Lange gab das Wirken der buddhistischen Kugelkrebse an Thailands Stränden der Wissenschaft Rätsel auf. Diese etwa 1 cm kleinen Winzlinge formen im Akkord Kugeln aus Sand, mit denen sie die Vorgärten ihrer Höhlen-Wohnungen verzieren, fast wie die schwäbischen Häuslebesitzer mit ihren Gartenzwergen.

In der Mitte wohnt der Obermufti mit den größten Kugeln. Drumherum siedelt eine ganze Kolonie, die die Wege zwischen ihren Höhlen mit ihren Scheren freifegen. Ganze Städte und Straßenzüge entstehen auf diese Weise.

Sechs Stunden lang belegen die Krebse bei Ebbe ohne Pause den Strand mit ihren Kugeln. Dann kommt die Flut und spült alles weg. Und nach weiteren sechs Stunden macht sich die Nachtschicht an die Arbeit, bis die nächste Flut wieder alles vernichtet.

Unserem Reporter gelang es nun erstmalig mit einer erweiterten Beta-Version von Google Translate ein Interview mit einem buddhistischen Kugelkrebs zu führen. Auf die Frage nach dem tieferen Sinn ihres lebenslangen vergeblichen Kugelbauens antwortete der Krebs in bester buddhistischer Tradition: „Der Weg ist das Ziel“.
Ob man sich denn nicht wenigstens die Nachtschicht sparen könnte, wo die Flut doch alles wieder zerstört, bevor es überhaupt Jemand sehen kann, wollte unser Reporter wissen. „Dann wären Yin und Yang nicht mehr im Gleichgewicht“, war die lapidare Antwort des Krebses. Und damit zurück ins Studio.

Nein, das hier ist kein überfressener Kugelkrebs, sondern ein gestrandeter Kugelfisch. Kinder aufgepasst! So ergeht es einem, wenn man zuviel Brausepulver auf einmal isst.
Richtigstellung:
In unserem Artikel hat sich ein Fehlerteufelchen eingeschlichen: die Kugelkrebse sind natürlich keine Buddhisten, sie sind konfessionslos. Und sie ernähren sich, indem sie von Sandkörnern die organischen Ablagerungen ablutschen. Und damit sie nicht versehentlich zweimal das gleiche Sandkorn ablutschen – immerhin sehen die sich ziemlich ähnlich – formen sie aus den abgelutschten Körnern eine Kugel und werfen sie hinter sich.
Und die Kugelkrebse sind heilfroh, dass die Flut alle zwölf Stunden ihr Werk wieder wegspült. Bei der nächsten Ebbe können sie dann nämlich einfach wieder die Sandkörner ablutschen, auf denen das Meer neues Fresschen abgelagert hat.
Das ist der ewige Kreislauf des Lebens.
Ohne all zu sehr in das Thema einsteigen zu wollen und Unterschiede zwischen rückenbeseiteten, zartbeseiteten und gepanzerten Lebensformen am Stran auszubreiten, nur die Frage: war das mit den hungrigen Hundert dann ein bleibender Schaden, Schaden für den Biologieunterricht meine ich?
Von dem recht bekannt gewordenen Herrn Cook, seinerseits nicht Schiffs- oder gar Fernsehkoch, sondern Käptn des ollen Kohlenpotts, der Endavour, ist übrigens eine interessante, in diesen Zusammenhang passende Geschichte überliefert: er und ein paar Offiziere bekamen von der Kombüse – nicht berichtet, ob es sich um einen Racheakt oder den Versuch einer Meuterei handelte – einen extra zubereiteten, unbekannten und zufällig gefangenen Fisch vorgesetzt. Alle hatten schon gegessen und probierten nur. Alle überlebten, dieses Zufalls wegen, alle hatten in der Nacht Lähmungserscheinungen und fühlten sich sehr krank.
Es war zwar kein Igel-, aber ein naher Verwandter, ein Kugelfisch.
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Biologie war nie mein stärkstes Fach, daher bleiben diese Berichte von mir meist im Graubereich des Halbwissens. 😇
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Jetzt vergaß ich zu fragen: Nächste Reise nach Japan? Fugu essen?
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Japan steht definitiv auf der Liste.
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Übrigens: gratuliere zum heutigen Preisträger, erster Beitragsleser (klar, viel viel später, wir schreiben ja kurz vor Weihnachten). Natürlich ist der Preis kein von mir selbst angerichteter Kugelfisch, sondern immateriell, also ungleich harmloser.
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