtrog uriniert. Als wütendes spanisches Geschrei aus dem Waschraum ertönte, verließ ich das Restaurant unauffällig, aber zügig. Sorry!
Der Rückweg
Auf dem Weg zurück nach San Jose kamen wir durch unwirkliche Landschaften. Am Übergang zwischen Tropenwald und Wüste suchten die Rinder Schatten unter den Palmen. Außerdem: Verliebte Kühe, urzeitliche Echsen, blühende Riesenpflanzen und blaue Krabben. Pura vida, wohin das Auge blickt.





Unsere letzte Etappe führte uns nochmal auf einen Vulkan. Der Krater des Irazu kann mit seiner Höhe durchaus mit den Schweizer Alpen mithalten. Seine blaue Farbe kommt von den Cyanobakterien, die als einzige in der säurehaltigen Brühe überleben können.


Eines wird mir beim Schreiben dieser Zeilen klar: Das war definitiv nicht unser letzter Besuch in diesem wunderschönen Land mit seinen sympathischen Bewohnern. Costa Rica – Pura Vida!
Tolle Bilder und schön geschrieben – pura alegria.
Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir.
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Danke! Dir auch ein schönes Wochenende! Endlich Sommer…
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Was für eine Geschichte. Es gab Momente, da habe ich dich schon im Magen eines dieser putzigen Cocodrillos verschwinden sehen…
Du hast der Wäschefrau nicht wirklich in den Waschtrog gepinkelt? Oh je… Wenn ihr das Land nochmal besucht, dann vielleicht eine andere Lodge 😉
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Zum Glück haben uns die Cocodrilos in Ruhe gelassen, aber im Dunkeln kommen einem manchmal solche Gedanken.
Die Episode mit dem Wäschetrog ist nur in meiner Fantasie passiert 😂😂. Wer mich kennt, traut es mir aber zu😇.
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Achso… 🙂 da bin ich aber erleichtert. Tja, auch wer dich digital kennt, traut es dir zu, wie du sehen kannst 😉
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Hm, ich muss wohl an meinem Image arbeiten…
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BITTE NICHT, bloß nicht 😉
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Wundervolle Bilder 😍! Habe beim Lesen gestaunt und zweimal laut gelacht (Gratis Bananen & Pinkel-Story). Liebe Grüße aus Südindien Irène
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Danke! Ein bisschen Spaß gehört dazu 😂
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Ich liebe dieses Land…….let’s go!
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Deal!
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Die Schwester meiner Schwägerin lebt in costa Roca. Hab auch schon viel schönes gehört. Werde sicher auch noch hinfliegen. Grüssle Gabi
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Hallo Gabi,
mit lokalen Insidern ist das natürlich gleich nochmal besser. Wir sind bestimmt auch nicht das letzte Mal dort gewesen..
Viele Grüße
Marco
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Cool, Danke für die Geschichte.
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Es war mir ein Vergnügen 😂.
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Oh Mann, wenn ich das so lese, kriege ich auch beste Lust, mal wieder nach Costa Rica zu reisen. Besonders den Nationalpark Marina Ballena haben wir einfach geliebt. Und Corcovado steht noch aus. Geht eigentlich gar nicht… 😉
Danke fürs Mitnehmen und Erinnerungen wecken!
Liebe Grüße
Angela
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Oh ja, das verstehe ich gut. Beim Schreiben musste ich auch immer wieder schlucken. Und dann stelle ich mir die Frage, warum ich im November im kalten grauen Deutschland bin 😫
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Wow! Ich habe ja schon einige Vulkane bestiegen, aber dieser schlägt dem Vulkanfass den Boden aus!
Und ich habe gelernt, dass ein Bambusbäumchen ein super Geschenk für Menschen ist, die man nicht ganz so gerne hat.
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😂😂😂Ja, tolles Geschenk zu Weihnachten. Und an Ostern muss der Beschenkte dann umziehen weil sein Garten unbewohnbar wurde…
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