USA 11: New York City

Im letzten Teil meiner USA-Serie berichte ich über unseren Besuch in New York. Mit Toilettentips und Börsenweisheiten.

Manhattan ist so vollgestopft mit Sehenswürdigkeiten, dass man einfach ziellos irgendwo hingehen könnte und man findet immer etwas Interessantes. Da man sich in dieser Stadt aber auch leicht verlieren kann, ist es eine gute Idee, sich erstmal einen Überblick von oben zu verschaffen.

Top of the Rock

Wir entschieden uns für das Rockefeller Center mit seinen Aussichtsplattformen im 70. Stock. Der Komplex ist eine Stadt in der Stadt und umfasst drei Straßenblocks. In den 19 Hochhäusern sind unter anderem die legendäre Radio City Music Hall und der Lego Store untergebracht.

Im Rockefeller Center
Rockefeller City im Modell
Taxi aus Lego
Lego a la New York

Das Gebäude-Ensemble wurde von John D. Rockefeller, einem der reichsten Menschen seiner Zeit, im Art-Deco-Stil mitten in der Weltwirtschaftskrise erbaut. In der Eingangshalle zeugen Gemälde von abenteuerlichen Baumethoden. Offensichtlich wurden auch griechische Facharbeiter angeworben, was die relativ kurze Bauzeit von knapp 10 Jahren erklärt.

Herkules als Gastarbeiter

Beim Bau dieser Wolkenkratzer entstand das berühmte Foto „Lunch atop a Skyscraper“, das Bauarbeiter in schwindelerregender Höhe bei der Mittagspause zeigt.

Gemälde Lunch atop a skyscraper
Die legendäre Mittagspause

Ich kann allerdings den Hype um dieses Foto nicht ganz nachvollziehen. In unserer Familie ist es völlig alltäglich, seine Snacks in luftiger Höhe einzunehmen.

SiinlosReisender und Enkelin essen im 80. Stock
Lunch bei Familie SinnlosReisen

Nach einer kleinen Videoshow im Foyer des Rockefeller Centers ging es endlich hinauf zum Top of the Rock.

Wolkenkratzer Rockefeller Center
Blick von unten
Blick vom Rockefeller Center auf St. Patricks
Blick von oben

Die Aussichten sind einfach nur unbeschreiblich beeindruckend. Als wir uns satt gesehen hatten, machten wir uns auf den Weg, um die Stadt zu erkunden.

Grand Central Terminal

Das Bahnhofsviertel ist in den meisten Städten eine hässliche Problemzone. Beim Grand Central Terminal in New York gilt das Gegenteil, unter anderem weil alle Gleise unsichtbar unter der Erde verlaufen. Die großzügige Haupthalle mit ihrem grün bemalten Sternenhimmel ist ein architektonisches Meisterwerk. Grand Central ist der Bahnhof mit den meisten Gleisen weltweit und das meistbesuchte Gebäude New Yorks. Trotzdem strahlt er eine erstaunliche Ruhe aus.

Grand Central Station New York
Grand Central Terminal – Bahnhof mit Stil

Das Nobelhotel Waldorf Astoria liegt direkt neben dem Bahnhof, Kostenpunkt 88 $ pro Person. Für das Frühstück. Eine Übernachtung kostet etwa 1.600 $, was unser Budget leider knapp überstieg. Da Diskretion hier groß geschrieben wird, hat das Hotel ein eigenes Gleis mit direktem unterirdischem Zugang. Bei Verspätungen kann sich der Snob in der Oyster Bar mit Austern und Champagner die Wartezeit verkürzen.

MoMA – Museum of Modern Art

Wer hier schon länger mitliest, weiß von meinem leicht getrübten Verhältnis zur Kunst im Allgemeinen und zur modernen Kunst im Besonderen. Aber wenn man schon mal in New York ist, kommt man an einem Besuch in einem der weltberühmten Museen nicht vorbei. Wir entschieden uns für das MoMA, trotz einer diffusen Skepsis. Aber man soll ja immer offen sein für neue Erfahrungen.

Was soll ich sagen, wir fanden etliche beeindruckende Meisterwerke der alten Pinselschwinger Picasso, Matisse, Monet und van Gogh. Der Besuch ist unbedingt lohnenswert, allerdings gibt es einen Punkt Abzug. Denn leider standen einige Sachen im Weg herum, die wohl aus Versehen im Museum abgestellt wurden. Man kennt das ja vom Paketdienst, der manchmal eine Lieferung beim Nachbarn ablegt.

Blech im Moma
Eine Lieferung Stahlblech mit Flugrost

Das Beste an unserem Besuch im MoMA war, die anderen Besucher dabei zu beobachten, wie sie diese Fehllieferungen bestaunten, als wäre es echte Kunst. „Look, it’s awesome, isn’t it?“

Rote Wand im MOma
Barnett Newman. Vir Heroicus Sublimis. 1951

Nein, es ist nicht awesome, es ist nur eine Rigipsplatte aus dem Baumarkt, die Jemand rot angestrichen hat. Ich kann dir das in einer Stunde basteln, und zwar ohne die störenden Striche.

Gekritzel im MOma
Sinnloses Gekritzel. Meine Enkelkinder sind schon weiter.
Besucher vor Kunst im Moma
Du kannst noch so lange drauf starren, du wirst es nicht verstehen!

Bei so viel sinnbefreiten Sehens-Unwürdigkeiten freut man sich schon, wenn ein Werk ordentlich beschriftet ist. Allerdings sind die Winkelangaben nicht normgerecht und der Fettwinkel beträgt niemals 21 Grad, wenn man mich fragt. Aber mich hat niemand gefragt.

Beuys im Moma
Deutsche Maßarbeit: Joseph Beuys

Wenigstens gab es in der Abteilung für zeitgenössisches Produktdesign etwas zum Knabbern. Diesen Service sollte man in deutschen Museen auch einführen, schließlich bezahlt man ja auch ordentlich Eintritt.

Smarties im Moma
Endlich etwas Sinnvolles

Als der Alarm losging, schluckte ich schnell die Smarties runter und begab mich in den Nebenraum. Dort wurden verfilzte Kuscheltierklumpen ausgestellt. Angeblich ist auch das Kunst. Frag nicht!

Stofftierknuddel im Moma
Wenn Kuscheltiere zu lange ungewaschen bleiben, kleben sie aneinander
Tigerklumpen im Moma
Schwebender Tigerklumpen

Wir verließen das MoMa leicht verstört und widmeten uns der Straßenkunst, mit der ich wesentlich mehr anfangen konnte.

Paparazzi Dogman and Paparazzi Rabbitgirl
Paparazzi Dogman und Paparazzi Rabbitgirl
Kunst-Stück

Hudson Yards und The Edge

Zu den Hudson Yards liefen wir über den High Line Park, der auf einer stillgelegten oberirdischen Metrotrasse angelegt wurde. Der Park bietet interessante Einblicke in die Hinterhöfe New Yorks.

Kunst vor dem Fenster
Skelett an Hauswand
Wenn du in Urlaub fährst, dann vergiss nicht dein Kind auf dem Balkon!
Hinterhofkunst
Riesentaube
Man soll Tauben nicht füttern…

Die Hudson Yards sind ein Hochhauskomplex, der erst vor wenigen Jahren erbaut wurde. Hier scheinen die Glasfassaden bis in den Himmel zu ragen.

The Edge
Nackenstarre

Und mittendrin, ganz verloren zwischen den eleganten Wolkenkratzern trotzt ein Winzling eisern dem Wandel der Zeit. Stadtentwickler und Investoren bekommen beim Anblick spontanen Juckreiz.

Kleines Haus vor Wolkenkratzern
Der kleine Anarchist

Hier befindet sich auch ein architektonischer Leckerbissen, The Vessel. Es handelt sich um eine wunderschöne bronzefarbene, aber leider völlig sinnlose Treppe, die nirgends hinführt. Das Betreten kostet für normale Besucher 10 $ Eintritt. Wenn man als sportliche Erfrischung im Rahmen eines Fitnesskurses die Treppen rauf und runter rennen will, kostet es 55 $. Diese Logik verstehe ich nicht, denn wer unbedingt seine Energie hier verschwenden will, kann doch einfach eine normale Eintrittskarte lösen und trotzdem laufen.

The Vessel
The Vessel

The Edge ist ein Wolkenkratzer, der im 100. Stockwerk eine freitragende Plattform mit Glasboden und nach außen geneigten Glaswänden besitzt. Ich habe großen Respekt vor der Kreativität von Architekten. Aber ein bisschen Ahnung von Statik habe ich auch. Deshalb (und weil an diesem Tag im April ein ziemlich giftiger Eiswind über New York pfiff) entschieden wir uns gegen einen Besuch dieser Aussichtsplattform.

The Edge
Architektonischer Leichtsinn

Die Wolkenkratzer ziehen den Blick nach oben, aber in New York ist auch unter der Erde einiges los. Der Blick vom Hudson River offenbart, dass der ganze Hudson-Komplex keineswegs auf nacktem Fels steht, sondern auf einem Abstellbahnhof der Metro erbaut wurde. Die Kunst des Hochbaus in Vollendung.

U-Bahn-Bahnhof unter the Edge
Auf Schienen gebaut

Mit der Metro unterwegs

Die U-Bahn von New York fährt nonstop das ganze Jahr durch, auch nachts ohne Pause. Es gäbe gar nicht genug Abstellplätze für die 6.500 Züge, also müssen sie immer schön in Bewegung bleiben. Hier werden pro Jahr knapp zwei Milliarden Fahrgäste über die 380 Streckenkilometer auf dem wohl komplexesten Netz der Welt befördert.

Map of MTA New York
Die Metro von New York (Ausschnitt)

Auf den farbigen Strecken fahren jeweils mehrere Linien, manche davon als Expresszug, andere als Local Train. Die Locals halten an allen Bahnhöfen, der Express hält nur an den weißen Stationen. Das ändert sich aber im Lauf des Tages je nach Auslastung und Fahrtrichtung. Wer da nicht höllisch aufpasst, sieht seinen Zielbahnhof als Schemen am Fenster vorbeirauschen. Über das Ziel hinausgeschossen. Damit dieses System funktioniert, haben die Expresszüge eine Überholspur.

Metro of New York
Metro mit Überholspur

Mit einem Einzelticket für 2,90 $ kann man so lange und so weit fahren, wie man möchte, inklusive Umstieg auf andere Linien. Und das Beste: mit dem neuen System OMNY (Werbeslogan: just swipe!) braucht man gar kein Ticket mehr, sondern man legt einfach ohne Anmeldung oder Registrierung seine Kreditkarte oder sein Handy am Drehkreuz auf und fertig. Das System zählt dann die Fahrten und berechnet automatisch den günstigsten Preis. Das ist genial.

Unsere Kreditkarten wurden beim ersten Swipe mit einem hässlichen lauten Ton und einem rot blinkenden „Rejected“ abgelehnt, genauso Google Pay. Also lösten wir am Automat doch wieder ein Ticket. Beim zweiten Versuch wurde die Kreditkarte dann akzeptiert, wahrscheinlich musste die Bank erst etwas verifizieren. Ab der dritten Fahrt wurden unsere Kreditkarten kategorisch disqualifiziert. Am nächsten Tag wurden sie sogar vom Ticketautomat zurückgewiesen. Aber als erfahrene Reisende waren wir auf solche Situationen bestens vorbereitet und kramten zuversichtlich unsere Bargeldreserven aus dem Bauchgürtel hervor. Der nagelneue 20$-Schein wurde allerdings abgelehnt, weil der Automat zu wenig Wechselgeld hatte.

Als wir genügend Münzen für die Tickets zusammen hatten, nahmen wir die Bronx Express Line. Auf dieser Linie spielt der Hollywoodfilm „Die Todesfahrt der U-Bahn 123“, den ich allen Lesern empfehle, die sich beim Metro-Fahren langweilen.

Unser Hotel lag in der Bronx, dem Viertel, in das sich in den Achtzigerjahren nicht einmal die Polizei traute, so groß war damals die Kriminalität. Diese Zeiten sind vorbei, aber trotzdem kamen mir komische Gedanken, als ich feststellte, dass wir irgendwann die einzigen Fahrgäste mit weißer Hautfarbe im ganzen Zug waren. Allerdings bestand zu keiner Zeit Gefahr, weil wir so eng gedrängt standen, dass kriminelle oder sonstige Machenschaften schlichtweg unmöglich waren.

Downtown

New York gilt als die Stadt, die niemals schläft. Auch der SinnlosReisende schlief schlecht, wegen einer Mischung aus Jetlag und nächtlichem Lärm. Als ich eine Weile wach lag, hatte ich so ein eigenartiges Deja Vu-Gefühl, als ob mir das alles bekannt war obwohl ich hier noch nie gewesen bin. Nach einiger Zeit wurde mir klar, woran das lag: diese typische Geräuschkulisse mit ihrem Gemisch aus Polizeisirenen, Autohupen und Müllautos kennt man aus zahlreichen Kinofilmen, die in New York spielen.

Am nächsten Tag eroberten wir vom Times Square aus die Südspitze Manhattans.

Times Square
Times Square, die größte Reklametafel der Welt

New York ist alles andere als preiswert, aber es gibt zwei Dinge, die nichts kosten. Das eine ist das Recht auf kostenlose Toilettenbenutzung in den Hotels der Stadt. Und das ist ein gewaltiger Pluspunkt, wenn mit zunehmendem Alter die Blase hyperaktiv wird. Während man sich in anderen Ländern heimlich am Portier vorbei zu den Toiletten schleichen muss, kann man hier ganz ungeniert im Hilton stilvoll in die Marmorschüsseln pinkeln.

Ebenfalls kostenlos ist die Benutzung der Staten Island Ferry, die von der Südspitze Manhattans ablegt. Das ist eine gute Gelegenheit, sich im Großstadttrubel für eine halbe Stunde auszuruhen. Und nebenbei kann man wunderschöne Aussichten auf die Skyline und die Freiheitsstatue genießen.

Skyline Manhattan von der Fähre aus
Blick auf Manhattan von der Fähre
Freiheitsstatue
Einsame Kämpferin für die Freiheit
Kleines Haus vor Wolkenkratzern
Klein gegen Groß

Hier im Süden Manhattans befindet sich der Ort der größten Sinnlosigkeit überhaupt: der feige Anschlag auf das World Trade Center kostete Tausende unschuldige Menschenleben. Inzwischen stehen auf dem Areal neue Wolkenkratzer, aber der Standort der beiden WTC-Türme wurde als mahnendes Loch freigehalten.

Ground Zero
Ground Zero
One World Center
Der Neue
Innenraum des September 11 Memorial and Museum
September 11 Memorial and Museum

Der Platz um das Mahnmal wirkte mit seiner modernen Architektur etwas steril auf mich. Immerhin gibt es einen Spielplatz, der auch für Kinder geeignet ist, die sich als Oktopus oder Elefant lesen.

Skulptur am Ground Zero
Multi-Kulti-Spielplatz

Wall Street

Da wir nun schon mal in New York waren, wollte ich unbedingt an der Wall Street nachschauen, wie es unseren Aktien geht. Diese empfindlichen Geldanlagen wollen ja immer wieder gestreichelt werden und immerhin hatten sie etwas Zuwendung verdient, nachdem sie im letzten Jahr fleißig waren und einen satten Gewinn eingefahren hatten.

New York Stock Exchange
New York Stock Exchange in der Wall Street

Leider war der Zugang zur Börse komplett abgeriegelt, die ganze Wall Street war von Polizeikräften gesichert und überall standen Kamerateams herum. Irgendetwas war wohl passiert. Und kurz darauf ploppte eine Eilmeldung auf meinem Handy auf:

„Blutbad an der Wall Street – Broker in Panik!“

Ich dachte erst, wir wären einem der üblichen Amokläufer knapp entronnen, aber bei genauerem Lesen stellte sich die Lage ganz anders dar: eine Zollankündigung aus dem Weißen Haus ließ die Kurse ins Bodenlose stürzen. Unsere Gewinne hatten sich innerhalb weniger Tage in ein Rauchwölkchen aufgelöst. Thank you, Mr. President!

Eine alte Börsenweisheit sagt: „Dein Geld ist nicht weg, es gehört jetzt nur Jemand anderem“. Tröstet mich das? Nein, nicht wirklich.

Hier im Financial District sieht man immer wieder Gruppen von Börsenmaklern, die sich nach Feierabend ein Bierchen gönnen und sich über die neusten Trends austauschen.

Skulptur: Tisch mit großen Tieren beim Feierabendbier
Die großen Tiere treffen sich zum Feierabendbier

Als alter Börsenhase verrate ich dir gerne (und kostenlos) einen idiotensicheren Trick, wie du garantiert in kurzer Zeit an der Börse ein kleines Vermögen machen kannst. Das geht nämlich ganz einfach: beginne mit einem großen Vermögen!

Fazit

New York muss man einfach gesehen haben, denn die Stadt ist ein eigenes Universum und hat mit dem Rest der Vereinigten Staaten nicht viel Ähnlichkeit. Die legendären Wolkenkratzer und das flirrende Lebensgefühl ergeben eine einzigartige Mischung, die man gerne auch mehrmals erleben kann.

So, das war der letzte Teil meiner Beitragsserie über die USA. Ein tolles Land mit vielen Superlativen, wahnsinnig beeindruckenden Landschaften, netten Menschen und vibrierenden Städten.

Eigentlich gibt es DIE „Vereinigten Staaten von Amerika“ gar nicht als Einheit, die man mit wenigen Worten beschreiben könnte. Jede Region ist anders. Das fruchtbare Kalifornien hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem Wüstenstaat Nevada und der Unterschied zwischen New York und New Orleans ist riesig. Es gibt hier extrem spießige, konservative Menschen und absolut weltoffene, innovative Leute. Und Freaks aller Art. Und das hat uns vielleicht am Besten gefallen – dass hier jeder machen kann, was er will und Niemand stört sich daran.

Unser Fazit zu den USA: ein wunderschönes, vielseitiges Urlaubsland, das wir erst dann wieder besuchen werden, wenn sich die politische Lage normalisiert hat.

Mann mit Amerikaflagge geht
Good Bye America
Avatar von Unbekannt

Autor: sinnlosreisen

Geschichten über die lustige Seite des Urlaubs

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