Ich dachte immer, dass man in Österreich Deutsch spricht. Weit gefehlt! Wir wurden in der Pension Alpenblick in Innsbruck mit überschäumender Herzlichkeit mit den Worten empfangen:
„Gria-Saich! HoabadEanaGuadInnenahannanagfuanda?“
Fieberhaft scannte ich mein Gedächtnis nach der passenden Sprachfamilie für eine Antwort ab. Ich tippte auf eine Mischung aus Suaheli und Japanisch und hatte mich gerade für ein vorsichtig neutrales „Do you speak English?“ entschieden, als die SinnlosReisende an meiner Seite antwortete:
„Ja, Danke, alles bestens, unser Navi hat uns sicher hergeführt.“
Schnell lernte ich die Tiroler Begrüßungsformeln: Gria-Saich bedeutet so etwas wie Hallo im Plural, Grias-Die wird bei Einzelpersonen verwendet und zum Abschied sagt man Pfüi-Deich bzw. Pfüi-Die. Viel einfacher als Thailändisch.
Dann stürzten wir uns in die Tiroler Bergwelt. Hier leben die Kühe weit entfernt von jedem Gedanken an Tönnies so entspannt, dass sie vor lauter Langeweile Liegestützen auf der Weide machen.

Am ersten Tag nahmen wir uns die Besteigung des legendären Muttekopfes über die Imster Ostwand vor. Wir parkten unser Fahrzeug im Basislager in Hochimst. Die Sherpas heißen hier Sessellift und brachten uns mit modernster Technik zum ersten Biwaklager auf stolze 1491 m über dem Meeresspiegel.

Ohne Sauerstoffmaske bezwangen wir den Aufstieg zum zweiten Biwaklager auf schwindelerregenden 1623 m Höhe. Dort stärkten wir uns in der Latschenhütte mit Tiroler Gröstl und leckerem Kaiserschmarrn. Auf der nächsten Etappe überholte uns eine Einheimische mit Zwillings-Kinderwagen und wir brachen demotiviert ab. Auf dem Rückweg wurden wir von einem Rudel der heimtückischen Alpenbiber gestellt, die arglosen Wanderern auflauern.

Diese destruktiven Vandalen verwüsten ganze Berghänge mit ihren scharfen Zähnen.

Den Bergbauern bleibt dann oft nichts anderes übrig, als die gerodeten Hänge für Skipisten zu nutzen:

Das Alpaka ist ein „Zu-Groisda“, das österreichische Wort für Mitbürger mit Migrationshintergrund. Immerhin hat es die Alpen schon in seinem Namen. Es wird hier gerne wegen seiner gewagten Frisuren gehänselt.

Der österreichische Meister im Kuhfladenweitwurf kommt mit einer Weite von 41,4 Metern aus Tirol.

Auch der amtierende Weltmeister in den Hamburger- und Cheeseburger-Wettbewerben lebt offenbar in Imst. Er teilt sein Spezialwissen in der Zubereitung des perfekten Burgers auf großen Schildern mit der interessierten Bevölkerung: Die Mayonnaise immer schön gleichmäßig verteilen!

In Innsbruck weht eine farbenfrohe Designvariante der österreichischen Nationalflagge, die Regenbogenfahne. Sie symbolisiert Toleranz und Vielfalt und soll auf Artikel 3 des Grundeigentümergesetzes hinweisen: Kein Haus darf wegen seiner Fassadenfarbe, seines Alters, seiner Bauweise oder seiner Architektur benachteiligt werden. Glaube ich zumindest.

Überhaupt glänzt Innsbruck mit einigen auffallenden Gebäuden. Das Goldene Dachl mit seinem Prunkerker diente Kaiser Maximilian dazu, seine Untergebenen zu beeindrucken.

Das Helblinghaus wurde von seinem Besitzer solange mit barockem Stuck verziert, bis der Nachbar zur Linken sein Haus vor lauter Neid grün anstrich:

Der Ottoversand hat seine Filiale in Innsbruck an die lokale Architektur perfekt angepasst:

Die Berg-Isel-Skiflugschanze ermöglicht bei Föhnwetterlagen eine unglaubliche Sprungweite. In diese Mauer in der Innenstadt musste extra ein Durchgang integriert werden, damit die Skispringer genügend Auslauf haben. Man nennt ihn Triumpfpforte, denn wer hier durchspringt, hat den Sieg im Neujahrsspringen ziemlich sicher.

Münchner aufgepasst: So sieht die Isar aus, bevor sie bayrisch wird:

Auf dem Heimweg besuchten wir das barocke Stamser Stift, das eigentlich für Besucher geschlossen war. Wir stolperten zufällig während eines Gottesdienstes in die Basilika und ließen uns von der mächtigen Orgel das Trommelfell durchpusten.

So, liebe Leser, nun habe ich aber wieder genug Unsinn geschrieben. Vier Tage ohne Gesichtsmaske waren eine tolle Erfahrung, aber vier Tage sind halt viel zu wenig.
Au weia, jetzt hab ich doch glatt gegen die neuen Regeln der gendergerechten Schreibweise verstoßen. Das hiesige Landratsamt hat nämlich eine interne Dienstanweisung erstellt, nach der es keine Leser und auch keine LeserInnen mehr geben darf. Also dann noch einmal mit der politisch korrekten Ansprache:
Liebe „mit den Augen einen Text erfassende Lebewesen der Gattung Mensch mit beliebigem Geschlecht“ – bis bald auf diesem Kanal und Pfüi-Deich!
Haben wir eigentlich keine anderen Probleme?
Sicher, dass die Leute euch nicht mit „Pfui Teufel“ verjagt haben? 😀
LikeLike
Wer weiß? Eine Fremdsprache bleibt letztendlich doch eine fremde Sprache, da kann man nie sicher sein.
LikeLike
Ich wohne ja nicht weit entfernt im Nachbarbundesland Salzburg. So richtig verstanden, wie die Tiroler ticken, habe ich aber erst durch diesen Beitrag. Herzlichen Dank dafür!
LikeGefällt 1 Person
Sehr gerne! Wenn es zur „Völkerverständigung“ beiträgt, bin ich immer dabei. 😏. Das ist wahrscheinlich wie bei uns mit Bayern, Schwaben und Franken…
LikeLike
Ja, servus! Des is hoit scho a vadeifede Sach, so a Fremdsprach! Das nächste Mal mit Dragoman, mit Dolmetscher empfiehlt ein Leser, der auch schon zu Innsbruck am goldenen Dachl war. Und auch im Alpenzoo, wo’s seltsamerweise Elche hat (und die Wildkatze meinem Sohn bewies, was schnell heißt, seinem Regencape – es ist Innsbruck, genau, Standardkleidung – einen Cut beibrachte. Er schwört bis heute, dass er nicht reingefaßt habe, was ich ihm glaube, sonst wäre die Kralle woanders gelandet). Übrigens, ganz tolles Erlebnis: ich sah dort einen Mauerläufer. Ja doch, den Vogel!
Was von den Tirolern zu halten ist? Nun, Innsbruck ist eine große Stadt. Wie wär’s mit Kufstein? Und dem wilden Kaiser als Ausflugsziel? Da hat uns (viele Jahre nach dem obigen Erlebnis) eine meiner Töchter müde gehetzt…
LikeLike