Einreiseformalitäten

Für die Erstellung dieses „Visum on arrival“ werden am Flughafen von Siem Reap fünfzehn uniformierte Beamte benötigt. Der Erste zeigt den Einreisewilligen wo sie sich anstellen sollen, nämlich genau dort, wo alle anderen auch schon in einer Schlange stehen. Der Zweite nimmt Reisepass und biometrisches Passfoto (zwingend erforderlich, denn ohne kommt man laut offizieller Regierungs-Webseite nicht ins Land) entgegen und reicht sie an den Dritten weiter, der das doch nicht benötigte Passfoto wieder zurück gibt.
Der Vierte kassiert 30 $ Bearbeitungsgebühr, die der Fünfte in eine Kasse legt, was der Sechste im Kassenbuch vermerkt. Der Siebte kontrolliert den Eintrag im Kassenbuch, der Achte erstellt das Visum, das der Neunte in den Reisepass einklebt und der Zehnte im Pass festtackert. Doppelt hält besser, das wusste schon meine Oma.
Der Elfte haut den Stempel rein und dann unterschreibt der Zwölfte. Der Dreizehnte ruft die Besitzer der fertigen Pässe auf, die man abholen kann, falls man seinen Namen auf kambodschanisch versteht. Der Vierzehnte passt auf, dass niemand über die ganze surreale Prozedur lacht oder gar an der Warteschlange vorbei drängelt. Und dann geht es mit dem fertigen Pass zur Passkontrolle, wo der fünfzehnte Beamte Pass und Visum kontrolliert und die Einreise bestätigt.
Ist das effizient? Ist es sinnvoll? Frage nicht, Reisender! Bürokratie ist in jedem Land eine einzigartige Blume, deren Schönheit sich erst auf den zweiten Blick erschliesst. Wenn überhaupt. Immerhin sind hier fünfzehn Arbeitsplätze im klimatisierten Gebäude gesichert.
Tempel im Urwald

Lange rätselten die Historiker, warum im 10. Jahrhundert die Khmer mitten im Urwald unglaublich große und enorm weitläufige Steingebäude errichteten. Nun, ganz einfach, pass auf!
Bei jeder Waldputzete sammelten die Khmer die herumliegenden Steine auf. Und das waren ganz schön viele.

Als nach einigen Jahrzehnten die Steinhaufen immer größer wurden, wurde der Platz für die Menschen allmählich knapp. Da kamen sie auf die Idee, die Steine wenigstens hübsch aufzuschichten.

Einer meinte, weil es bei 38 Grad und 99 % Luftfeuchtigkeit eh nichts Besseres zu tun gäbe, könne man doch auch gleich Elefantenreliefs aus den Steinen machen.

Bald zogen sich kilometerlange Mauern mit Steinmosaiken durch den Dschungel.

Aber die Steine waren kaum weniger geworden. Also bauten die Khmer noch ein paar Tempel. Und wegen der optischen Wirkung legten sie gleich noch ein paar künstliche Seen an. Es gab ja sonst nichts zu tun.

Dann veranstalteten sie einen Wettbewerb für Bildhauer. Dieses Arrangement zeigt einen Trupp grimmiger Bauarbeiter, die die lästigen Steine nachts im See versenken sollten.

Eine frühe Architektin der Khmer namens La Ra Croft entwarf einige Tempel, inspiriert von einem damals beliebten Brettspiel namens „Tomb Rai Der“. Damit die fertigen Gebäude nicht leer standen, ernannten sie ein paar Leute zu Priestern und König, damit jeder ein passendes Häuschen bekam.

Nur die Gärtner hatten sie vergessen, angemessen zu bezahlen. Das führte zu einem Pflegenotstand und viele Gebäude wurden bald wieder vom Urwald verschluckt.


Lange war auch unklar, warum das Reich der Khmer nach jahrhundertelanger Herrschaft in Süd-Ost-Asien plötzlich sang- und klanglos unterging. Ganz einfach: die Bevölkerung war irgendwann so groß geworden, dass die Versorgung mit Nutella zusammenbrach. Das führte zu einer Revolution und Aus die Maus.

Witzige Geschichte. Wir haben ähnliches erlebt bei der Immigration nach Vietnam.
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Danke! Ja, ich glaube, das findet man häufig. Schön, wenn man es mit Humor nehmen kann.
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Reisen macht dich erst sprachlos und dann zum Geschichtenerzähler …….
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So ist es. Erst verstopfen die vielen Eindrücke meine Gehirnwindungen, aber irgendwann muss der ganze Unsinn wieder raus.
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Wat denn, sagt der norddeutsche Reisende staunend vor Angkor. Doch die, die antworten könnten, sind nicht mehr hier, nicht erst Pol Pot hat sie vertrieben. Tempi passati…
Doch die Welt staunt weiter, einigermaßen sprachlos. Stonehenge oder Petersdom oder Angkor Wat – dafür haben die Menschen allezeit ihre gesamten Reserven mobilisiert. Allezeit, auch in nüchternen Zeiten?
Man schaue sich die Paläste und Burgen der Banken und Versicherungen an. Nicht, dass sie schöner sind, als Elefantenreliefs… aber an Angabe stehen sie den alten Glaubensfesten in nichts nach!
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