Wer die indischen Taximassaker kennen gelernt hat, der fühlt sich am Flughafen von Bangkok fast schon gelangweilt. Man stellt sich in einer Warteschlange an, zieht am Automaten eine Nummer und läuft zum angezeigten Platz, wo das Taxi wartet. Dann nennt man sein Ziel, der Fahrer schaltet den Taxameter ein und bei der Ankunft bezahlt man ohne Diskussionen einen fairen Fahrpreis.


Natürlich gibt es auch hier Betrüger. Als wir am Automat auf unsere Nummer warteten, drückte uns eine uniformierte Frau ein Formular in die Hand und zeigte auf einen seriös aussehenden Mann. „He’s your driver“, sagte sie und wandte sich den nächsten Wartenden zu. Als wir schon losgefahren waren, stellte sich heraus, dass dieser Fahrer nur mit Festpreis fuhr, natürlich deutlich überteuert. Dass wir in Thailand waren, merkten wir, als wir auf dem Taxameter bestanden. Der Fahrer drehte mit uns eine kostenlose Ehrenrunde über den Flughafenzubringer, brachte uns wieder zum Taxistand, besorgte uns ein offizielles Taxi mit Taxameter, erklärte dem Fahrer die Adresse und verbeugte sich vor uns mit einer Entschuldigung.
Wie laut der indische Verkehr gewesen war, merkten wir erst, als wir in Bangkok durch den sechsspurigen Feierabendverkehr fuhren. Hier hupte niemand und an Kreuzungen liessen sich die Fahrer mit einem Lächeln auf den Lippen einfädeln. Wir lehnten uns entspannt zurück und freuten uns auf den Blumenmarkt und eine Wat-Wanderung durch Thailands Hauptstadt.
Flower Market
Der Yodpiman Flower Market ist der größte Umschlagplatz für Blumen in Thailand. Er ist weniger ein Blumenmarkt für Endkunden, sondern eher eine Großhandelshalle und Produktionsstätte. Hier hat sich jeder Stand spezialisiert. Manche Händler packen nur die Blüten in kleinere Gebinde um und schlagen ein paar Baht beim Weiterverkauf drauf. Die meisten bieten nur eine einzige Blumensorte an, andere führen nur Dekoartikel in allen Farben.





Und dann gibt es Stände, an denen werden in kunstvoller Handarbeit aus den Einzelteilen wunderschöne Gebinde oder Blumenschmuck für den Hausaltar gebastelt. Und zwischendrin düsen Rollerfahrer durch die engen Gänge und liefern die fertigen Erzeugnisse an die Einzelhändler in der Stadt.



Wat Saket – The Golden Mount
Nicht weit vom Blumenmarkt liegt der „Tempel des goldenen Berges“. Das ist eine dreifach irreführende Bezeichnung für einen der dienstältesten buddhistischen Tempel Bangkoks, quasi Triple-Fake. Erstens ist der aufgeschüttete Berg mit 79 Metern allenfalls ein Hügel. Zweitens ist nicht der „Berg“ golden, sondern der darauf gebaute Chedi. Und drittens bedeutet Wat Saket bei korrekter Übersetzung „Tempel der Reinigung des königlichen Haupthaares“. Wirklich! Das klingt irgendwie nach Friseursalon und ist natürlich deutlich uncooler als „The Golden Mount“. Wir wollen ja nicht kleinlich sein, aber ein wenig Präzision schadet auf Reisen nie.


In früheren Jahrhunderten wurde der Wat Saket als Krematorium Bangkoks verwendet. In Zeiten von Pandemien und Seuchen reichte allerdings das Brennholz nicht mehr aus und man ging auf eine nachhaltigere Form der Bestattung über. Eine kleine Ausstellung zeigt das pragmatische Vorgehen ziemlich drastisch.

Unser Besuch fiel auf die Mittagspause, in der die Mönche ihrer Meditation nachgingen. Auf dem Tempelgelände herrschte eine schläfrige Stille, nur das Summen der Fliegen war zu hören. Ein paar Katzen dösten in der drückenden Hitze. Die Mittagsruhe wurde an diesem Tag allerdings abrupt beendet, denn manchen Versuchungen kann man als SinnlosReisender einfach nicht widerstehen. Das Motto lautet: Frag nicht um Erlaubnis, bitte um Vergebung.


Wat Traimit
Bevor die Mönche den Verursacher der Störung identifizieren konnten, wechselten wir zum Wat Traimit, um den sich etliche Legenden ranken. Ganz genau weiß man es nicht, aber mir gefällt diese Erzählung am Besten:
Im Jahr 1935 wurde in Bangkok ein Sägewerk auf dem Gelände eines verlassenen buddhistischen Tempels errichtet, in dem auch eine vergammelte Buddhastatue aus Gips herumstand. Der Manager des neuen Werkes kam frisch von einem Effizienzsteigerungs- Seminar und wollte die Kosten für die Entsorgung des über 5 Tonnen schweren Gipsblockes sparen. Er bestand darauf, dass die Mönche die wertlose Statue auf eigene Kosten abtransportieren. Der nahegelegene Wat Traimit erklärte sich schließlich zur Übernahme bereit und stellte den Buddha unter einen provisorischen Unterstand. Denn egal wie wertlos, eine heilige Buddhastatue kann man nicht einfach im Müll entsorgen.
Zwanzig Jahre später sollte der Gipsklops in ein neu errichtetes Gebäude umziehen. Beim Transport riss ein Seil, und der Gips platzte auf. Zum Vorschein kam ein Buddha aus massivem Gold im Wert von etwa 250 Millionen Dollar. Um ihn vor plündernden feindlichen Armeen zu verstecken, wurde dieser Schatz vor 700 Jahren in Ayutthaya in einen Gipsmantel gehüllt und geriet dann in Vergessenheit.
Einige Wochen nach dieser sensationellen Entdeckung wurde ein ehemaliger Manager eines Sägewerkes in die Psychiatrie eingewiesen, weil er ständig weinend in die Tischplatte seines Schreibtisches gebissen hatte.



Vielleicht denke ich zu negativ, aber mir fiel auf, dass diese enorm wertvolle Goldstatue ohne erkennbare Sicherheitsmaßnahmen für jeden zugänglich ist. In Europa ist jeder Juwelier besser gegen Diebstähle geschützt. Gibt es in Thailand keine schlechten Menschen? Oder ist die Bewachung so perfekt, dass man sie nicht mal sieht? Eine Online-Recherche brachte mich nicht weiter; vielleicht weiß Jemand aus der Leserschaft etwas?
Wat Arun

Aller guten Dinge sind drei, und daher besuchten wir noch den Wat Arun. Er wird auch Tempel der Morgenröte genannt, weil man unbedingt kurz nach Sonnenaufgang dort sein sollte, will man die Menschenmassen vermeiden. Am schnellsten und bequemsten ist die Anreise über den Fluss, denn der Wat Arun hat eine eigene Anlegestelle. Entweder nimmt man ein Touristenboot für umgerechnet 10 € oder man wählt eine der öffentlichen Linien für 80 Ct. Der einzige Unterschied ist der Preis. Dann muss man nur noch den richtigen Eingang in den Tempel finden.



Der Wat Arun ist mit Mosaik aus chinesischem Porzellan überzogen und beeindruckt durch eine wunderschöne Gesamtarchitektur. Doch auch bei näherem Hinschauen offenbaren sich dem aufmerksam Reisenden einige herrlich sinnlose Details.








Bei drei Tempeln an einem Tag besteht akute Gefahr für eine Kulturvergiftung. Deshalb packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg in den Norden Thailands. Der Bericht ist schon in Arbeit. Bis bald!
Neben den Mönchen und ohne Maske, kein Wunder, dass sie Dir keinen Iced Latte angeboten haben 🙂 Drei Tempel pro Tag ist schon ordentlicher Durchschnitt, weiter so. Bin gespannt auf Deinen Bericht aus dem Norden.
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Wahrscheinlich haben sie mich gar nicht bemerkt, in meinem schwarzen Tarnshirt 😉.
Hab schon weitere Berichte in Arbeit über Lopburi, Chiang Mai und Chiang Rai. Dort ist die Tempeldichte ähnlich hoch, wie du ja aus eigener Erfahrung weißt.
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Beeindruckende Bauten. Das Pferd hat wahrlich einen ungewöhnlichen Stall. Ob innen wohl ein Aufzug ist? Oder kommt es galant die Showtreppe runter? 🙂
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Rätsel über Rätsel 😂. Die Treppe ist doch etwas steil für einen Abgang. Ich frage mich auch immer, wer auf die Idee kam, in luftiger Höhe ein Pferd zu platzieren.
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Was für ein freundliches Land. Man trifft zwar auf Betrüger, das sind dann aber freundliche Betrüger mit Manieren. Faszinierend 🙂
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Ja, nicht wahr?
Bei den asiatischen Kampfsportarten verbeugt man sich auch erst mal artig, bevor man dem Gegner die Fresse poliert 😂.
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Sieht nicht irgendwann jeder Tempel in etwa gleich aus? So geht es mir mit Kirchen…
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Hm, teilweise. Manchmal gibt es natürlich schon Ähnlichkeiten, insbesondere bei den Standardtempeln, die in jedem Dorf stehen. Aber die großen Sehenswürdigkeiten haben dann doch immer wieder völlig andere Stile, Farben und Details. Oder ganz besondere Orte. Und dann sind das natürlich Oasen der Ruhe im trubeligen Großstadtverkehr.
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Toll, toll, ich war da 2003 mal und ich würde mich von dem freigelegten Gold nicht täuschen lassen, wer weiß was wiederum da drunter ist. Gips vielleicht … 😉
tolle Bilder!
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Wie bei diesen russischen Puppen. Immer noch eine weitere Schicht. Du bist aber auch tiefsinnig 😂
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Und ein bisschen viel“schichtig“ 😉
Grüße aus Tadoussac!
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Ein interessanter Hinweis für die internationale der Diebe. Es steht nur zu befürchten, dass die nicht nur so einen eh nicht nutzbaren, weil zu groß geratenen, Kanada – Dollar zerkleinern, sondern schändlicherweise dann auch die Buddha – Statue. –
Bei dem Pferd kann ich helfen. Das ist ein Hinweis (ist es denn ein Pferd, kein Esel?) auf die oft kolportierte und meines Wissen orientalische Geschichte des Esels, der eine Treppe hinaufstieg und oben aufgrund seiner Anatomie und der ihn umgebenden Architektur nicht mehr umdrehen konnte. Und da steht er heut noch…
Ist also symbolisch gemeint. Für bedachtsames Treppennutzen.
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Danke für den Hinweis. Ich bin allerdings ziemlich sicher, dass es ein Pferd ist. Vielleicht hat es ja Flügel, wie Hermes, das konnte man von unten nicht sicher erkennen.
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Herrlich, Bankok mit deinen Augen und deiner blühenden Fantasie zu sehen! Eure Wat-Wanderung hat sich ja echt gelohnt. Für euch und für uns Leser. Danke!
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Sehr gern geschehen. Wir scheuen keine Mühen, um den Lesern nur das Beste zu bieten. Grins.
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