War es denn so schlimm, wirst du dich beim Lesen des Titels fragen. Nein, so schlimm war es nicht. Aber wir hatten auf unseren bisherigen Reisen schon so viel von Gran Canaria gesehen, dass ein weiterer Besuch eigentlich keinen Sinn machte. Über den sinnlosen Massentourismus in Maspalomas hatte ich mich schon ausgelassen und auch über die etwas abgelegenen Ecken habe ich hier und hier bereits berichtet. Und wir sind nun mal nicht die Reisetypen, die jedes Jahr das gleiche Ziel besuchen. Der einzige verbliebene Grund war das Wetter, das dort im Winter einfach eine sichere Bank ist. Aber zum Wetter komme ich noch.

Und dann gibt es ja immer noch die Dünen von Maspalomas, die man durchaus mehrmals durchwandern kann, denn wie bei Wanderdünen üblich, ändern sie ständig ihre Form und Position.

Insgesamt wandern die Dünen allmählich in Richtung Stadt und an manchen Stellen holt sich die Natur unwiderstehlich das zurück, was der Mensch ihr mühsam abgerungen hat.


Puerto Rico
Um dem Massentourismus in Playa del Ingles zu entgehen, machten wir einen Ausflug nach Puerto Rico. Unterwegs trafen wir auf Street Art in unterschiedlichen Ausprägungen.



Puerto Rico ist ein malerischer Ort mit einem tadellosen Sandstrand in einer kleinen, geschützten Bucht. Idyllisch gelegen in einem abgeschiedenen Tal im Westen der Insel. Soweit die Theorie.
Leider haben das die internationalen Hotelketten auch erkannt. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn sich touristische Infrastruktur unauffällig in die Landschaft integriert. Wenn überhaupt noch Landschaft übrig bleibt.

Die Höhlenbewohner von Gran Canaria
Im Barranco de Guayadeque lebten früher Menschen in Höhlen, die sie in das weiche Vulkangestein schlugen. Ein Museum zeigt anschaulich, wie dieses Leben war. Leiterbauer war damals ein Beruf mit Zukunft.

Bis heute leben einige Leute, die viel Wert auf Ruhe legen, in den Höhlen – allerdings inzwischen etwas aufgepeppt. Von außen sieht man meist nur eine Mauer, ein Dach oder einen Gemüsegarten, aber hinter der Tür verbergen sich Wohnungen mit mehreren Zimmern.


Das Mandelblütenfest von Tejeda
Das Dörfchen Tejeda liegt versteckt in den Bergen von Gran Canaria mit Blick auf den berühmten Roque Nublo. Wenn dann auch noch das Mandelblütenfest stattfindet, lohnt sich ein Ausflug, quasi ein Geheimtipp abseits der Touristenströme. Die Dorfbewohner krönen den schönsten Mandelbaum, verkaufen regionale Spezialitäten aus Mandeln und führen traditionelle Tänze auf.



Leider blieb der Geheimtipp mit dem Mandelblütenfest nicht geheim, vermutlich hatte ein Insider geplaudert. Social Engineering. Alles, was mindestens zwei Räder und einen Motor hatte, verstopfte die Straßen nach Tejeda.

Las Palmas de Gran Canaria
In unserer zweiten Ferienwoche zogen wir in die Hauptstadt Las Palmas de Gran Canaria. Ein bisschen Kultur schnuppern. Aber wirklich nur ein kleines bisschen:




In der Altstadt von Las Palmas findet man noch Häuser aus der Gründungszeit.




Im Hafen kann man Kreuzfahrtschiffe gucken. Es ist schon beeindruckend, wenn 4.000 Passagiere zeitgleich wie ein Tsunami durch die Gassen der Altstadt strömen.

Trotz angenehmen Temperaturen gibt es auch auf den Kanaren Weihnachtsmärkte mit heißen Maroni, aber ohne Glühwein.



Die heiligen drei Könige suchen vergeblich nach dem Kind in der Krippe. Vermutlich wurde es in einem unbeobachteten Moment von einem Flugsaurier gefressen.

Poema del Mar
Dann kam der Regen und wir griffen in die Kiste mit Schlechtwetterprogramm. Das Aquarium Poema del Mar zeigt einige außergewöhnliche Tierarten in überwiegend großzügig angelegten Becken.




Als ich in einem Glastunnel stand und den lauernden Haien von unten ins Maul schaute, musste ich unwillkürlich an Drucklasten, Korrosion und versprödende Kunststoffe denken. Ingenieurs-Krankheit.

Die gefährlichsten Räuber der Meere sind jedoch nicht die Haie. Das Aquarium zeigt in einem Hochsicherheitsbecken einige Exemplare der brutalsten Monster, die die Evolution hervorgebracht hat – die Seedrachen. Sie lassen sich perfekt getarnt wie ein Stück Seetang durch Garnelenschwärme treiben, bis ihnen eine unschuldige Garnele zu nahe kommt. Dann saugen sie ihr Opfer explosionsartig in ihren röhrenförmigen Schlund, so schnell, dass die anderen Tiere nichts von dieser Tragödie merken. Hätten sie durchgezählt, würden sie feststellen, dass einer fehlt. Aber Garnelen können nicht zählen. Da sieht man mal wieder, dass Mathe manchmal lebenswichtig ist.
Playa de las Canteras
Las Palmas de Gran Canaria hat einen erstklassigen Sandstrand mit drei Kilometern Länge zu bieten. Durch ein vorgelagertes Riff in Kombination mit dem Tidenhub von etwa zwei Metern ergeben sich hier zwei Szenarien: bei Ebbe hält das Riff die atlantischen Hochseewellen ab und es entsteht ein kindertauglicher Badestrand. Bei Flut wälzen die Wellen über das Riff und es herrschen ausgezeichnete Bedingungen für Wellenreiter. So wechselt im Lauf des Tages das Publikum. Und wer bei Ebbe seine Sachen am Strand ließ, um auf der Strandpromenade einen Cappuccino zu trinken, sucht bei Flut vergeblich seinen Platz.

Der riesige Sandstrand ist außerdem ideal für Paare. Viele Frauen kaufen ihrem Mann eine Schaufel und ein Eimerchen und können sich dann für den Rest des Urlaubs in Ruhe mit ihren Freundinnen unterhalten.

Ich hatte bereits erwähnt, dass das ganzjährig zuverlässig milde Wetter der letzte verbliebene Grund für uns war, einen Urlaub auf Gran Canaria zu verbringen. Das Wetter ist hier so stabil, dass ich nicht ein einziges Mal die Wetter-App checkte. Bis am Horizont dunkle Wolken aufzogen und der Wind auffrischte.

Wir zogen uns in unsere Ferienwohnung zurück, um das Wetterchen vorbeiziehen zu lassen. Der Wind hatte sich zu einem ordentlichen Sturm aufgeblasen, der den Regen fast waagrecht durch die Luft trieb. Regenschirme waren jetzt das falsche Mittel.

Von unserem Balkon im zweiten Stock hatten wir beste Sicht auf das Geschehen in der Straße, wo der Wind wie in einer Venturidüse beschleunigt wurde. Nacheinander flogen vorbei: ein Sonnenschirm, eine Blechabdeckung vom Nachbarhaus, ein Müllcontainer, ein Pudel und ein Kleinkind.
Bei diesem Wind wollten auch die Wellen zeigen, was sie drauf haben. Nachdem auf den Nachbarinseln mehrere Personen ins Meer gespült wurden, sperrten die Behörden die Strände. Allerdings formuliert der Spanier solche Verbote eher als Empfehlung:

Selbstverständlich lässt sich ein SinnlosReisender nicht von solch kleinlichen Empfehlungen ins Bockshorn jagen. Wozu gibt es Felsen, auf denen man die Absperrungen umgehen kann? Denn als Botschafter des sinnlosen Reisens muss man doch seiner Pflicht zur Dokumentation nachkommen, oder etwa nicht?

Fazit
Gran Canaria hat durchaus Einiges zu bieten. Nicht nur Hotelburgen für Pauschaltouristen, sondern auch Unterkünfte für Individualreisende und beste Bedingungen für Auswanderer. Neben tollen Stränden und mildem Wetter (zumindest meistens) bietet die Insel etliche lohnende Ausflugsziele. Wir haben nun allerdings genug gesehen und werden uns wohl beim nächsten Mal auf einer anderen Insel umschauen.
Bis dann, euer SinnlosReisender Marco
Die Gedanken im Haifischtunnel sind gar nicht so abwegig. In Berlin ist uns ja ein Plexiglas-Aquarium um die Ohren geflogen.
Da fällt mir ein: Wettschulden! Hatte vor knapp 40 Jahren in einer Einheimischenkneipe dort das Spiel Bor. Mönchengladbach (keine Ähnlichkeit mit dem akt. Tabellenletzten) gegen Real Madrid verfolgt. Und locker die Wette gehalten, dass die Spanier nach einem 1:5 nicht die nächste Runde packen.Haben aber das Rückspiel 4null gewonnen.Verdammt, da wartet jetzt einer auf ein Bier…. Grüße!
Jetzt hast mich neugierig gemacht …
Guten Morgen, Marco
Wie immer sehr kurzweilig zu lesen, ich hatte auch dieses mal wieder meine Freude dabei. In zwei Punkten muß ich Dir allerdings widersprechen. Bei der Gefährlichkeit von MeeresRäubern und der Brutalität von SeeMonstern seh ich in beiden Fällen den Menschen klar an der Spitze. Sogar mit großem Vorsprung….
Aber zum Glück sind wir ja nicht alle so. Auch dafür gibt es unzählige Beweise, wenn auch leider oft im Verborgenen.
Weiter so, und viele Grüße
Karsten