USA 10: Florida, Sunshine State

Mit dem Regenponcho durch den Sonnenstaat

Florida ist ein Synonym für endlose Sandstrände, klares türkisfarbenes Wasser, blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Der Bundesstaat brüstet sich mit dem inoffiziellen Titel „Sunshine State“. Nicht ganz zu unrecht, immerhin wurde hier die erste Sonnencreme erfunden. Es gibt hier Orte, in denen 361 Sonnentage gezählt wurden. Die vier restlichen Tage fielen in unseren Urlaub, denn der subtropische Sturm Alberto hatte sich zwar entgegen allen Vorhersagen nicht zu einem Hurrikan ausgewachsen. Aber es reichte für ziemlich viel Regen.

Regen stürzt von einer Brücke
Pouring down

Miami

Ich wollte schon immer Pamela Anderson aus Baywatch besuchen, die am Miami Beach zahlreiche Ertrinkende rettete und mit ihren roten Badeanzügen unzählige pubertierende Jungs um den Nachtschlaf brachte. Aber die Enttäuschung war riesig; Pamela hatte wegen Schlechtwetter dienstfrei.

Miami Beach bei Regen
Miami Beach

Alberto hatte sich beharrlich an der Küste Floridas festgekrallt. Das graubraune Wasser war aufgewühlt und die Sonne wurde ständig von Regenwolken verdeckt. Wir stellten unseren Mietwagen für eine halbe Stunde in einem Parkhaus unter, was uns vierzig Dollar kostete. Pauschaler Tagespreis, leider erst bei der Ausfahrt zu erkennen. Fck!

Wir hatten bei der Reiseplanung nicht mit Regen gerechnet. Aber SinnlosReisende haben immer einen Regenponcho für den Notfall im Gepäck. Der Poncho freute sich riesig, dass er nach so vielen Reisen endlich zum Einsatz kam. Auf unserer Seite war die Freude nicht ganz so riesig, denn wir hatten aus Versehen eine Kindergröße eingepackt.

SinnlosReisender im Kinderponcho am Miami Beach
Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung. Ha ha ha.

In Florida leben nur zwei Sorten von Menschen. Diejenigen, die die Schäden an ihrem Haus vom letzten Hurrikan reparieren und diejenigen, die ihr Haus auf den nächsten Hurrikan vorbereiten. Es war noch kein halbes Jahr her, dass der lupenreine Kategorie-5-Hurrikan mit dem harmlosen Namen „Irma“ Schäden in Höhe von 300 Milliarden $ verursacht hatte.

Satellitenfoto Hurrikan Irma
Hurrikan im Dreierpack: Katia, Irma und Jose

Die Florida Keys

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug auf die Keys, eine Inselkette an der Südspitze Floridas, die ursprünglich nur mit Schiffen erreichbar war. Da Amerikaner es überhaupt nicht leiden können, wenn die Natur ihnen Grenzen setzt, bauten sie eine 180 Kilometer lange Straße ins Meer.

Karte von den Florida Keys
Die Straße im Meer

Waghalsige Brücken führen von Insel zu Insel bis nach Key West, dem südlichsten Punkt des amerikanischen Festlandes. Man konnte ahnen, wie schön es hier wäre, wenn nicht gerade ein tropischer Sturm sein Unwesen trieb.

Straße nach Key West im Sturm
This is the road to hell (Chris Rea)
Southernmost point USA
Key West: am allersüdlichsten

Zwischen den Regenschauern setzte sich immer wieder die Sonne durch und wir bummelten bei tropischer Hitze durch die Duval Street in Key West. Dann machten wir einen Abstecher zum Smather Beach, denn so leicht lässt sich ein SinnlosReisender nicht vom Wetter unterkriegen.

Strand
Strand, geht doch!
Einzelner Badender am Strand
Einsamer Strandbesucher

Die Everglades

Auf dem Weg nach Naples fuhren wir durch die Everglades, eine faszinierende Sumpflandschaft.

Sumpf in den Everglades
Everglades

Wer hier von der Straße abkommt, kann sich leicht im Sumpf festfahren. Und dann dauert es unter Umständen lange, bis man gefunden wird.

Verrosteter Oldtimer mit Puppe
Warten auf den Pannendienst

Wir verließen den Highway 42 und fuhren auf der Loop Road direkt durch die unberührte Natur. Allerlei Vögel tummelten sich in den dichten Wäldern und direkt am Straßenrand sahen wir Schildkröten und meterlange Schlangen.

Geier wartet auf Opfer
Mal sehen, was der Highway heute so hergibt
Schlange mit herausquellenden Innereien
Lecker, eine überfahrene Schlange
Schildkröte überquert die Straße
Vorsicht beim Überqueren der Straße

Als meine Blase auf Erleichterung drängte, hielten wir am Straßenrand. Ich stellte mich gerade auf der gegenüberliegenden Straßenseite breitbeinig an einen Baum, als ich im Gras eine Bewegung wahrnahm. Wusstest du, dass ein durchschnittlich trainierter Mensch nur zwei Sekunden braucht, um eine Straße zu überqueren, eine Autotür zu öffnen und in ein Fahrzeug zu hechten?

Alligatoren am Straßenrand
Was liegt denn da am Straßenrand?
Alligator im Gras
Warten aufs Mittagessen

Die Everglades sind die einzige Region der Erde, in der Alligatoren und Krokodile in friedlicher Koexistenz leben. Es ist beruhigend, dass diese Tiere sich so gut vertragen. Es macht aber für die anderen Bewohner dieser Gegend keinen großen Unterschied, von wem sie gefressen werden.

Alligator wartet im Wasser
Ich bin harmlos, komm nur rein!

Naples

Direkt neben Marco Island (kein Witz!) liegt Naples. Der Ort dient vielen vermögenden amerikanischen Rentnern zum Überwintern und besitzt mehr Golfplätze als Kinderspielplätze. Ein Stadtzentrum sucht man vergeblich, die Wohngebiete ziehen sich unendlich weit Block für Block in rechtwinkliger Ordnung, ohne dass man eine gewachsene Struktur erkennen könnte. Aber es gibt hier tolle Strände mit beeindruckenden Sonnenuntergängen. Wenn die Sonne scheint.

Bunte Stühle am STtand
In der ersten Reihe

Wegen der Nähe zu den Everglades werden hier die Pools ständig auf Alligatoren oder Schlangen kontrolliert. Wir entdeckten trotzdem eine vielfältige Tierwelt.

Grüner Leguan am Pool
Bunt
Fisch im Swiming pool
Poolbewohner

Es gibt im Stadtgebiet von Naples eine verblüffend große Auswahl an Kirchen, denn sein Seelenheil will der Amerikaner nicht in die falschen Hände legen:

  • die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage
  • die Immaculate Heart of Mary Catholic Church
  • die St. Davids Episcopal Church
  • die Methodisten
  • die First Assembly of God
  • die First Southern Baptist Church
  • die Nazarene Church
  • die Zeugen Jehovas
  • die Shephard in the Desert Lutheran Church
  • die Siebenten-Tags-Adventisten
  • die Lakewood Church
  • die Southern Christian Church
  • die South-East Christian Church
  • die Elevation Church
  • die Church of the Valley
  • diverse Sekten wie Scientology

und natürlich die Klassiker: Katholiken, Evangelische, Moslems, Hindus und Buddhisten.

Die größeren dieser Kirchen betreiben eigene Fernsehsender und empfangen jeden Sonntag 30.000 Besucher zum Gottesdienst. Dort wird eine professionelle Show geboten, mit einer Technik, auf die manche Rockband neidisch wäre. Da diese Megachurches immer mehr Einfluss auf die Politik nehmen, stehen sie inzwischen im Visier der Geheimdienste.

Sanibel Island

Am nächsten Tag stand ein Ausflug nach Sanibel Island an. Ich spürte auf dieser Insel einen ständigen Unterdruck an meiner Kreditkarte saugen. Die einzige Brücke auf die Insel kostete schon 6 $ Straßenbenutzungsgebühr. Eine halbe Stunde parken an einem mickrigen Badestrand kostete 5 $. Der Eintritt in das Muschelmuseum belief sich auf 30 $ pro Person. Weitere 5 $ mussten wir bezahlen, um mit dem eigenen Auto die Wildlife Loop Road befahren zu dürfen. Der Prospekt pries naturbelassene Landschaften und die legendären Manatees an, eine Art Süßwasser-Seekühe.

Manatees
Manatees aus einem Werbefilm

Wir hatten noch nie eine so tierfreie Gegend gesehen wie dieses Wildreservat. Nach einer Weile freuten wir uns sogar über ein Spinnennetz. Zwei Vögel und einige Krebse im Flachwasser waren am Ende die spärliche Bilanz. Von Manatees keine Spur. Wahrscheinlich handelt es sich um eine moderne Legende, mit der Touristen angelockt werden.

An unserem letzten Tag in Florida brannte die Sonne vom endlich einmal blauen Himmel und wir konnten baden gehen. Am Strand mussten wir auf ausreichenden Abstand zu den Schildkrötennestern achten.

Seeschildkrötennest
Schildkrötennest vor der Terrasse

In der Zeit des nächtlichen Schlüpfens werden hier sogar die Straßenlaternen ausgeschaltet, um den jungen Schildkröten die Orientierung zu erleichtern. Die sind nämlich genetisch so gepolt, dass sie instinktiv in Richtung Helligkeit krabbeln. In der Natur ist das in der Regel der weiße Schaum der brechenden Wellen.

Fazit Florida

Florida ist mit seinen endlosen Küsten und dem lässigen Lifestyle unbedingt sehenswert. Allerdings gilt das nur, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: das Wetter sollte mitspielen und deine Kreditkarte sollte ein hohes Limit haben.

Im letzten Teil dieser Serie über die USA wollen wir uns noch New York anschauen. Bis bald!

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Autor: sinnlosreisen

Geschichten über die lustige Seite des Urlaubs

11 Kommentare zu „USA 10: Florida, Sunshine State“

  1. Das Krokodil beim Pinkeln in den Everglades ist mir in Florida auch passiert!

    Ich muss ehrlich sagen, ich verstehe nicht, weshalb so viele Menschen nach Florida ziehen, wo all das blöde Getier rumläuft und man alle zwei Jahre das Haus an einen Wirbelsturm verliert. Wenn ich ständig Angst haben müsste, dass eine Schlange durch die Kanalisation kommt, könnte ich mein Leben nicht mehr genießen.

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  2. Tja, das Wetter… Wir hatten schon Malediven bei Regen, Italien bei Regen, Madeira bei Regen, Bahamas bei Sturm – hab schon überlegt, mich dafür bezahlen zu lassen, in von Trockenheit geplagten Gebieten Urlaub zu machen. Immerhin hattet ihr die Strände für euch alleine und der Regenponcho ist nicht umsonst mitgereist.

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    1. 😂😂😂

      tolle Geschäftsidee, als Regenmacher zu reisen! Wir waren auch mal in Doha einen Tag lang, wegen einem verlängerten stopover und hatten den einzigen Regentag des Jahres erwischt 🫣

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  3. Ich kenne das Marco, das mit dem (un)passenden Wetter. Wir waren mal in Miami, als ein Hurricane aufzog. Schlimmer war aber, dass der Flughafen von Militär belagert war – vier Wochen nach 9/11 (wir flogen in einer leeren Swissair-Maschine, 14 Tage bevor die Airline ihren Bankrott erklärte). Aber man sollte sich von all den Unbill nicht vom Reisen abhalten lassen – Sonnenfotos mit Beach und Palmen kann ja jeder. Danke für die Bilder und Berichte – nach Key West würde ich auch gern mal wieder (obwohl die USA für mich für lange off limits bleiben). Übrigens, hast Du früher auch „Flipper“ geschaut? Das ist für mich für immer mit der Inselkette verbunden 🙂

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    1. Oje, lieber Reiner , da kamen ja gleich mehrere potentielle Urlaubskiller zusammen. Aber ich sehe das auch so: wenn nichts passiert, ist es manchmal langweilig und solange die negativen Überraschungen im Rahmen bleiben, hat man wenigstens etwas zu erzählen 😃

      Flipper hab ich natürlich leidenschaftlich geschaut, genauso wie Lassie und Daktari. Das bleiben lebenslange Erinnerungen.

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